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Dan Brown ist als Autor weltweit erfolgreich und sein Geheimrezept seiner Spannungsromane und ihre Verbindung von Kultur und Wissenschaft haben vielleicht einen familiären Ursprung. Sein Vater war Mathematiker und die Mutter Kirchenmusikerin, und so hat Brown schon in jungen Jahren Aspekte von Wissenschaft und Religion mitbekommen. „Origin“ erschien 2017 und widmet sich fokussiert der modernen Wissenschaft und dem gegenwärtig wichtigen Thema Künstliche Intelligenz. Trotzdem weicht auch dieses Buch nicht von den Erfolgsrezepten vorheriger Abenteuer ab und hat den Symbologen Robert Langdon als Hauptfigur.
„Die Wissenschaft ist die Antithese der Religion […]“
Brown, Dan: Origin, Bastei Lübbe 2017, S.132.
Robert Langdon wird von seinem Freund Edmond Kirsch zu einem Vortrag ins Guggenheim-Museum nach Bilbao eingeladen. Der milliardenschwere Zukunftsforscher plant eine wissenschaftliche Präsentation, mit der er nach eigener Aussage die bestehenden religiösen Weltbilder erschüttern wird. In seiner Präsentation sollen die Fragen „Woher kommen wir?“ und „Wohin gehen wir?“ beantwortet werden. Zu den Gästen seiner Präsentation gehören Wissenschaftler, Unternehmer, Politiker, Geistliche, aber auch Religionsvertreter*Innen. Ambra Vidal, Direktorin des Guggenheim-Museums und Verlobte des spanischen Kronprinzen, hat sich mit Kirsch angefreundet und ist von seinen visionären Vorstellungen fasziniert. Allerdings wird Kirsch kurz bevor er seine Präsentation zum entscheidenden Punkt führen kann, ermordet. Robert Langdon ist schockiert und scheint zugleich eine Chance zu haben, das Vermächtnis seines Freundes doch noch zu veröffentlichen. Für die Präsentation hat Kirsch eine künstliche Intelligenz entwickelt, die jeden Besuchenden seines Vortrages individuell über einen Assistenten im Ohr begleitet. Jene KI mit Namen „Winston“ will Langdon helfen, die Präsentation doch noch zu veröffentlichen. Unterstützung erhält Langdon von Ambra Vidal. Ihre Motivation besteht in einer Angst, denn sie glaubt, dass der Tod Kirschs vielleicht durch ihren Verlobten oder einen Vertrauten des Königs herbeigeführt wurde. Es beginnt eine Jagd durch Spanien, welche nach Barcelona führt, wo Kirsch gearbeitet hat. Sie müssen Hinweisen im Leben des Zukunftsforschers nachgehen, die sie zu dessen Vorliebe für den Architekten Antoni Gaudí führen. Die berühmte Sagrada Família wird zu einem zentralen Ort, bei dem diejenigen zu einem Showdown auftauchen, welche die Forschung Kirschs verhindern wollen.
„Für das menschliche Gehirn ist irgendeine Antwort besser als keine Antwort […]“
Brown, Dan: Origin, Bastei Lübbe 2017, S.130.
