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Die aktuellen Monatsplanungen auf meinem Blog sind geprägt von Büchern oder Buchreihen, die mich in meiner Lesesozialisation nachhaltig geprägt haben. Dazu ist auch eine Buchreihe zu zählen, deren weltweiter Erfolg in Verfilmungen mit Tom Hanks in der Hauptrolle gipfelte. Die Rede ist von der Romanreihe rund um den Symbologen Robert Langdon, geschrieben von Dan Brown. Ich kann mich noch gut an meine erste Lektüre des Romans „Illuminati“ erinnern, da ich dieses Buch förmlich verschlungen habe. Mit dieser Lektüre war meine Leseleidenschaft für Thriller, vor allem Agenten- und Verschwörungsthriller, geweckt. Zudem, und dies sehe ich im zeitlichen Abstand äußerst kritisch, habe ich damals begonnen, mich mit Verschwörungstheorien zu beschäftigen. Angesichts der heute sich stetig verbreitenden Verschwörungstheorien und ihrer wachsenden Anhängerschaft sehe ich im Erfolg der Buchreihe einen Nachteil, sofern sie vielleicht zu diesem Anwachsen der Anhängerschaft beigetragen hat. Ich betrachte dies kritisch, da viele Menschen angesichts der gut recherchierten Bücher Verschwörungstheorien durchaus mehr Aufmerksamkeit schenken, als dies angesichts ihrer überprüfbaren Fakten korrekt wäre. Diesen Gedanken möchte ich eingangs meiner Rezension nur erwähnt haben, da er mich seit einiger Zeit beschäftigt. Trotzdem möchte ich die Buchreihe in diesem Monat vorstellen, denn der Unterhaltungswert ist unbestritten und es ist literarisch gut gemacht.
„Es ist eine Tatsache, dass jede organisierte Religion nur wenig Echtes besitzt. Religionen entstehen nicht aus dem Nichts. Sie entstehen auseinander. Moderne Religionen sind ein Sammelsurium … eine historische Abfolge, welche die Suche des Menschen nach göttlichem Verständnis widerspiegelt.“
Brown, Dan: Illuminati, Bastei Lübbe 2004, S.311.
Der Roman beginnt mit einem rätselhaften Mord am europäischen Forschungszentrum CERN in der Schweiz. Dort wird der Physiker Leonardo Vetra mit einem eingebrannten Symbol in der Brust tot aufgefunden. Aufgrund dieses Spezifikums, welches als Ambigramm auf den Geheimbund der Illuminati verweist, wird der Symbologe Robert Langdon vom CERN-Direktor hinzugezogen. Leonardo Vetra hat gemeinsam mit seiner Adoptivtochter Vittoria an der Antimaterie gearbeitet. Nach gemeinsamer Sichtung stellt man fest, dass ein Teil dieser Antimaterie mit einer enormen Sprengzerstörungskraft gestohlen wurde. Kurz darauf erhält der Vatikan eine Botschaft der angeblich wiedererstandenen Illuminati, welche in der Kirchengeschichte einflussreiche Gegenspieler waren, dass diese zurück sind und vier Kardinäle entführt haben. Zudem wird ein Bild übertragen, welches einen kleinen Kasten zeigt, der vermutlich die Antimaterie enthält. Diese Bedrohung erfolgt zu einem kritischen Zeitpunkt, denn der Vatikan befindet sich unmittelbar vor der Durchführung des Konklaves für die Wahl eines Nachfolgers des kürzlich verstorbenen Papstes. Robert Langdon und Vittoria reisen nach Rom, um bei der Suche nach der Antimaterie zu helfen. Es stellt sich heraus, dass Langdon aber auch bei der Suche nach den vier Kardinälen helfen könnte. Der Schlüssel zur Lösung liegt in einem geheimnisvollen „Pfad der Erleuchtung“, welchen die Illuminati vor Jahrhunderten angelegt haben sollen. Die Suche erstreckt sich durch Rom mit zahlreichen Kirchen und Kunstwerken als möglichen Hinweisen. Sie sind eng mit der Geschichte der Stadt und den Werken bedeutender Künstler verbunden. Die einzelnen Stationen sind jeweils den vier klassischen Elementen Erde, Luft, Feuer und Wasser zugeordnet. Schnell zeigt sich, dass man es mit überaus brutal und berechnend vorgehenden Gegnern zu tun hat. Es verdichten sich aber auch die Hinweise darauf, dass nicht nur Wissenschaft und Religion sich in diesem Roman gegenüberstehen, sondern es auch innerhalb der Kirche verborgene Geheimnisse zu geben scheint.
