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Dan Brown gehört mittlerweile zu den erfolgreichsten Thrillerautoren unserer Gegenwart. Bekanntheit erlangte er allerdings vor allem durch seine ersten beiden Bücher „Illuminati“ und „Sakrileg“. Browns Markenzeichen sind die Verbindungen kulturgeschichtlicher Fakten mit fiktional angereicherten Verschwörungstheorien in rasanten Handlungsabläufen. Hauptfigur seiner Bücher ist der Symbologe Robert Langdon, der sich in seinem dritten Abenteuer den Freimaurern zuwenden muss und der Frage, ob mythisches Wissen in der Lage sein wird, verborgene Kräfte hervorzubringen.
„Die Apokalypse ist nicht das Ende der Welt, sondern das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Die Prophezeiung der Apokalypse ist nur eine der wundervollen Botschaften der Bibel, die verzerrt worden sind.“
Brown, Dan: Das verlorene Symbol, Bastei Lübbe 2009, S.618.
Die Handlung beginnt mit einer Einladung Langdons durch einen alten Freund nach Washington D.C. Peter Solomon bittet seinen alten Freund um das Halten eines Vortrags im Kapitol. Doch kaum ist Langdon dort angekommen, überschlagen sich die Ereignisse. Es wird eine verstümmelte menschliche Hand gefunden, deren Finger mit Symbolen versehen sind. Langdon erkennt sofort, dass es sich um die Hand seines Freundes handelt. Es stellt sich heraus, dass Langdon bewusst nach Washington D.C. gelockt wurde. Der mysteriöse Mal’akh hat seinen alten Freund entführt und setzt nun darauf, dass ihm Robert Langdon dabei helfen kann, ein altes Freimaurergeheimnis zu lüften. Solomon ist Teil der Bruderschaft und soll als einer der Wächter gelten. Es geht um die Existenz eines „Verlorenen Wortes“, welches dem Besitzer eine große Macht verleihen soll. Sollte sich Langdon gegen die Hilfe entscheiden, muss er das Risiko des Todes seines Freundes eingehen. Währenddessen versucht Peters Schwester Katherine Solomon herauszufinden, warum ihr Bruder zu einem geplanten Treffen nicht gekommen ist. Sie beschäftigt sich mit der Wissenschaft der Noetik und damit mit einer Wissenschaft, die sich unserem Bewusstsein widmet. Auch an dieser Forschung scheint ein Interesse des mysteriösen Verbrechers zu bestehen. Mal’akh geht auf seiner Suche nach der spirituellen Erlösung brutal vor und Langdon muss in einer hektischen Schnitzeljagd durch die Stadt die Geheimnisse der Freimaurer ergründen. Ebenso entsteht der Schatten eines familiären Geheimnisses der Familie Solomon, welches in dieser Geschichte noch zu lüften ist.
„Bleiben Sie unvoreingenommen, meine Freunde. Wir alle fürchten uns vor dem, was wir nicht verstehen.“
Brown, Dan: Das verlorene Symbol, Bastei Lübbe 2009, S.57.
Robert Langdon bleibt der Rätsel lösende Professor, der er auch in den vorangegangenen Abenteuern war. Er begegnet den mythischen Versuchungen, die sein Kontrahent ergründen will, mit einer großen Portion Skepsis. Er respektiert bestimmte Aspekte des Glaubens oder Riten der Geheimgesellschaften, mit denen er sich beschäftigt, versucht aber, deren rationalen Ursprünge auf den Grund zu gehen. Seine Abenteuer zwingen ihn allerdings immer wieder dazu, dass dieses rationale Vorgehen ins Wanken gerät. Ich finde es nicht störend, dass sich Langdon als Figur über die Romane hinweg nur wenig weiterentwickelt. Man merkt ausschließlich, dass sein Selbstbewusstsein und der Mut fürs Abenteuer zugenommen haben. Durch die geringe Entwicklung kann Brown seine Hauptfigur immer wieder in ein ähnliches Umfeld setzen. Es gibt in jedem Roman eine Protagonistin, die mit Langdon gemeinsam ermittelt. Zudem entwickeln sich immer leichte romantische Gefühle, die jedoch nie zu einem Abschluss geführt werden. Erneut gelingt es Brown, seine Geschichte mit einer schockierenden Entdeckung starten zu lassen und, da wir immer nah dran an Langdon sind, gemeinsam mit ihm in den Rätselsog einzusteigen. Der Plot folgt anschließend einer Kette von Rätseln und Enthüllungen. Jede Lösung führt unmittelbar zum nächsten Geheimnis. Diese Struktur erzeugt einen ständigen Vorwärtsdrang. Kapitel enden häufig mit Cliffhangern. Durch parallele Handlungsstränge und Perspektivwechsel hin zum Täter verdichtet Brown seinen Roman gekonnt und steigert den Spannungsbogen.
„Wie anders würde die Welt aussehen, wenn die Mächtigen sich die Zeit nähmen, über den Tod nachzudenken, bevor sie einen Krieg anzetteln?.“
Brown, Dan: Das verlorene Symbol, Bastei Lübbe 2009, S.247.
Wesentlicher Grund für die Erfolge von Dan Brown sind seine fundierten Recherchen und der gekonnte Mix zwischen wissenschaftlichen Fakten und Mythen, die er zu einem funktionierenden fiktionalen Gewebe verdichtet. Die Geschichte der Freimaurer wird anhand der Monumente in Washington lebendig und die Schauplätze sind wie immer bei Brown wesentliche Handlungselemente. Bewusst übertreibt der Autor allerdings bestimmte Mythen, und so wirkt das ein oder andere konstruiert. Somit nimmt sich Brown die Freiheit einer selektiven Recherche, was aber dem Roman und seiner Funktionsweise dienlich ist. Spannend an diesem Band der Reihe ist die Integration der CIA in die Story. Der Geheimdienst scheint bei diesem Plot zwischenzeitlich eigene Ziele zu verfolgen und es ist für Langdon nicht klar, ob man ihnen trauen kann. Interessant ist zudem, wie die Entwicklung der Freimaurer bis in unsere heutige Gegenwart dargestellt wird. Insgesamt sind dies alles Zutaten für einen spannenden Thriller, und damit wird die Reihe auf hohem Niveau fortgesetzt.
Fazit:
Man muss Dan Brown das Kompliment aussprechen, dass es ihm gelingt, seine Reihe so zu konzipieren, dass es kaum einen Qualitätsunterschied zwischen den Büchern gibt. Der dritte Band kann absolut mit seinen beiden Vorgängerbänden mithalten. Erneut wird ein Geheimbund in den Fokus gerückt, der einige prominente Mitglieder in der Vergangenheit hatte. Dies nutzt der Autor für eine dramatische und spannende Story, die dieses Mal stärker mit Mythen spielt und deren Bedrohungsszenario in die persönlichen Beziehungen der Charaktere hineinwirkt. Der Bösewicht überzeugt mit einer komplexen Tiefe und die Cliffhanger sitzen wie gewohnt. Robert Langdon ist trotz der geringen Entwicklung seiner Persönlichkeit immer noch ein geeigneter Charakter für die Story, und so entsteht ein rundum gutes Buch mit hohem Unterhaltungswert.
Werbung aus Liebe zum Buch
Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧🐧
Titel: Das verlorene Symbol
ISBN: 978-3-404-16000-6
https://bastei-luebbe.de/Buecher/Krimis-Thriller/Das-verlorene-Symbol/9783404160006
