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Zum Jahresauftakt habe ich das biografische Sachbuch „Der Pinguin meines Lebens“ von Tom Michell besprochen. Dieses Buch hat mir ausgezeichnet gefallen und die Geschichte eines Lebens mit einem Pinguin war äußerst berührend. Deshalb habe ich mich gefreut, als im letzten Jahr die Buchverfilmung ins Kino kam. Regie führte Peter Cattaneo (Ganz oder gar nicht), das Drehbuch stammt von Jeff Pope, wobei die Vorlage die gleichnamigen Memoiren von Tom Michell bilden. Allerdings gibt es durchaus Unterschiede von Verfilmung zur Buchvorlage. Der Film verbindet eine Freundschaftsgeschichte zwischen Mensch und Tier mit dem düsteren politischen Hintergrund Argentiniens der 70er Jahre.
Die Geschichte des Films spielt im Jahr 1976 und lässt Lehrer Tom Michell (gespielt von Steve Coogan) ein Abenteuer auf einem englischsprachigen Internat in Buenos Aires suchen. Während das Land durch einen Militärputsch vor Herausforderungen steht, muss Michell versuchen, den Respekt der Schüler zu erlangen. Aufgrund der politischen Situation wird die Schule vorübergehend geschlossen. Michell nutzt dies mit einem Kollegen für einen Trip nach Uruguay. Dort entdeckt er an einem ölverschmutzten Strand einen überlebenden Magellan-Pinguin. Um eine Frau zu beeindrucken, nimmt Michell den Pinguin mit und reinigt ihn. Als er diesen Pinguin wieder freilassen möchte, wählt dieser statt den Weg in die Freiheit, ihm nachzulaufen. Schlussendlich nimmt er das Tier mit nach Argentinien. Dort versucht er den Pinguin zunächst auf seinem Zimmer zu verstecken. Allerdings entdeckt die Haushälterin Maria (Vivian El Aber) das Tier. Gemeinsam mit ihrer Enkelin Sofia (Alfonsina Carrocio) benennt sie den Pinguin mit dem Namen Juan Salvador. Von diesem Moment an wird der Pinguin zu einer Vertrauens- und Identifikationsfigur für viele Personen auf dem schulischen Gelände. Er schafft es, dass Menschen ihr Herz öffnen, und erhält eine wichtige Zuhörerfunktion. Die Schülerschaft entdeckt durch den Pinguin die Gemeinschaft und motiviert sie zu besseren Leistungen. Dies ist alles analog zum Buchgeschehen, doch der Film verlagert seine Story und wählt eine dramatische politische Geschichte zum Kern. Sofia wird wegen ihrer Teilnahme an Demonstrationen gegen die Regierung festgenommen. Michell ist bei ihrer Verhaftung anwesend, aber er greift nicht ein. Er beginnt sich mit seiner eigenen Passivität kritisch auseinanderzusetzen. Für mich ist allerdings die Stärke des Films genau jene, die ich schon beim Buch ausgemacht habe. Der Pinguin ist nicht nur eine niedliche Tierfigur, sondern ist Antriebsmotor für menschliche Entwicklungen. Nicht nur die Schülerschaft öffnet sich, sondern Michell verändert sich ebenfalls. Seine Gleichgültigkeit gegenüber allem außerhalb seiner eigenen Person verringert sich, er ist bereit, Risiko einzugehen und Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen. Die Tier-Mensch-Beziehungen sind das Scharnier für den Übergang der Individuen in eine Gemeinschaft.
Die Dramatik des Films aufgrund des Fokus auf den politischen Hintergrund unterstützt die Charakterentwicklung Michells. Jedoch ist diese Dimension des Films aus meiner Sicht etwas blass. Die Entscheidung, dies zu einem wichtigen Aspekt der Story zu machen, hätte mit einer anderen Art der Schilderung mehr Intensität erhalten und wäre angemessener gewesen. Trotzdem ist ein schöner Film entstanden, der seine Wirkung auch wegen guter schauspielerischer Leistungen erzielt. Steve Coogan gibt uns einen Michell, der zunächst zynisch daherkommt, aber im Filmverlauf sein Herz und damit verbunden seine Mimik öffnet. An einigen Stellen lässt er gekonnt Humor aufblitzen. Ebenfalls richtig stark finde ich Vivian El Jaber als Haushälterin, die mit ihrer Mimik bei Figurendialogen intensiv mit dem jeweiligen Gegenüber kommuniziert. Coogan als Schauspieler ist zudem der Grund, dass Michell im Film älter als die 20 Jahre ist, wie er es im Buch schildert.
Fazit:
Eine Buchverfilmung, welche die Herzlichkeit ihrer Vorlage in Bilder überträgt und gute schauspielerische Leistungen, vor allem im Umgang mit dem tierischen Drehpartner, zeigt. Der ungewöhnliche Mix zwischen einer Freundschaftsgeschichte, zwischen Mensch und Tier, sowie politischer Dramatik kann insgesamt trotz einiger Schwächen überzeugen. Man erlebt als Zuschauer verschiedene berührende und humorvolle Momente. Mich haben die Veränderungen zur Vorlage etwas gestört, sie schaffen es aber, die Entwicklung der Hauptfigur zu unterstreichen. Ich kann deshalb diese Verfilmung empfehlen. Diese wahre Geschichte ist auf jeden Fall herzerwärmend und für Pinguin-Fans ohnehin ein absolutes Muss.
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Bewertung: 🐧🐧🐧🐧🐧