„Also glauben Sie, dass Gott eine Tatsache ist, obwohl Sie wissen, dass Sie ihn nie verstehen werden?“
Brown, Dan: Illuminati, Bastei Lübbe 2004, S.149.
Robert Langdon ist eine wunderbare Ermittlerfigur wider Willen. Eigentlich ist er Harvard-Professor für Religionssymbolik und agiert in seinem Tweedjackett als klassischer Gelehrter. Dank seiner Fähigkeit, historische Zusammenhänge, kulturelle Codes und Symboliken zu kombinieren, gelingt es ihm, den Gegner zu ermitteln. Der Held dieses Romans braucht keine körperlichen Kräfte, sondern agiert mit seinem Wissen. Eine Schwäche ist dabei seine Klaustrophobie, der er sich im Rahmen des Romans aber ebenfalls stellen muss. Weiterhin ist eine prägende Figur der junge Camerlengo, der in Ausnahmesituationen Kirchenentscheidungen zu treffen hat und in seiner Funktion für die Handlung richtig detailliert gezeichnet ist. Am meisten haben mich jedoch der Plot- und Spannungsaufbau beeindruckt und wie es Dan Brown gelingt, kurze Kapitel so spannend zu schreiben, dass man das Buch eigentlich nicht mehr aus der Hand legen möchte. Selbst bei der wiederholten Lektüre ging es mir so. Ein Element dieses Spannungsaufbaus ist die episodische Struktur, denn es wartet wie bei einem Etappenrennen immer wieder ein neues Rätsel. Hieraus entsteht ein kontinuierlicher Lesefluss. Ferner arbeitet Brown intensiv mit Cliffhangern. Viele Kapitel enden an besonders spannenden Stellen und beinhalten Perspektivwechsel. Dies sorgt für ein fast filmisches Erzähltempo. Ein weiteres zentrales Element sind falsche Spuren. Immer wieder präsentiert Brown scheinbar eindeutige Hinweise, die sich später als irreführend erweisen. Die Leserschaft wird dadurch durchgehend dazu angeregt, eigene Theorien zu entwickeln.Lena muss sich bei ihren Ermittlungen gegen den Willen ihrer Kollegen durchsetzen. Zugleich offenbart sich ihr, dass sie nur schwer zwischen Realität und falschen Erinnerungen unterscheiden kann. Tim Pieper wählt hierfür intensive Schilderungen und so sind wir immer nah an der Hauptfigur und müssen mit ihr die Zweideutigkeiten der Geschehnisse erkennen. Pieper transportiert damit eine durchgehende Unsicherheit, die aber auch spannungsfördernd wirkt. Es bleibt in diesem Roman lange unklar, welche Hintergründe die Geschehnisse antreiben. Lena stellt sich bei ihren Ermittlungen auch der eigenen Vergangenheit und muss verarbeiten, dass ihr Vater und weitere Personen aus ihrer Heimat sich distanzieren. Pieper entfaltet ein Netz aus Geheimnissen mit psychologischen Manipulationen. Durch die Schilderungen fragmentierter Erinnerungen werden auch reale Erlebnisse immer wieder durchbrochen. Für Spannung sorgen die Perspektivwechsel, welche auch an der Zuverlässigkeit von Lena weiter zweifeln lassen. Ebenso ist die Küstenlandschaft ein guter Schauplatz. Bewusst habe ich mich auch aufgrund der hier zu erwartenden Atmosphäre für diesen Roman entschieden, und die passt auch bei diesem Buch. Gestützt wird diese Atmosphäre durch die Herausforderungen, welche Lena überstehen muss. Sie muss psychisch und physisch vieles verarbeiten, und somit gleichen die Ermittlungen ebenso einem Kampf gegen sich selbst. Beharrlich bleibt sie ihrem Weg treu und beeindruckt damit beim Lesen.
