Christie, Agatha: Mord im Pfarrhaus

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Agatha Christie gilt als die Königin der Kriminalromane und ich bin seit Kindestagen ein Fan ihrer berühmten Figuren Miss Marple und Hercule Poirot. Miss-Marple-Romane in Jugendbuchausgaben habe ich mir als Teenager gerne in der benachbarten Stadtbücherei ausgeliehen und auch die Verfilmungen gemocht. Meine Krimileidenschaft wurde deshalb durch diese Autorin nachhaltig geprägt. Ich habe mich aus diesem Grund dafür entschieden, dieser Autorin einen festen Bereich auf meinem Blog einzuräumen und ihre Romane nach und nach vorzustellen. In meinem heutigen Beitrag widme ich mich dem Roman „Mord im Pfarrhaus“, dem ersten Roman mit Miss Marple als Ermittlerin. Die Geschichten der Krimikönigin werden mittlerweile in schönen Taschenbuchausgaben im Atlantik Verlag herausgegeben. Der Roman ist im Jahr 1930 erschienen und führt Miss Jane Marple als Figur ein. Der Roman gilt bis heute als einer der Meilensteine der frühen Hochphase des Kriminalromans. In einer scheinbaren Dorfidylle kommt es zu einem Mordfall. Die daraus startende Ermittlung wird von der rüstigen älteren Dame detailliert beobachtet und kommentiert.

„>> Ich mag Miss Marple eigentlich<<, sagte ich. >>Sie hat zumindest Sinn für Humor.<< >> Sie ist die schlimmste Katze im Dorf. Und sie weiß immer alles, was passiert – und zieht daraus die schlimmsten Schlüsse.<<“

Christie, Agatha: Mord im Pfarrhaus, Atlantik Verlag 2025, S.11.

In diesem Zitat zeigt sich die Dorfgesellschaft und wie diese teilweise über verschiedene Bewohner:Innen urteilt. St. Mary Mead ist der Schauplatz und Pfarrer Leonard Clement übernimmt die Rolle des Erzählers bei dieser Mordgeschichte. Er lebt mit seiner jüngeren Ehefrau Griselda im Pfarrhaus. Das Dorfgeschehen lebt von zwischenmenschlichen Spannungen und Alltagskonflikten, und in einigen steht wiederkehrend der unbeliebte Colonel Lucius Protheroe im Mittelpunkt. Dieser wird eines Tages erschossen im Arbeitszimmer des Pfarrhauses aufgefunden. Die Liste der Verdächtigen ist lang, denn mehrere Personen hatten angekündigt, ihn zur Rede stellen zu wollen. Darunter sind seine Ehefrau Anne, die Stieftochter Lettice, aber auch der Künstler Lawrence Reddinger, oder ein Wilderer. Auch der Pfarrer selbst scheint kein Fan des Toten gewesen zu sein. Die zeitlichen Abflüsse wirken mysteriös, da verschiedene Personen zu Protokoll geben, den Colonel zur möglichen Tatzeit noch am Leben gesehen zu haben. Für Inspektor Slack von Scotland Yard ist das alles andere als eine einfache Ermittlung. Die rüstige Dorfbewohnerin Miss Marple hat die Geschehnisse des Tattages scharfsinnig beobachtet. In Gesprächen erhält sie immer wieder Hinweise, die wir als Leser:Innen mit ihr aufnehmen.

„>>Sie lachen, meine Liebe<<, sagte Miss Marple, >>aber diese Methode ist schließlich ein sehr vernünftiger Weg, die Wahrheit zu finden. Es geht eigentlich um das, was die Leute Intuition nennen, und darum wird viel Wirbel gemacht. Intuition ist das Gleiche, wie wenn man ein Wort liest, ohne es buchstabieren zu müssen. Ein Kind kann das nicht, weil es so  wenig Erfahrung hat. Aber Erwachsene kennen das Wort, weil sie es schon oft zuvor gesehen haben.“

Christie, Agatha: Mord im Pfarrhaus, Atlantik Verlag 2025, S.91.

Das Setting des Romans ist typisch für einen Christie-Roman. Das abgeschlossene Dorfmilieu fungiert als Mikrokosmos der englischen Landgesellschaft. Eifersucht und soziale Spannungen brodeln unter der Oberfläche. Den Pfarrer in den Mittelpunkt zu stellen, unterstreicht nochmals den Blick auf den Menschen zwischen Moral und eigentlichem Handeln. Der Pfarrer ist qua seines Amtes als verlässlicher Erzähler geeignet, auch wenn dies der Roman mit angedeutetem Verdacht spielerisch unterläuft. Mit ihrer subtilen Erzählweise, die immer nur leichte Hinweise liefert und mögliche Verdächtige nie gänzlich freispricht, entsteht eine spannende Geschichte, bei der man gerne miträtselt. Allerdings erfordert dies ein aufmerksames Lesen. Zeitangaben und Zeugenaussagen sind sorgfältig platziert und müssen dann unsererseits kombiniert werden. Miss Marple gelingt es, anhand ihrer Beobachtungsgabe und ihres Erfahrungsschatzes die Geschehnisse aufzuklären. Marple wirkt harmlos, doch ihre Unauffälligkeit ist eine Stärke. Zugleich ist sie scharfsinnig und durchschaut Menschen. Gerne gibt sie Analogien aus dem Dorfleben für die Geschehnisse und erkennt verschiedene menschliche Schwächen. Ergebnis ist ein klassischer „Whodunit“ mit einer liebenswerten Hauptfigur.

Fazit:

Agatha Christie hat einen meisterhaft konstruierten Kriminalroman geschrieben. Wir erleben ein realistisches Setting, eine kluge Erzählperspektive und feine Figurenzeichnungen. Immer wieder werden mögliche Hinweise und Zeugenaussagen in Zweifel gezogen, nie hat man das Gefühl, jemandem im Mikrokosmos Dorf vertrauen zu können. Als Leserschaft sind wir aktiv in die möglichen Ermittlungen eingebunden, da wir genauso wie Miss Marple beobachten und kombinieren können. Das Buch lebt nicht von Action und bietet trotzdem eine tolle Unterhaltungsqualität, weil man die liebenswerte Hauptfigur mag und auf jeder Seite die Herausforderung spürt, die hinter dieser Falllösung steht. Ich  freue mich jedenfalls auf die weiteren Romane mit der alten Dame.

Werbung aus Liebe zum Buch

Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧

Titel: Mord im Pfarrhaus

ISBN: 978-3-455-65007-5

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