#kulturblog #cinemalover #filmkritik #bohemianrhapsody #ramimalek #gwilymlee
In einer der vergangenen Ausgaben der von mir geschätzten Musikzeitschrift „Musikexpress“ wurde sich anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Albums „A Night at the Opera“ der Band Queen gewidmet. Ich bin begeisterter Hörer dieser Kultband. Für ein Fandasein bin ich leider zu spät geboren, sodass es nicht zu einem Liveerlebnis kommen konnte. Ich glaube, vor drei Jahren hat mir das Schlossgrabenfest in Darmstadt einen tollen Abend mit einer Queen-Coverband beschert. Durch diese positiven Erinnerungen geweckt, habe ich mich auch an den Film „Bohemian Rhapsody“ aus dem Jahr 2018 erinnert, und diesen stelle ich nun auf dem Blog vor. Regie bei diesem Film führten Bryan Singer und Dexter Fletcher, das Drehbuch zum Film schrieb Anthony McCarten.
Es ist ein Biopic über die britische Rockband Queen und vor allem über deren charismatischen Frontmann Freddie Mercury (gespielt von Rami Malek). Der Film beginnt im Jahr 1970 mit dem jungen Farrokh Bulsara, der als Flughafenmitarbeiter arbeitet und sich als Leadsänger bei der Band Smile anbietet. Gemeinsam mit Gitarrist Brian May (Gwilym Lee), Schlagzeuger Roger Taylor (Ben Hardy) und später Bassist John Deacon (Joseph Mazzello) wird er die Kultband „Queen“ bilden. Der Film legt seinen Fokus auf Mercury, zeichnet aber die Bandkarriere mit ihren Höhen und Tiefen nach. Wir erleben, wie Mercury sich verliebt, seine Bisexualität entdeckt und sich als Person finden muss. Immer wieder steht er dabei auch in einem Spannungsverhältnis zu seiner Familie, geprägt durch einen konservativen Vater. Wir erleben zugleich, wie die Band in Studiosessions ihren vielfältigen Sound entwickelt, der experimentelle Elemente, aber auch klassische Musik integriert. Der Film zeigt, wie schwer es war, ihren Sound den Plattenlabels zu verkaufen. Mit dem steigenden Erfolg zeigt sich eine entstehende Distanz zwischen dem Frontmann und der restlichen Band, die auch zu einem vorübergehenden Bruch führt. Der Film endet dann mit dem berühmten Wiedervereinigungsauftritt beim Live-Aid-Konzert 1985 und der kurz zuvor bekannt gewordenen HIV-Erkrankung von Mercury.
Der Film basiert auf wahren Ereignissen, ist allerdings historisch nicht präzise. Die Bandgründung verlief anders als im Film dargestellt und mancher Song wird aus dramaturgischen Gründen zeitlich falsch eingeordnet. Zudem folgt die Trennungsgeschichte keinen realen Geschehnissen. Bewusst fiktionalisiert und überdramatisiert dieser Film, um zu unterhalten, und verstärkt damit Mythen rund um die Band.
Mercurys künstlerische Vision, sein extrovertierter Bühnenauftritt und seine inneren Kämpfe stehen im Zentrum. Die Beziehung zu Mary Austin (Lucy Boynton), seine sexuelle Selbstentdeckung und der Konflikt mit Manager Paul Prenter (Allan Leech) sind wiederkehrende Themen. An manchen Stellen wirkt die Darstellung etwas klischeebeladen. Trotzdem sehen wir eine beeindruckende Darstellung von Rami Malek, der den Film fast alleine trägt. Gwilym Lee würde ich ebenfalls bei der Darstellung von Brian May loben. May ist der ruhige, künstlerische Pol der Band und wird als Gegenfigur zu Mercury in künstlerischer Hinsicht gezeigt, deren Ergänzung eine wichtige Formel des Banderfolgs ist. Roger Taylor und John Deacon bleiben im Film etwas blass.
Trotzdem bleibt mir dieser Film in Erinnerung, weil er mir eine Band näherbringt, die Musikgeschichte geschrieben hat. Gerade die Szenen, in denen gezeigt wird, wie die Bandmitglieder experimentell den Sound verändern und akribisch am perfekten Ton feilen, sind beeindruckend.
Fazit:
Musikfilme sind immer etwas Besonderes, Biopics ohnehin. Es ist wichtig, dass es hierbei gelingt, die Musik passend in die Dramaturgie des Films zu integrieren. Hinsichtlich des Biopics ist die Gefahr immer, dass man seiner historischen Grundlage nicht gerecht wird. Kritik gab es zu beiden Aspekten auch bei dieser Verfilmung. Für mich sind dies jedoch nicht die entscheidenden Punkte zur Beurteilung einer Filmqualität. Ich möchte mich durch die Verfilmung unterhalten wissen und finde, dass man durchaus etwas über die Band und ihre Geschichte lernt. Ich kann den Film deshalb allen Musikfans und Fans von gut dramatisch konzipierten Filmen empfehlen.
Werbung aus Liebe zum Film
Bewertung: 🐧🐧🐧🐧🐧
