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Meine Faszination für Karl May ist eng mit den Verfilmungen der 60er Jahre verknüpft, die ich seit meiner Kindheit lieben gelernt habe. Mit „Der Ölprinz“ erreichte die Karl-May-Filmreihe 1965 bereits ihren siebten Kinobeitrag und befand sich auf dem Höhepunkt ihrer Popularität. Produzent Horst Wendlandt und die Berliner Rialto Film hatten eine Formel gefunden, die zuverlässig funktionierte: spektakuläre Landschaften im damaligen Jugoslawien, die Musik Martin Böttchers, Pierre Brice als idealisierten Winnetou und internationale Stars, die den Filmen zusätzliches Gewicht verliehen. Da Lex Barker für die Produktion nicht zur Verfügung stand, rückte erneut Stewart Granger als Old Surehand an die Seite Winnetous. „Der Ölprinz“ gehört zu den großen Kassenerfolgen der Reihe und die Romanvorlage zu den beliebtesten Abenteuern. Der Film ist Bestandteil der Phase, in der sich die Filme zunehmend von den literarischen Vorlagen lösten und stärker auf spektakuläre Unterhaltung setzten. Durch gezielte Manipulation versucht er, die Navajos gegen die Siedler aufzuhetzen.
Im Mittelpunkt steht der skrupellose Geschäftemacher, der sich den Namen Ölprinz (gespielt von Harald Leipnitz) gegeben hat. Gemeinsam mit seinen Komplizen plant er einen groß angelegten Betrug: Einer Bank sollen angebliche Ölquellen am Shelly-See verkauft werden, obwohl dort überhaupt kein Öl existiert. Das eigentliche Problem für den Schurken ist jedoch ein Siedlertreck, der sich genau auf dem Gebiet niederlassen möchte, das Bestandteil seines Betrugs werden soll. Es kommt zu einem Mord, der versucht wird einem der Siedler in die Schuhe zu schieben. Es droht zum Ausbruch eines Indianerkrieges zu kommen. Old Surehand (Stewart Granger) möchte den wahren Täter finden, während Winnetou (Pierre Brice) die Navajo besänftigen möchte. Unterstützt werden die Helden dabei von Old Wabble (Paddy Fox), der gemeinsam mit Kantor Hampel (Heinz Erhardt) von den Siedlern für die humoristischen Momente zuständig ist.
Bei der Verarbeitung der Romanvorlage zeigt sich allerdings, wie weit sich die Filme inzwischen von Karl Mays Werk entfernt hatten. Der gleichnamige Roman diente eher als Steinbruch für Figuren und einzelne Motive als verbindliche Vorlage. Zahlreiche Handlungselemente wurden vollständig neu erfunden, Figuren zusammengelegt oder ersetzt. Dazu zählt auch Old Surehand, dessen Einsatz aber Besetzungsgründe hatte. Dennoch funktioniert diese freie Bearbeitung erstaunlich gut. Die Autoren verzichten bewusst auf komplizierte Nebenhandlungen und fokussieren sich auf eine temporeiche Abenteuergeschichte. Stewart Granger steht stärker im Mittelpunkt als Pierre Brice. Er spielt seine Figur mit Charme und Humor. Allerdings fehlt Grangers Figur jene innige Verbindung zu Winnetou, die Lex Barker und Pierre Brice über mehrere Filme aufgebaut haben. Brice verkörpert Winnetou erneut mit großer Würde. Sein Spiel lebt weniger von spektakulären Dialogen als von Ausstrahlung und Präsenz. Trotz der reduzierten Rolle bleibt die Figur das weise moralische Zentrum des Films. Harald Leipnitz gelingt als Ölprinz eine der überzeugenderen Schurkenfiguren der gesamten Filmreihe. Anders als viele frühere Bösewichte setzt er weniger auf brutale Gewalt als auf Berechnung, Manipulation und wirtschaftliche Gier. Der Ölprinz kämpft nicht aus Hass oder Rache, sondern ausschließlich für Profit, was ihn zu einer zeitlosen Figur macht. Eine Besonderheit des Films ist zweifellos Heinz Erhardt als Kantor Hampel. Seine Rolle besitzt kaum Bedeutung für die eigentliche Handlung, sorgt aber regelmäßig für humorvolle Auflockerungen. Seine trockenen Bemerkungen, sein typisches Sprachtempo und sein liebenswürdiger Humor lockern die ansonsten ernste Handlung immer wieder auf. Eine weitere Besonderheit ist, dass der noch relativ unbekannte Terence Hill in einer Nebenrolle, wie schon in vorherigen Filmen der Reihe, aktiv ist.
Die Landschaften des ehemaligen Jugoslawiens wirken erneut beeindruckend und ebenso passt die bekannte Musik von Martin Böttcher. Der Film besitzt ein zügiges Tempo, abwechslungsreiche Schauplätze und eine klare Dramaturgie.
Fazit:
Für mich ist dieser Film ein starker Beitrag der Reihe, obwohl er sich von seiner Romanvorlage entfernt und für mich Stewart Granger mit seiner Auslegung des Old Surehand nicht zu den Highlights der Filme zählt. Allerdings gefällt mir die Darstellung der Bösewichte und die fokussierte Handlungskonzeption. Zudem finde ich, dass die von Heinz Erhardt gespielte Figur eine humorvolle Bereicherung ist. Das Zusammenspiel der Schauspieler ist gelungen und der schlussendliche Showdown konsequent. Aus dieser Basis heraus entsteht ein unterhaltsamer und temporeicher Abenteuerfilm.
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Bewertung: 🐧🐧🐧🐧🐧🐧
