Brown, Dan: The Secret of Secrets

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In den vergangenen Wochen und Tagen habe ich einen gezielten Blick auf Bücher und Autoren geworfen, die für meine Lesebegeisterung mitverantwortlich waren. Dan Brown hat definitiv mit seinen Thrillern um den Symbologen Robert Langdon zu meiner Thrillerbegeisterung für Geheimdienste und Verschwörungen beigetragen. Als nun acht Jahre nach seinem letzten Roman ein neues Abenteuer angekündigt wurde, gab es einen passenden Moment, mich mit dieser Reihe auf dem Blog intensiv auseinanderzusetzen. Brown zählt zu den weltweit meistgelesenen Thrillerautoren. Seine Romane verbinden historische Fakten, Symbolik, Kunstgeschichte, Religion und moderne Wissenschaft zu rasanten Verschwörungsthrillern, deren Markenzeichen die Jagd gegen die Zeit ist. Übersetzt in mehr als fünfzig Sprachen und mit über 250 Millionen verkauften Büchern ist er ein Weltbestsellerautor, inklusive Verfilmungen mit Tom Hanks in der Hauptrolle. Mit „The Secret of Secrets“ setzt er die Geschichte des Harvard-Symbologen Robert Langdon fort und schlägt zugleich ein neues Kapitel auf. Statt den Schwerpunkt auf kirchliche Institutionen oder klassische Kunstgeschichte zu legen, rückt diesmal die Erforschung des menschlichen Bewusstseins ins Zentrum. 

„Die Stadt Prag war ihrem Ruf, zauberhaft zu sein, gewiss gerecht geworden … ein Katalysator mit uralten Kräften. Etwas ist hier geschehen …“

Brown, Dan: The Secret of Secrets, Bastei Lübbe 2025, S.33.

Robert Langdon reist nach Prag, um einen Vortrag der renommierten Noetik-Forscherin Katherine Solomon zu besuchen, mit der ihn inzwischen eine Liebesbeziehung verbindet. Kathrine Solomon war bereits als Figur in „Das verlorene Symbol“ in den Langdon-Kosmos getreten. Ihr neues Forschungsprojekt beschäftigt sich mit dem menschlichen Bewusstsein und den Möglichkeiten, dessen Grenzen wissenschaftlich zu untersuchen. Kurz vor der Veröffentlichung ihres Manuskripts kündigt sie Ergebnisse an, die das Verständnis von Geist, Identität und Wirklichkeit grundlegend verändern könnten. Noch bevor Katherine ihre Forschung vollständig präsentieren kann, eskaliert die Situation dramatisch. Ein brutaler Mord erschüttert die Veranstaltung und Katherine verschwindet spurlos. Robert Langdon wird von einem mysteriösen Traum getrieben und löst in dessen Folge einen Feueralarm im Hotel aus. Urplötzlich wird er deshalb selbst zum Verdächtigen. Als die amerikanische Botschaft die Spielfläche betritt, ist auf einmal nicht mehr klar, wer noch auf der richtigen Seite steht. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, der den Professor zunächst quer durch Prag führt. Dabei werden auch staatliche Stellen und der amerikanische Geheimdienst in die Geschehnisse verwickelt.

Langdon zeichnet sich durch seine analytische Denkweise, sein außergewöhnliches kunst- und kulturhistorisches Wissen sowie seine Fähigkeit aus, komplexe Zusammenhänge unter enormem Zeitdruck zu entschlüsseln. Gleichzeitig blieb Langdon über viele Romane hinweg eine bemerkenswert konstante Figur. Seine Vorlieben – Tweedjackett, Micky-Maus-Uhr, Schwimmen am frühen Morgen und seine Abneigung gegen moderne Technik – sind längst Markenzeichen geworden. Der neue Roman durchbricht bekannte Muster zumindest an einer Stelle. Erstmals steht nicht allein ein wissenschaftliches oder historisches Rätsel im Mittelpunkt, sondern auch Langdons persönliche Beziehung zu Katherine Solomon. Während frühere Partnerinnen wie Vittoria Vetra, Sophie Neveu oder Ambra Vidal wichtige Begleiterinnen waren, entwickelte Brown diese Beziehungen meist nur bis zu einem gewissen Punkt weiter. Mit Katherine Solomon wird eine Figur reaktiviert und in eine feste Liebesbeziehung zu Langdon gesetzt. Dadurch ist Langdon emotionaler als in den vorherigen Büchern in die Geschichte und ihre Gefahren verstrickt. Dennoch bleibt Langdon seiner Rolle als rationaler Skeptiker treu. Gerade angesichts von Katherines weitreichenden Thesen über das menschliche Bewusstsein hinterfragt er immer wieder vermeintlich übernatürliche Phänomene und sucht nach nachvollziehbaren Erklärungen.

