Filmkritik: Der letzte Zug nach Gun Hill

#kulturblog #cinemalover #filmkritik #derletztezugnachgunhill #kirkdouglas #anthonyquinn #johnsturges

Jeden Monat bespreche ich neben neuen Wildwest-Romanen auch eine Verfilmung. Früher habe ich diese Genrefilme gesammelt und nutze den Blog nun dafür, diese alte Leidenschaft wieder aufleben zu lassen. In diesem Monat habe ich den Roman „Der letzte Zug nach Gun Hill“ vorgestellt und lasse dieser Buchkritik jetzt noch die Filmrezension folgen.

Der Film ist 1959 veröffentlicht worden und ist vor dem Buch entstanden. So kann ich gleich zu Beginn meiner Besprechung festhalten: Das Buch und der Film weisen keine Abweichungen auf, vielmehr liest sich der Roman fast wie eine Regieanweisung.

Wir erleben ein konzentriertes Drama um Recht, Loyalität und Rache. Ein Marshal reist in die Stadt seines alten Freundes, um zwei Männer zu verhaften, die seine Frau vergewaltigt und getötet haben. Sein Gegenspieler ist ein mächtiger Rinderbaron, dessen Sohn der wahrscheinliche Täter ist. Im Zentrum steht Marshal Matt Morgan (gespielt von Kirk Douglas), ein Mann, der seine Trauer diszipliniert in Pflicht überführt. Sein Gegenspieler ist Craig Belden (Anthony Quinn), der mittlerweile die Stadt Gun Hill komplett von sich in Abhängigkeit gebracht hat. Die beiden verbindet eine Vergangenheit gegenseitiger Rettung und Anerkennung. Diese Vorgeschichte verleiht jedem Blick, jedem Wort eine zusätzliche Schwere. Morgan ist sich der Schwere seiner Aufgabe bewusst, sein Kontrahent schwankt zwischen Verbundenheit zu Morgan und väterlichen Gefühlen. Schlussendlich entscheidet sich Belden dafür, seinen Sohn zu schützen. Matt Morgan nimmt den ausweglosen Kampf auf und bringt den Sohn in seine Gewalt. Er verschanzt sich in einem Hotel, mit dem Ziel, den Sohn mitzunehmen und vor ein ordentliches Gericht zu stellen. Zielsetzung ist der letzte Zug.

Obwohl als Western inszeniert, verengt sich der Handlungsraum zunehmend zum Kammerspiel. Ein Großteil der Spannung entsteht aus der räumlichen und zeitlichen Verdichtung rund um Bahnhof, Hotel und Saloon, während die Uhr auf den letzten Zug zuläuft.

Morgans Selbstbeherrschung beeindruckt und wirkt wie eine Rüstung gegen die Versuchung der Selbstjustiz. Belden hingegen operiert aus einem Ehrenkodex, der Familie über Recht stellt. Sein Handeln ist von Besitzdenken geprägt, welches ihm die Macht gibt, eigentlich alles kaufen zu können. Doch die Unschuld des Sohnes und damit sein Leben kann er in diesem Fall nicht mit seinen bewährten Methoden retten.

Gewalt erscheint selten als spektakuläres Ereignis, sondern als latente Drohung. Der Film bevorzugt Andeutung, erhöht damit die Dramatik, und im Aussparen des Zeigens der Vergewaltigung wird die Grausamkeit durch den Sohn als einzigen Zeugen betont.

Regisseur John Sturges inszeniert seine Stars mit sicherem Gespür für Kontrast. Douglas verkörpert Morgan mit eisernem Fokus; seine Körpersprache mit angespannten Schultern verrät den inneren Druck hinter der Pflicht. Ich sehe darin eine starke schauspielerische Leistung. Aus meiner Sicht fällt Anthony Quinns Darstellung im Vergleich ab. Nach Lektüre des Romans hätte ich mir die Figur härter im Handeln vorgestellt und die Zerrissenheit zeigt sich in der schauspielerischen Darstellung nicht in der erwarteten Intensität. Innenräume wirken in der Bildsprache oft wie Käfige aus Schatten und Linien; Außenräume öffnen kurz, nur um die Isolation umso stärker zu betonen. Der Film läuft dann auf einen klassischen Showdown zu.

Fazit:

„Der letzte Zug nach Gun Hill“ ist ein Western, der seine Spannung aus moralischer Motivation und emotionaler Ambivalenz von Craig Belden gewinnt. Die Freundschaft der Kontrahenten verleiht dem Konflikt tragische Tiefe, die Verdichtung zum Kammerspiel schärft die Aufmerksamkeit für Motivationen und Entscheidungen. Die Inszenierung mit ihrem konzentrierten Fokus ist gelungen, die schauspielerische Leistung von Kirk Douglas gefällt mir. Mir persönlich wird den Figuren zu wenig Tiefe gegeben und Anthony Quinns Darstellung kann mich nicht überzeugen. Angesichts dessen sehe ich die Verfilmung auch im Buchvergleich etwas schwächer. Trotzdem ein sehenswerter Westernklassiker.

Werbung aus Liebe zum Film

Wertung: 🐧🐧🐧🐧

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert