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Bei meinem letzten Besuch im Frankfurter Städelmuseum habe ich mir die Sonderausstellung „Beckmann“ angesehen, die sich dem zeichnerischen Werk von Max Beckmann widmet. Rund 80 Zeichnungen, viele davon erstmals öffentlich ausgestellt, geben einen Einblick in den kreativen Prozess eines der wichtigsten Künstler der Moderne. Ergänzt wird dies durch ausgewählte Gemälde, um den kreativen Schaffensprozess darzustellen.
Max Beckmann ist ein bedeutender Künstler des 20. Jahrhunderts und lehnte es ab, dass man ihn einer bestimmten Stilrichtung zurechnen wollte. Seine frühen Arbeiten sind allerdings stark von Expressionismus und Neuer Sachlichkeit geprägt. Im Ersten Weltkrieg ist Beckmann als Sanitätssoldat tätig und diese Erfahrungen beeinflussen sein künstlerisches Werk. Die Ausstellung zeigt Zeichnungen Beckmanns, in welchen er auch das Alltagsleben der Soldaten zeigte. Setzte er vor seinen Kriegserfahrungen noch auf weiche Strichführungen, werden diese härter. Nach der Kriegszeit verschränken sich Figuren und Räume in seiner Bildsprache. Beckmann beginnt eine intensive Auseinandersetzung mit dem Menschen als Individuum und dem Verhältnis zu den gesellschaftlichen Umständen. Hervorzuheben sind hier unter anderem seine Selbstbildnisse, die er über sein Leben hinweg wiederholte. Hier gefällt mir unter anderem das Bild „Selbstbildnis mit Sektglas“ aus dem Jahr 1919. In diesem Bild zeigt sich zum einen die Ausgelassenheit der Zeit der Weimarer Republik, und doch zeigen sich die Schatten, in welche diese Ausgelassenheit schnell kippen kann. Die Ausstellung in Frankfurt geht natürlich auf die besondere Beziehung des Künstlers zu Frankfurt ein. Beckmann arbeitete von 1915 bis 1933 in Frankfurt und war auch Lehrer einer Meisterklasse an der Kunstgewerbeschule. 1929 wurde ihm der Große Ehrenpreis der Stadt verliehen. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Beckmann zum entarteten Künstler und ging nach Amsterdam ins Exil und später in die USA, wo er bis zu seinem Tod 1950 lebte. Die Ausstellung dokumentiert Beckmanns Entwicklung vor und nach der Frankfurter Phase. Die Ausstellung geht wie ein Tagebuch durch das Leben Beckmanns und zeichnet seine künstlerische Entwicklung nach. Während des Nationalsozialismus wird seine Kunst mythischer und schwerer entschlüsselbar. Eines der Bilder, die ich gut deuten kann, ist „Spaziergang (Der Traum)“ von 1946. Die Figur schreitet über einen Steg, ohne den drohenden Abgrund zu erkennen, aus meiner Sicht eine deutliche Skizzierung der Geschehnisse in Deutschland. Insgesamt sind die ausgestellten Skizzen eine Darstellung ihrer Funktion für Beckmanns Werk. Sie dienen ihm zur Weltbeobachtung, zur Formulierung seiner Bildideen und zur Entwicklung seiner Kompositionen. Im Laufe seines Lebens soll Beckmann über 1.900 schwarz-weiß Zeichnungen erarbeitet haben.
Highlights der Ausstellung sind unter anderem das Gemälde „Frau mit Kerze“ von 1928, in welchem man seine Porträtarbeit ablesen kann. Eine fragmentierte Bildwelt ist im Gemälde „Haltestelle“ von 1945 zu sehen und ein Bildnis dunkler Umbruchjahre im Gemälde „Der Mord“ von 1933. Die chaotische Szenerie erinnert an ein Stillleben. Das Grauen des Toten ist erst nach längerem Ansehen erkennbar. Mir gefällt diese Darstellung von Gegensätzen, die Entfremdung und das Verwischen der Gegenstände. Für mich hat die Ausstellung Beckmann nochmals in anderer Art und Weise erlebbar gemacht. Man sieht, wo seine Ideen erstmals geboren werden, kann seinen künstlerischen Prozess verstehen und anhand seiner Skizzen ist die künstlerische Entwicklung ablesbar.
Fazit:
Das Städel Museum hat mir mit dieser Ausstellung einen von mir geschätzten Künstler nochmals auf ganz andere Art und Weise vorgestellt. Durch den Einblick in seine Werkstatt kann man einen zentralen Akteur der klassischen Moderne in seiner ganzen Entwicklung fassen. Insgesamt wird die Kraft hinter einem Bild, die man für den ganzen Prozess aufbringen muss, sichtbar. Ich empfehle den Städelbesuch deshalb gerne.
Werbung aus Liebe zur Kunst
Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧
Weitere Infos zur Ausstellung unter: https://www.staedelmuseum.de/de/beckmann