„Langdon war verblüfft gewesen, als  er erfuhr, dass das Gehirn nur zwei Prozent  des Körpergewichts eines Menschen ausmacht und dennoch unfassliche zwanzig Prozent der Energie und des Sauerstoffs verbraucht, die dem Körper zur Verfügung stehen.“

Brown, Dan: The Secret of Secrets, Bastei Lübbe 2025, S.126.

Treu bleibt sich Brown bei seiner Mischung aus Wissenschaft, Symbolik und Verschwörung, wobei Kunst und Religion dieses Mal weniger als Bezug dienen. Es beginnt wieder mit einem spektakulären Verbrechen und ein Wettlauf gegen die Zeit setzt ein und die Hauptfigur wird immer tiefer in eine internationale Verschwörung hineingezogen. Kapitel mit häufig nur wenigen Seiten erzeugen ein hohes Lesetempo. Fast jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger oder einer überraschenden Wendung, sodass ständig neue Fragen entstehen.

Die intensive Recherche gehört seit jeher zum Markenzeichen Dan Browns. Auch diesmal greift er auf zahlreiche reale Orte, historische Persönlichkeiten, wissenschaftliche Theorien und kulturelle Überlieferungen zurück. Prag wird mit großer Detailfülle beschrieben; Bauwerke, Plätze und geschichtliche Hintergründe entsprechen den tatsächlichen Gegebenheiten. Kontroverser fällt die wissenschaftliche Grundlage aus. Die im Roman zentrale Noetik existiert tatsächlich als interdisziplinäres Forschungsfeld, ihre weitreichenden Behauptungen über ein vom Gehirn unabhängiges Bewusstsein gelten jedoch innerhalb der etablierten Neurowissenschaft keineswegs als wissenschaftlicher Konsens. Brown übernimmt zahlreiche reale Studien, Nahtoderfahrungsberichte und Experimente, interpretiert sie jedoch deutlich spekulativer, als dies in der Fachwissenschaft üblich ist, um sie für den Roman passend auszugestalten. Aus meiner Sicht merkt man dies dem Buch an und es schwächt den Text qualitativ. Klassische Symbolrätsel und kunsthistorische Entschlüsselungen treten in den Hintergrund, und so wird dem bisher gewohnten Rätselcharakter weniger Rechnung getragen. Die umfangreichen Ausführungen über Noetik, Neurowissenschaft und Bewusstseinsforschung bremsen den Spannungsfluss immer wieder aus. Katherine Solomon übernimmt streckenweise die eigentliche inhaltliche Führungsrolle, während Langdon häufiger reagiert als agiert. Seine Kompetenz im Bereich Symbolik bleibt zwar unverzichtbar, doch die eigentlichen Schlüssel zur Handlung liegen oftmals bei Katherine und ihrer Forschung. Trotzdem gelingt es dem Autor, wieder einen Lesefluss zu schaffen, wie ich ihn nur bei wenigen Büchern erlebe. Ich habe deshalb den Roman ebenfalls zügig zu Ende gelesen. 

„Die Religionen hatten schon vor langer Zeit festgestellt, dass ein Mensch, mit der furchterregenden Aussicht auf ewiges Nichts konfrontiert, so gut wie alles glauben würde.“

Brown, Dan: The Secret of Secrets, Bastei Lübbe 2025, S.233.

Fazit:

Das mittlerweile sechste Abenteuer der Reihe kann qualitativ nicht mehr an die ersten Geschichten anknüpfen und die Struktur wissenschaftlicher Verschwörungsthriller wirkt etwas in die Jahre gekommen. Mir sind die zugrunde liegenden Theorien und geäußerten philosophischen Überlegungen an der ein oder anderen Stelle zu abstrakt. Es fehlt der Rätselcharakter vorheriger Romane, und dies führt bei mir zu einem Spannungsverlust. Trotzdem ist Dan Brown wieder ein Thriller stärker als der Durchschnitt gelungen, und dies liegt an seiner fantastischen Erzählweise. Ich habe dieses Buch wieder in kürzester Zeit gelesen und bin deshalb jederzeit bereit, zum nächsten Robert-Langdon-Abenteuer zu greifen. Für Reihenfans ist dieses Buch ein Muss, für Fans von Wissenschaftsthrillern eine spannende Lektüre. 

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Wertung: 🐧🐧🐧🐧

Titel: The Secret of Secrets

ISBN: 978-3-7857-2770-6

https://bastei-luebbe.de/Buecher/Krimis-Thriller/The-Secret-of-Secrets/9783785727706

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