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Der australische Autor und Illustrator Sean E. Avery ist als Lehrer, Designer und Künstler tätig. Auf Deutsch sind von ihm „Neville gibt nicht auf“ und „Franks rote Mütze“ erschienen. Beide Werke haben einen Pinguin als Hauptakteur, weshalb es der Autor mit seinem Buch auf meinen Blog geschafft hat. In seinen Büchern möchte Avery ungewöhnliche visuelle Konzepte in Schwarz-Weiß-Zeichnung mit einem ironisch-humoristischen Stil verknüpfen. Diesen Ansatz verfolgt er auch in dem 2023 bei Dragonfly erschienenen „Franks rote Mütze“.
Pinguin Frank ist für seine zahlreichen, aber nicht immer gelingenden Ideen bei seinem Pinguinumfeld bekannt. Denn bei seinen Ideen kam es auch schon zu Unfällen, für die man ihm die Schuld gibt. Als er sich eines Tages eine rote Mütze strickt und damit Farbe in die schwarz-weiße Pinguinwelt der Antarktis bringt, sorgt er für großen Aufruhr. Als jedoch ein anderer Pinguin die Mütze ausprobiert und kurz darauf von einem Orca gefressen wird, ist seine Idee schon wieder mit einem Unglück verbunden. Für die anderen Pinguine ist klar: Bunte Mützen sind gefährlich, aber Frank hält an seiner farbenfrohen Idee fest und strickt weitere Mützen.
Die Handlung ist recht simpel und das Buch soll die Entscheidung der anderen Pinguine kritisch bewerten, doch für mich geht genau diese Lehre nicht auf. Das Buch ist minimalistisch gestaltet und so ist überhaupt nicht klar, warum auf einmal ein Orca auftaucht und einen der Pinguine verspeist. Für Kinder ist diese Handlung nicht nachvollziehbar und in ihrer Brutalität absolut unnötig. Das Buch möchte zeigen, dass man aus einem Unglück keine falschen Schlüsse ziehen sollte, aber hier wäre doch der Grad des Unglücks nach unten anzupassen, um überhaupt eine moralische Lehre zu betonen. Die Illustrationen bieten eine collageartige Darstellung der Arktis. Bewusst werden die Farbakzente Franks mit der ansonsten durchgehenden Schwarz-Weiß-Welt kontrastiert. Doch die Illustrationen sind trotzdem stark cartoonartig, geben den einzelnen Figuren wenig Individualität und widersprechen damit der angedachten Kernaussage der Handlung. Nur die Mütze ist hier der individuelle Aspekt und damit symbolisch durchaus mit dem Satz „Kleider machen Leute“ zu verbinden. Die Idee eines Bilderbuches, welches sich mit Vorurteilen und falscher Kausalität auseinandersetzt, kritisiere ich nicht, aber hier ist die Umsetzung absolut misslungen. Für mich ist dies eines der schlechtesten Bilderbücher, mit denen ich je in Kontakt gekommen bin. Keine Figurentiefe, alles in einer kurzen und für die angedachte Lehre zu unterkomplexen Handlung, hier geht aus meiner Sicht kein einziger Plan auf. Die mitschwingende Ironie des gefressenen Pinguins ist zudem für Kinder nicht geeignet.
Fazit:
Bisher habe ich auf dem Blog wenig schlechte Bewertungen abgegeben, aber dieses Mal bleibt mir keine andere Möglichkeit. An diesem Bilderbuch ist aus meiner Sicht nichts gelungen. Weder gefallen mir die Zeichnungen besonders, noch passen diese zur Geschichte, und als kindgerecht stufe ich dieses Werk ebenfalls nicht ein. Somit kommt es zu einer Premiere auf meinem Blog, denn ich vergebe keinen einzigen Pinguin für dieses Buch. Mich schmerzt, dass meine Lieblingstiere hier als Charakter herhalten mussten.
Werbung aus Liebe zum Buch
Wertung:
Titel: Franks rote Mütze
ISBN: 978-3-748-80252-5
