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Vergangene Woche ist mein Sporthighlight eines jeden Jahres gestartet, und zwar die Tour de France. Ich bin seit meinen Kindheitstagen Radsportfan, da mich diese Sportart sowohl als Zuschauer, als auch als Hobby begeistert. Nun bin ich meilenweit davon entfernt, Radfahren als ernsten Sport zu betreiben, doch ich fahre gerne Rad und liebe es, mich sportlichen Herausforderungen zu stellen. Für mich ist Radfahren ein befreiendes Hobby und ich liebe es, dabei die eigenen körperlichen Grenzen kennenzulernen. Nicht jeder kann meine Liebe zu diesem Sport nachvollziehen, gerade vor dem Hintergrund der schwerwiegenden Dopingvergangenheit. Und natürlich mache ich mir ebenfalls Gedanken bei Höchstleistungen, möchte aber den Sporttreibenden das Vertrauen bis zu einem Gegenbeweis aussprechen, denn ich bin mir sicher, dass an den Grenzen des Legalem in vielen Sportarten gearbeitet wird. Ich mag an diesem Sport die Landschaften, die er mir näherbringt, all die Geschichten rund um die sportlichen Leiden, und die Leistungen nötigen mir Respekt ab. Im Juli jeden Jahres putze ich mein Fahrrad, denn sobald die Tour läuft, ist der eigene Ansporn, sich noch öfter aufs Rad zu setzen, vorhanden. Deshalb habe ich mich entschieden, auf meinem Blog einen kleinen Schwerpunkt zum Thema Radsport zu machen, und dafür habe ich das ein oder andere Buch herausgesucht, welches in den vergangenen Jahren den Weg in meine Bibliothek gefunden hat. Starten möchte ich meinen kleinen Schwerpunkt mit einem Buch aus dem Covadonga Verlag. Man kann diesem Verlag nicht genügend danken für all die schönen Bücher zum Thema Radsport, die dort in den vergangenen Jahren erschienen sind. Für Radsportfans ist dieser Verlag auf jeden Fall ein Muss. Zumal es nicht nur schöne Bücher zum Profigeschehen, sondern ebenfalls zum Hobbyradfahren gibt.
Zum Start meines Schwerpunkts habe ich eine Besonderheit ausgewählt, nämlich eine Graphic Novel. Der niederländische Cartoonist, Illustrator und Hobbyradfahrer Jan Cleijne veröffentlichte angesichts des hundertjährigen Jubiläums der Tour de France die Graphic Novel „Unmöglich ist kein französisches Wort – Die Geschichte(n) der Tour de France“. Grundsätzlich überrascht die Idee, dass man sich mit der Geschichte des bedeutendsten Radrennens in einem Comic auseinandersetzt. Cleijne hat keine Chronik produziert, in welcher alle Sieger dargestellt werden, sondern er präsentiert uns verschiedene Mythen der Eventgeschichte. In episodenhaften Kapiteln widmet er sich der Gründung des Radrennens und ihren größten Mythen und sportlichen Erfolgsgeschichten.
