Brown, Dan: Inferno

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Heute stelle ich den nächsten Roman von Dan Brown vor und es ist der erste in dieser Reihe, den ich nun zum ersten Mal gelesen habe. „Inferno“ ist einer der Romane, die auch verfilmt wurden, und so kennt sicherlich der ein oder andere außer dem Buch auch den Kinofilm. Dan Brown bleibt bei seiner Reihe immer dem Kern treu und vermischt kulturhistorische Fakten mit Verschwörungstheorien zu einer spannenden fiktionalen Geschichte. Gepaart mit einem hohen Erzähltempo und den realen Schauplätzen ist ihm eine äußerst erfolgreiche Reihe gelungen. Mit „Inferno“ erschien 2013 der vierte Roman seiner Reihe. In diesem Abenteuer steht die „Göttliche Komödie“ von Dante Alighieri im Fokus. Sie wird mit Biotechnologie und Überlegungen über das weltweite Bevölkerungswachstum verknüpft.

„Man verglich ihn mit einem religiösen Eiferer, der an der Straßenecke sitzt und ein Schild hochhält, ‘das Ende ist nah‘.“

Brown, Dan: Inferno, Bastei Lübbe 2014, S.318.

In diesem Band ist der Start dramatischer als bei den Vorgängerabenteuern. Robert Langdon erwacht in einem Krankenhaus in Florenz, ohne dass er Erinnerungen an die vorherigen Geschehnisse hat. Ausschließlich eine grauhaarige Frau erscheint immer wieder in seinen Träumen und scheint ihn zu warnen. Langdon weiß nicht, warum er in Italien ist, und plötzlich droht direkte Gefahr. Eine Auftragskillerin kommt ins Krankenhaus, tötet den behandelnden Arzt, und Langdon kann nur mit Glück und der Hilfe der Assistenzärztin Sienna Brooks fliehen. Brooks bietet Langdon an, ihm zu helfen, sich in die Botschaft zu flüchten. Doch dann scheinen Erinnerungen zurückzukehren und sie finden einen Hinweis auf einen Behälter, der eine mögliche Gefährdung enthält. Die beiden begeben sich auf die Spuren der Erinnerung. Schrittweise müssen sie erkennen, dass sie sich in einem Wettlauf gegen die Zeit befinden. Der brillante Genforscher Bertrand Zobrist möchte die laut ihm drohende Überbevölkerung verhindern und hat hierfür wahrscheinlich einen gefährlichen Virus entwickelt. Zobrist ist allerdings tot. Der Ort, an dem sich das mögliche Virus befindet, kann nur anhand von Hinweisen auf Dantes bekanntestes Werk ermittelt werden. Unklar ist, welche Organisation die beiden davon abhalten möchte, die Katastrophe abzuwenden, und welche Rolle die amerikanische Regierung und die Weltgesundheitsorganisation spielen. Langdon ist als Symbologe gefragt und muss sich anhand von berühmten Kulturstätten in Venedig dem möglichen Zielort annähern.

„Niemand ist stolzer als der, der sich für immun hält gegenüber den Gefahren der Welt. Dante war eindeutig derselben Meinung, als er den Stolz als eine der sieben Todsünden bezeichnete.“

Brown, Dan: Inferno, Bastei Lübbe 2014, S.317f.