Dieser Roman betont nochmals, wie in „Illuminati“, den Gegensatz zwischen Religion und Wissenschaft. Allerdings fügt Brown erneut eine religiöse Sekte hinzu und lässt diese zu einem gefährlichen Gegenspieler werden. Unklar ist hierbei, inwieweit diese die katholische Kirche oder den Königspalast infiltriert hat. Somit offenbart der Roman die Interessenslage hinter den Geschehnissen erst spät. Ich muss bei diesem fünften Band aber sogleich anmerken, dass diese Auflösung mich enttäuscht und damit dem Spannungsbogen nicht gerecht wird. Hinsichtlich der durch Kirsch lässt der Roman bewusst eine Bewertung offen. Somit ist es uns als Leserschaft überlassen, uns mit dem Verhältnis von Religion und Wissenschaft nach der Lektüre auseinanderzusetzen. Robert Langdon gibt hierbei wieder den ermittelnden Helden und erneut ist eine Frau an seiner Seite, für die er Sympathie regt, allerdings keine Liebesgefühle, wie dies sich bei vorherigen Abenteuern angedeutet hat. In diesem Abenteuer sind die Rätsel auf Lyrik und Architektur fokussiert. Mit seinem ruhigen und analytischen Auftreten ist er ein Figurengegenpol zur Dramatik und dem Tempo der Geschehnisse. Gemeinsam mit Ambra Vidal gelangt er dem Ziel schrittweise näher, doch immer wieder werfen vermeintliche Lösungen neue Rätsel auf. Die wechselnden Schauplätze helfen der Dynamik des Romans, und wie immer werden reale Orte detailliert geschildert und gekonnt in die Handlung eingebaut. Dan Brown lässt uns in seinen Büchern reisen und zugleich miträtseln. Spannend ist die Integration eines Liveblogs in die Handlung, der immer wieder neue Deutungsmöglichkeiten anbietet. Die konsequente Dramaturgie hält den Lesefluss hoch. Brown hat erneut intensiv zu Gaudí recherchiert und auch die Schilderung von Guggenheim Museum und der Sagrada Família zeugen von guter Hintergrundarbeit. Für die dargestellten Entwicklungen der Wissenschaft geht der Autor von aktuellen Entwicklungen aus und setzt fiktive Fortsetzungen an, die durchaus real möglich erscheinen. Erneut erhält ein Langdon-Abenteuer eine philosophische Tiefe, denn es geht auch darum, ob empirische Forschung irgendwann jedwede offene Frage wird beantworten können. Dies birgt auch die Gefahr, dass Religionen ins Chaos gestürzt werden und die Stabilität unserer gesellschaftlichen Systeme ins Wanken bringen.
„Manchmal muss man bloß die Perspektive wechseln, um die Wahrheit eines anderen zu erkennen.“
Brown, Dan: Origin, Bastei Lübbe 2017, S.637.
Mir gefällt an diesem Buch die Figur des exzentrischen Zukunftsforschers, doch das Buch hat für ihn aus meiner Sicht nie den geeigneten Gegenspieler. Die Verstrickungen des spanischen Königshauses finde ich doch sehr konstruiert und die Auflösung kann mich wie schon erwähnt nicht überzeugen. Ich glaube auch, dass Brown zu wenig Einblick hatte, um die Geschehnisse im spanischen Königshaus authentisch zu schildern. Hier musste eine fiktionale Konstruktion gefunden werden, die das Buch nicht tragen kann. Dies ist schade, denn ansonsten kann Brown wieder mit guter Recherche und Cliffhangern aufwarten. Man kommt in diesem fünften Abenteuer ebenfalls in einen Lesesog, und doch ist dieser weniger stark als in den vorherigen Romanen.
Fazit:
Bei einem Buch von Dan Brown Kritik zu üben, ist sicherlich vermessen, denn seine Bücher sind, auch wenn sie etwas schwächer sind, stärker als der Durchschnitt der erscheinenden Thriller. Trotzdem fällt dieses Buch gegenüber den vorherigen ab, und dies hat weniger damit zu tun, dass ich mich sattgelesen haben könnte. Es sind die geschilderte antagonistische Bewegung und eine wenig überzeugende Darstellung des spanischen Königshauses, welche dem Buch Dramatik nehmen. Zudem sind die Rätsel diesmal weniger komplex, und werden nicht mit der gleichen Inszenierung wie in den vorherigen Büchern aufgebaut. Trotzdem steht am Ende ein unterhaltsamer Thriller, den man nur schwerlich aus der Hand legen kann, was auch am starken Schreibstil des Autors liegt.
Werbung aus Liebe zum Buch
Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧
Titel: Origin
ISBN: 978-3-404-17714-1
https://bastei-luebbe.de/Buecher/Krimis-Thriller/Origin/9783404177141
