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Mein Blogmonat Juni steht musikalisch im Zeichen einer Band, die für meinen Musikgeschmack und das Interesse an deutscher Musik, entscheidend war. Ich habe nur von einer Band alle Alben, keine Band habe ich öfter live gehört. Umso aufmerksamer wurde ich, als diese Band ihre neue Tour mit dem Titel „Trink aus! Wir müssen gehen“, hat. Ob dies wirklich die letzte Tour von „Die Toten Hosen“ ist wird sich zeigen, aber definitiv soll das gleichnamige Album das letzte Studioalbum sein. In diesem Juni bin ich in Frankfurt bei der Stadiontour und im kommenden Jahr noch einmal in Mannheim. Ich würde sagen, damit bin ich bei meiner Lieblingsband erneut zweimal live vor Ort, auch wenn ich nie der Fan war, der alle Livetouren mitgenommen hat. Ich nehme dies aber zum Anlass, in diesem Monat vier Alben der Band vorzustellen. Ergänzen möchte ich dies mit meinem heutigen Beitrag, in dem es um eine Dokumentation geht.
Die Band hat sich entschieden, die Arbeit an ihrem letzten Studioalbum von einem Produktionsteam begleiten zu lassen.
„Die Toten Hosen – Das letzte Album“ ist als Dokumentation vom Südwestrundfunk mitproduziert und in der ARD-Mediathek abrufbar. Regisseur Eric Friedler gelingt ein bemerkenswert intimer Blick auf eine Band, die seit über vier Jahrzehnten die deutsche Rockmusik prägt und deren Geschichte eng mit der kulturellen Entwicklung der Bundesrepublik verbunden ist. Der Film begleitet Die Toten Hosen über einen Zeitraum von zwei Jahren bei der Entstehung ihres letzten Studioalbums „Trink aus, wir müssen gehen!“.
Die Band, die seit 1982 nahezu ununterbrochen aktiv ist, zieht sich nun in eine abgeschiedene Unterkunft auf dem Land zurück, um ein letztes Album aufzunehmen. Die Dokumentation zeigt keine glamouröse Rock-Inszenierung, sondern Männer Anfang sechzig, die sich mit der Frage auseinandersetzen, was von ihnen bleiben wird. Es ist spürbar, dass nicht alle Bandmitglieder schon das Gefühl für ein nahendes Ende haben, und die grundsätzliche Entscheidung für das letzte Album hat auch Sänger Campino getroffen. Es ist bemerkenswert, dass die Band intim auch über ihr Innenverhältnis spricht. Die Produktionsphase des Albums wird außergewöhnlich detailliert dargestellt. Friedler beobachtet die kreativen Prozesse der Band: Campino ringt mit Textzeilen, Andi Meurer reflektiert über die Bedeutung eines „letzten Albums“, während Kuddel offen über die Endlichkeit gemeinsamer Konzerte spricht. Die Kameraführung ist ruhig, zeigt Emotionen in den Gesichtern und sorgt dafür, dass man keine Inszenierung hinter diesem Film vermuten muss. Die Dokumentation vermischt die Arbeit am letzten Album mit einem Rückblick auf die lange Karriere. Es wird deutlich, dass wir hier nicht nur eine Band sehen, sondern die Mitglieder aus Freundschaft rekrutiert oder diese herangewachsen ist. Dennoch zeigt die Dokumentation auch Spannungen. Es zeigen sich
kreative Unsicherheiten, körperliche Erschöpfung und die Angst vor Bedeutungslosigkeit. Campino wirkt dabei zugleich als Antreiber und Getriebener. Gerade der Frontmann zeigt sich in dieser Dokumentation als jemand, der großen Einfluss auf die Arbeit der Band nimmt. Wenn Campino nicht auf Musik texten möchte, dann haben es die restlichen Bandmitglieder schwer. Zugleich wird offenbar, dass die Arbeit an einem Album auch zu Verletzungen hinsichtlich Kritik führen kann. Es ist bemerkenswert, wie uns die Dokumentation inmitten der Aufnahmen führt. Wir erleben, wie Musik eingespielt, verworfen oder Texte als zu schwach eingestuft werden. Hier geht es nicht um kreative Genialität, sondern um die harte Studioarbeit. Es entstehen deutlich mehr Songs, als wir schlussendlich auf dem Album finden werden.
Zugleich bleibt die Doku nicht auf die Gegenwart beschränkt. Immer wieder bindet Friedler die Geschichte der Band in den Erzählfluss ein. Archivmaterial, Touraufnahmen und Rückblicke auf prägende Momente der Bandgeschichte werden geschickt mit den aktuellen Studioaufnahmen verwoben. Die Dokumentation erinnert daran, dass die Toten Hosen aus der westdeutschen Punkszene der frühen Achtzigerjahre hervorgingen und dass sie bei all dem Erfolg und der damit verbundenen Kommerzialisierung, diese Anfänge bis heute in ihre Band transportieren. Der Dokumentation gelingt es damit auch, die Bedeutung für die deutsche Popkultur herauszustellen. Für mich war diese Band deshalb immer relevant, weil sie den Punk und die politischen Texte nie verlassen hat, aber auch Stadionhymnen hervorgebracht hat. Dies ist aus meiner Sicht das Erfolgsgeheimnis der Band.
Friedler vertraut seinen Protagonisten und gibt ihnen Raum. Besonders die stillen Momente bleiben im Gedächtnis: erschöpfte Gesichter nach langen Aufnahmesessions, kurze Blicke zwischen alten Freunden oder das spürbare Schweigen nach Gesprächen über das mögliche Ende der Band. Dadurch entstehen eine emotionale Dichte und eine starke Dokumentation.
Fazit:
„Die Toten Hosen – Das letzte Album“ ist zugleich Werkstattbericht, Bandbiografie und ein Blick auf Künstler, die überlegen, was schlussendlich von ihnen zurückbleiben wird. Mich haben der intime Blick und das Offenlegen des Innenverhältnisses fasziniert. Wir sehen alternde Künstler, die auch für das letzte Album kämpfen müssen und dadurch verletzlich werden. Ich kann diese Dokumentation allen Menschen empfehlen, die sich für die Studioarbeit einer Band interessieren, denn solche Einblicke erhält man selten. Für Fans der Band ist sie ein absolutes Muss, und ich freue mich nach diesen knapp 90 Minuten auf das fertige Album und die Livetour.
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Bewertung: 🐧🐧🐧🐧🐧