„Doch um das Jahr 1500 herum gab es in Rom eine Gruppe von Männern, die sich gegen die Kirche wehrten. Einige von Italiens klügsten Köpfen – Physiker, Mathematiker und Astronomen – trafen sich heimlich, um sich wegen der unrichtigen Lehren der Kirche auszutauschen. Sie fürchteten, dass das kirchliche Monopol auf die ‚Wahrheit‘ den weltweiten akademischen Fortschritt behindern könnte. Also gründeten sie die erste wissenschaftliche Denkfabrik in der Geschichte der Menschheit und nannten sich ‚die Erleuchteten‘.“
Brown, Dan: Illuminati, Bastei Lübbe 2004, S.53.
Der Roman wirkt fundiert recherchiert, zumindest sind die Schilderungen des CERN sowie der Kirchen und Kunstwerke realistisch. Allerdings wird Brown durchaus vorgeworfen, hinsichtlich der Darstellung des Illuminatiordens auf populäre Verschwörungsmythen zu setzen und bestimmte kunsthistorische und wissenschaftliche Auslegungen stark zu vereinfachen, sodass diese in seinen Plot passen. Ich empfinde dies allerdings als nicht zu schlimm, denn dies ist fiktiven Texten durchaus erlaubt. Schwierig daran ist, wenn ein Teil der Rezipienten dies für wahr hält. Der weltweite Erfolg des Romans hat auf jeden Fall einen erheblichen Einfluss auf das Thriller-Genre, wobei dies vom Nachfolgeband noch übertroffen wurde. Der Roman popularisierte die Verbindung von Bildungsroman und Actionthriller. Zudem steigerte sich aber, wie schon angesprochen, das öffentliche Interesse an Geheimbünden und Verschwörungstheorien. Ich möchte die weltweite gesellschaftliche Entwicklung nicht ausschließlich an dieser Romanreihe angeknüpft sehen, und doch muss auch der Blick in die Popkultur ergänzend vorgenommen werden. Sicherlich nehmen gegen Ende des Romans die Konstruktionen zu und der Roman verliert etwas an Glaubwürdigkeit, doch insgesamt ist es ein hoch spannendes Buch.
Fazit:
Auch meine wiederholte Lektüre hat mir gezeigt, wie stark dieses Buch gebaut ist. Dan Brown gelingt es, einen unglaublichen Lesesog zu erzielen, sodass dieses Buch zu den spannendsten Werken gehört, die ich je lesen durfte. Die Verbindung von historischen Rätseln mit religiöser Symbolik ist mitreißend geschrieben und trifft in mir auf einen Leser, der sich für solche Verbindungen schon zuvor interessiert hat. Reale Schauplätze werden toll inszeniert und erschaffen eine Handlung, die nur wenig Handlungszeit abhandelt. Man glaubt förmlich, dass die Zeit verfliegt. Mängel bei den recherchierten Fakten muss man unter Beachtung des fiktionalen Spannungsaufbaus sehen. Aufgrund der grandiosen Cliffhanger sehe ich darüber hinweg. Insgesamt ist dies ein moderner Thriller, welcher zurecht weltweit für Aufsehen gesorgt hat.
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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧🐧
Titel: Illuminati
ISBN: 978-3-404-14866-0