Robert Langdon zeichnet sich wie in den vorherigen Abenteuern durch seinen Intellekt aus. Allerdings nimmt seine Bereitschaft für waghalsige Aktionen und actionbereite Handlungen zu. Die bisherigen Abenteuer haben hier Spuren hinterlassen und ihn gestärkt. Der geschilderte Gedächtnisverlust ist in diesem Band der Reihe ein zentrales Moment und ein gelungener Kniff, um die Spannung zu erhöhen. Gerade für einen Wissenschaftler steckt darin noch eine besondere Brisanz. In diesem Abenteuer sind die Hintergründe der Gefahren komplex. Der Gegenspieler widmet sich dem komplexen Thema Überbevölkerung, die natürlich auch zu Engpässen bei Rohstoffen etc. führen kann und zugleich eine gefährliche Herausforderung für die Natur ist. Zobrist möchte diesen Gefahren durch den Tod von Menschen entgegentreten und öffnet damit ein philosophisches Feld, welches all unsere Vorstellungen von Moral und Zusammenleben herausfordert. Robert Langdon erkennt, dass es hier nicht einzig und allein um einen machtbesessenen Menschen geht. Browns Erfolgsrezept ist, dass sich die Handlung wieder in einem knappen Zeitrahmen abspielt und somit Druck bei den handelnden Personen entsteht. Informationen und Erkenntnisse, welche Robert und Sienna erlangen, werden immer wieder in Zweifel gezogen und sorgen dafür, dass Misstrauen gegenüber Vertrauen überwiegt. Gelungen sind erneut die Schilderungen der Handlungsorte und ihrer Gebäude und Kunstwerke. Diese realen Bezüge machen den Roman authentisch und übertragen diese Wirkung auf die realitätsferneren Elemente, wie den bedrohenden Virus. Die hohe Anzahl an Wendungen innerhalb der Geschichte ist dieses Mal jedoch zugleich ein Wagnis. Für manche Leser:In kann dies dazu führen, dass man das Geschilderte als zu konstruiert empfindet. Mir ist es allerdings so nicht gegangen.

„Der Studie zufolge wechselt die große Mehrheit der Studenten, nachdem sie einen deprimierenden Nachrichtenbeitrag über das Abschmelzen der Polkappen oder das Aussterben einer Tierart gelesen haben, ganz schnell zu einer trivialen Seite, die die Angst aus ihren Köpfen vertreibt; am häufigsten werden im Anschluss Sportseiten, Katzenvideos und Prominentenklatsch aufgerufen.“

Brown, Dan: Inferno, Bastei Lübbe 2014, S.317.

Dan Brown hat wieder viel zu seinen Schauplätzen recherchiert. Ebenfalls ist die Darstellung moderner Biochemie und Genetik durchaus an wissenschaftliche Sachstände angepasst. Als Bedrohung wählt Brown keinen klassischen tödlichen Virus, sondern setzt dies in Bezug zu Zobrists Zielen mit langfristigen Auswirkungen. Der Roman stellt damit die provozierende ethische Frage, welche Maßnahmen erlaubt sind, um größeren Schaden abzuwenden. Der Roman betont alle Risiken und Gefahren, und mittlerweile ist die demografische Entwicklung als weniger krass gedeutet worden. Trotzdem behandelt der Roman ein Thema von nicht zu unterschätzender Aktualität.  Nicht überzeugen kann mich in diesem Buch die geschilderte Rolle der Weltgesundheitsorganisation, und auch die zu ihr gehörenden Figuren bleiben zu blass. Dies schwächt den positiven Gesamteindruck jedoch nur minimal.

Fazit:

Dan Brown versteht es meisterhaft, seine Geschichten zu arrangieren, und dies kann auch der vierte Teil seiner Reihe um den Symbologen Robert Langdon bestätigen. „Inferno“ widmet sich einem ethisch brisanten Thema und buchstabiert dieses in einer spannenden Handlung aus. Manche Handlungselemente wirken konstruiert, sind aber der Spannung des Romans dienlich. Einige Nebenfiguren erhalten jedoch wenig Tiefe und können deshalb ihrer Funktion für den Roman nicht die nötige Authentizität verleihen. Dan Brown bleibt aber seinem Erfolgsrezept zu Recht treu und so gelingt ihm erneut ein spannendes Abenteuer, bei dem man gerne miträtselt.

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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧🐧

Titel: Inferno

ISBN: 978-3-404-16975-7

https://bastei-luebbe.de/Buecher/Krimis-Thriller/Inferno/9783404169757

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