Es beginnt mit der Gründung des Rennens durch Henri Desgrange. Zielsetzung war es mit der Rennerfindung, den Verkauf der eigenen Zeitung anzukurbeln. Die Etappen sind lang, es gibt zunächst noch keine Teams, die Fahrer kämpfen mit verschiedensten Mitteln. Es werden in den folgenden Jahren Teams eingeführt und erste legendäre Geschichten entstehen. Darunter ist jene des Franzosen Eugène Christophe, welcher als einer der Favoriten des Rennens einen Gabelbruch erleidet. Hilfe anderer Personen ist nicht erlaubt, und so muss Christophe sich von der Abfahrt des Col du Tourmalet zu Fuß ins nächste Dorf laufen. Da er die Reparatur selbst vornehmen muss, legt er in einer Schmiede selbst Hand an. Doch weil er den Blasebalg von einem kleinen Jungen bedienen lassen hat, bekommt er eine Strafe. Dann widmet sich das Buch dem legendären Duell der beiden Italiener Fausto Coppi und Gino Bartali, und so finden auch legendäre Duelle den Weg in diese Darstellung. Natürlich geht es dann auch um spätere Seriensieger wie Eddy Merckx, Bernard Hinault oder Miguel Indurain. Doch Cleijne widmet sich auch den unterlegenen Profis wie Raymond Poulidor, der sich immer wieder großen Duellen stellte, aber die Tour nie gewinnen sollte. Dies alles vermittelt der Autor in einer textreduzierten Darstellung. Im Vordergrund stehen wunderbare Illustrationen, die meist für sich sprechen. Die Texte kommentieren das Gezeigte und helfen bei der Einordnung. Wunderbar gelingt es auf diese Weise, die richtige Atmosphäre zu den jeweiligen erzählten Geschichten zu schaffen. Besonders in den frühen Kapiteln sind die warmen Sepia- und Brauntöne auffallend, die an alte Fotografien oder vergilbte Postkarten erinnern. Mit der Einführung des Gelben Trikots erweitert sich die Farbpalette, und dies ist nur einer von wenigen Tricks, mit denen hier passend gearbeitet wird. Die Entwicklung der Tour zeigt sich somit ebenfalls visuell. Wunderbar gelingt es ihm, die französische Landschaft, die steilen Alpen- und Pyrenäenpässe einzufangen und den Fahrern die körperliche Anstrengung ins Gesicht zu zeichnen. Dynamische Bildfolgen und eine passende Detailfreude machen das Gezeichnete lebendig.
Besonders gelungen sind Schilderungen dunkler Episoden der Tourgeschichte, wie des Todes des Amerikaners Tom Simpson oder der Doping-Affäre rund um Festina in den 90ern, gefolgt von den betrügerischen Jahren der Ära Armstrong. Cleijne gelingt es, die Ambivalenz zwischen heroischen, schier unmenschlichen Heldentaten, den immer steigenden Erwartungen und den damit konfrontierten Sportlern zu zeigen. Bei der Doping-Affäre rund um Festina finde ich es bemerkenswert, wie er dem Franzosen Christophe Bassons passende Sequenzen widmet. Er war nachweislich nicht gedopt, sprach die Praktiken offen an und wurde deshalb innerhalb des Fahrerfeldes zu einem Aussätzigen. Es ist wahrlich eine Stärke dieser Graphic Novel, alle Seiten dieses Sportgroßereignisses einzufangen. Für mich war die Lektüre informativ, da sie mir die ein oder andere alte Geschichte nochmals nähergebracht hat, und zugleich wurden meine Helden der Tour mir nochmals in einer ganz anderen Weise präsentiert.
Fazit:
Ich bin kein begeisterter Leser von Graphic Novels, finde aber an der ein oder anderen immer mehr Gefallen. Jan Cleijne hat beeindruckende Arbeit geleistet und wirklich die gesamte Geschichte des größten Radrennens der Welt erfasst. Für Einsteiger ohne großes Radsportwissen hätte es an der ein oder anderen Stelle etwas mehr Text sein dürfen, aber trotzdem eignet sich dieses Werk sowohl für langjährige Fans als auch für Einsteiger. Zeichnerisch wurde hier großartig abgeliefert. Man spürt, warum bestimmte Fahrer bis heute einen gewissen Ruf haben, und erkennt an den legendären Pässen und ihren Geschichten, warum sie dieses Rennen schon so lange prägen. Ich möchte deshalb zum Auftakt meines Radsportschwerpunktes Werbung für dieses Buch machen, denn es ist ein guter Einstieg, um mehr über die Tour de France zu erfahren.
Werbung aus Liebe zum Buch
Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧
Titel: Unmöglich ist kein französisches Wort
Nur noch antiquarisch erhältlich
