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In diesem Jahr bin ich wieder als Moderator bei den Darmstädter Krimitagen tätig. Für unsere Ausgabe im Jahr 2026 haben wir uns einen besonderen Startmoment überlegt. Am 8. März findet wieder der alljährliche Weltfrauentag statt und wir beginnen die Krimitage mit einem Abend zu besonderen Frauen. Ich werde aber noch nicht verraten, wer die beiden Autor:Innen sein werden, die wir begrüßen dürfen. Stattdessen möchte ich heute beginnen, eine Romanreihe vorzustellen, die sich mit den ersten Polizistinnen bei der Düsseldorfer Kriminalpolizei beschäftigt. Ich denke, damit kann ich einen ersten kleinen Vorgeschmack auf die im März startenden Krimitage geben. Der Roman ist Auftakt der Reihe um Lucia Specht.
„>>Warum wollen Sie zur Kripo? Kriminalbeamter ist doch ein typischer Männerberuf. Was war ihre Motivation als Frau?<<, fragte er und taxierte mich.“
Berg, Matthias: Die Kriminalistinnen – Der Tod des Blumenmädchens, Emons Verlag 2023, S.10.
Mit dieser Frage wird Lucia Specht von Beginn ihres Starts bei der Düsseldorfer Kriminalpolizei konfrontiert. Wir befinden uns im Düsseldorf des Jahres 1969. Ein „Blumenmädchen“ wird tot aufgefunden und diese Zuschreibung ist ein weiteres Charakteristikum dieser historischen Zeit. Lucia Specht ist Ich-Erzählerin und Hauptfigur, ihre Schilderungen geben Einblick in den Polizeialltag und die Ausbildung. Gemeinsam mit ihr wurden fünf weitere Kolleg:Innen eingestellt. Es ist für alle Beteiligten ein Experiment. Lucia Specht und die ermittelnden Kolleg:Innen beginnen, die letzten Tage der Toten zu rekonstruieren. Sie hat Blumen auf der Straße verkauft und hatte flüchtige Bekanntschaften, vielleicht sogar Kontakt ins Rotlichtmilieu. Es geraten deshalb verschiedene Männer in Verdacht, unter anderem ein zwielichtiger Geschäftsmann, ein vielleicht eifersüchtiger Liebhaber oder vielleicht sogar ein Kollege. Es ist eine beharrliche Recherche notwendig, um diesen Fall zu lösen. Gekonnt lässt Berg die 60er Jahre auferstehen, indem er mit Liebe fürs Detail, die Musik, Mode und Lebensstile dieser Jahre schildert. Die Polizeiarbeit ist geprägt von den gesellschaftlichen Bruchlinien jener Zeit. Es geht um die Emanzipation gegenüber gängigen Rollenbildern, ein Aufbegehren der jungen Generation, geprägt vom Wunsch, Verantwortung für die Geschichte zu übernehmen. Die liberalen Wünsche stehen den bisherigen Machtansprüchen gegenüber und letztere möchten einige verteidigen. Mathias Berg setzt bei seinem gut komponierten Kriminalfall auf ein gut beschriebenes Setting. Die Polizeiarbeit wird ausführlich, aber vor allem lebendig geschildert. Zudem erfahren wir immer wieder, welche Herausforderungen Lucia Specht meistern muss, um sich den nötigen Respekt zu verschaffen. Ebenfalls werden Nebenhandlungen genutzt, um aufzuzeigen, dass jede der Frauen vor anderen Problemen steht.
„Du denkst, wenn die Polizei kommt, sagen alle Menschen automatisch die Wahrheit? Alle Menschen lügen. Ganz gleich, wie gut oder schlecht sie sind. Ich habe noch keinen getroffen, der immer die Wahrheit sagt. Das gibt es nicht. Höchstens im Märchen.“
Berg, Matthias: Die Kriminalistinnen – Der Tod des Blumenmädchens, Emons Verlag 2023, S.65.
Lucia Specht ist eine Figur, die mit ihrem Mut als junge Frau beeindruckt. Sie ist ehrgeizig und verfügt über die notwendige Neugier in ihrem Beruf. Allerdings ist sie ebenfalls verletzlich und reflektiert ihre Erlebnisse. Ich finde, dass sie die passende Erzählerin für diesen Roman ist. Berg hat fundiert recherchiert und daraus eine tolle Geschichte gemacht. Die gesamte Geschichte ist voller Authentizität. Die gewählte nüchterne Sprache spiegelt die Atmosphäre dieser Zeit. Die Schilderungen der Ermittlungsarbeit sind realistisch, verdichten Motivlagen und schaffen ein starkes Spannungsniveau. Die Dialoge sind passend gesetzt und integrieren die passende Figurensprache. Zentrales Element ist der Kampf der jungen Frauen um Anerkennung. Sexismus, Unterschätzung und Mobbing sind fester Alltagsbestandteil. Wir erleben mit den Figuren kleine Erfolge, erleben aber auch Rückschläge, und dies macht den Roman gelungen. Berg ist damit nicht nur ein Krimi, sondern eine spannende historische Gesellschaftsstudie gelungen.
Fazit:
Mich hat diese Reihe wirklich überzeugt. Ich finde, dass man die Figuren schnell schätzen lernt und sich von Beginn an auf die Zeit einlässt. Gelungen an diesem Reihenauftakt ist, dass weder Krimiplot noch historischer Hintergrund das jeweils andere überlagern. Berg hat seine Figuren mit der notwendigen Tiefe ausgestattet, hat sowohl bei den Figuren als auch bei den geschilderten Lebensverhältnissen den Blick für die notwendigen Details. Der Kriminalfall ist spannend, der Kampf für die Emanzipation vermeidet die Klischeefalle. Ich finde, dass diese Reihe nicht nur etwas für Fans historischer Krimis ist, sondern ein toller Beitrag für alle Genreliebhaber ist. Ich freue mich jedenfalls auf die weiteren Romane der Reihe und hoffe, die Vorfreude auf den Start der Krimitage damit zu steigern, wenn auch diese Reihe nicht zu Gast ist.
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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧
Titel: Die Kriminalistinnen – Der Tod des Blumenmädchens
ISBN: 978-3-7408-1684-1
https://emons-verlag.de/p/die-kriminalistinnen.-der-tod-des-blumenmaedchens-6735
