Berg, Mathias: Die Kriminalistinnen – Der stumme Zeuge

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Am heutigen Weltfrauentag starten die Darmstädter  Krimitage in ihre elfte Ausgabe. Bei den Vorbereitungen war schnell das Ziel geboren, einen Abend passend mit Bezug zum Weltfrauentag zu gestalten. Im Zusammenspiel mit dem restlichen Organisationsteam haben wir uns für zwei Autor:Innen mit ihren Debütromanen entschieden. Es hätte aber durchaus weitere Möglichkeiten gegeben und eine passende Reihe stammt aus der Feder des Autors Mathias Berg. Er hat eine Krimitrilogie über die ersten Polizistinnen in Düsseldorf geschrieben. Die Bücher sind im Emons Verlag erschienen und die ersten beiden Bände habe ich auf dem Blog bereits besprochen. Heute möchte ich die Reihe mit dem letzten Band „Der stumme Zeuge“ erschienen 2025, beschließen. Die titelgebenden Kriminalistinnen setzen immer noch ihre Ausbildung im Kommissariat fort, haben sich aber mittlerweile durchaus  Respekt verschafft und ihre Rollen innerhalb der Polizei gefunden.

Der letzte Band setzt im Dezember 1970 ein und beginnt mit dem Verschwinden  der vierjährigen Liese, die in der Nähe eines Kinderkarussells verschwunden ist. Lucia Specht ist aktuell mit Vermisstenfällen beauftragt und ist damit Teil der Ermittlungen. Ihr Kollege ist sich sicher, dass dieser mögliche Tatablauf zu einem ihm bereits bekannten Täter passt. Die Polizei  beginnt deshalb nach diesem bekannten  Straftäter zu fahnden. Parallel zu diesen Ermittlungen wird Lucia Specht vom Polizeipräsidium Köln angefordert. Sie soll dort undercover im Milieu ermitteln. Eine Diebstahlserie bahnt sich an und keiner der bekannten Polizisten wäre in der Lage, weitere Details zu erhalten. Lucia legt sich die Tarnidentität einer Kunststudentin zu und beginnt in den Kölner Kneipen, Informationen zu sammeln. Sie ist in diesem Band somit mit zwei Fällen beschäftigt und der Roman erzählt beide Krimihandlungen mit gleicher Intensität. Beide Ermittlungen ergeben schnell einen möglichen Täter und doch kann man diesen anhand der vorliegenden Indizien nicht abschließend überführen.

„So ist das mit dem Leben. Wir müssen es vorwärts leben und rückwärts verstehen.“

Berg, Mathias: Die Kriminalistinnen – Der stumme Zeuge, Emons Verlag 2025, S.311.

Man könnte dieses Zitat als Motto für die Trilogie rund um die Kriminalistinnen nehmen. Lucia Specht versucht über die drei Bände hinweg, den Tod ihrer Mutter aufzuklären. Zudem sind alle Handlungen in den zeitgeschichtlichen Kontext eingebunden, verraten viel über die gesellschaftlichen Zustände und ebnen zugleich die Entwicklungslinien bis in unsere heutige Zeit. Das Novum der ausgebildeten Polizistinnen spielt in diesem dritten Band keine große Rolle, denn die Frauen haben sich mittlerweile ein gewisses Ansehen erarbeitet. Vielmehr rückt eine weitere gesellschaftliche Herausforderung in den Fokus. Neben Frauen lehnt das männerdominierte Polizeisystem auch Homosexuelle ab, weshalb Lucias Kollege Toni sich eine Tarnbeziehung mit ihr zulegt. Die Rollenbilder der Zeit werden exemplarisch aufgezeigt, ohne dass Berg in Klischees verfällt. Der Trilogieabschluss ist gut komponiert und erzählt in Episoden die beiden Kriminalfälle und widmet sich den privaten Ermittlungen von Lucia.  Der Vermisstenfall  des jungen Mädchens geht unter die Haut und wird mit viel Feingefühl erzählt. Man spürt die Wut der Eltern, die Verzweiflung der Großmutter und erkennt bei der Polizei  einen hohen Einsatz. Allerdings geht die Polizei nicht nur mit Wut vor, sondern versucht in den Verhören den vermeintlichen Tätern und ihren Neigungen mit Verständnis zu begegnen. Dadurch stellt das Buch auch die Frage des Umgangs mit diesen Krankheitsbildern. Es wird aber auch deutlich, dass dies bei  den ermittelnden Personen für psychische Belastung sorgt. Für mich ist dies eine weitere Ebene des Romans, welche die literarische Qualität unterstreicht.

Die verdeckten Ermittlungen in Köln zeigen ein anderes Bild der ermittelnden Frauen. Hier beweisen sie, dass sie ihre Fähigkeiten gekonnt einsetzen, aber auch mit den Rollenbildern spielen können. Bei ihrem Vorgehen nutzen sie ihre weiblichen Reize, spüren aber mit viel Feingefühl, sobald das Gefahrenrisiko zu groß wird. Lucias Privatleben ist dieses Mal eine Randentwicklung, jedoch werden die Stränge der beiden Vorgängerbücher gezielt zu einem Ende geführt. Für mich ist dies deshalb ein gelungener Reihenabschluss. Ich habe die Hauptfigur über die drei Bücher hinweg schätzen gelernt. Im Fall des vermissten Mädchens beweist sie nochmals  ihre Kombinationsgabe und zugleich die nötige Emotionalität, um sich Opfern und Tätern zielgerichtet in den Ermittlungen zu widmen. Das männerdominierte Berufsfeld wird anhand der Ermittlungserfolge durchbrochen. Dabei zeigt sich, dass sie gegenüber ihren männlichen Kollegen deutlich mehr leisten müssen.

Fazit:

Mathias Berg rundet seine Trilogie um die ersten Frauen im Düsseldorfer Polizeidienst mit der nötigen Qualität ab. Alle Bücher boten spannende Kriminalfälle und haben ihren zeithistorischen Kontext gelungen in die Handlung eingearbeitet. Klassische Krimiplots werden mit den gesellschaftlichen Veränderungen der 70er Jahre kombiniert und liefern richtig gute Krimiunterhaltung. Der Abschlussband überzeugt mit glaubwürdigen Charakteren, wobei ich hier besonders Lucia Specht hervorheben will,  einer vielschichtigen und realistisch anmutenden Darstellung der Polizeiarbeit und einer starken Gesamtkonstruktion. Für mich ein würdiger Abschluss für eine Reihe, die uns starke Frauen präsentiert. Ein Lesetipp zum Weltfrauentag.

Werbung aus Liebe zum Buch

Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧

Titel: Die Kriminalistinnen – Der stumme Zeuge

ISBN: 978-3-7408-2339-9

https://emons-verlag.de/p/die-kriminalistinnen.-der-stumme-zeuge-7434

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