Filmkritik: Unter Geiern

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Die Verfilmungen der Karl-May-Romane aus den 60er Jahren haben stark zur Popularität der Abenteuer beigetragen, und ich stelle die Filme gerne auf meinem Blog vor. Die Filme faszinieren mich seit meinen Kindheitstagen. Der Film „Unter Geiern“ wurde 1964 unter Erfolgsproduzent Horst Wendlandt gedreht. Erstmals führte Alfred Vohrer Regie, den man bisher durch die erfolgreichen Edgar-Wallace-Verfilmungen kannte. Vohrers Verfilmung setzt dabei auf etwas mehr Action, statt nur die romantisierende Blutsbrüder-Darstellung in den Fokus zu rücken. Dies liegt allerdings auch daran, dass für diesen Film Lex Barker als Old Shatterhand nicht zur Verfügung stand.

Stattdessen reitet an der Seite Winnetous (wie immer gespielt von Pierre Brice) der Westmann Old Surehand (Stewart Granger). Granger war zu diesem Zeitpunkt schon ein alternder Hollywoodstar, und doch versprach man sich von seinem Engagement mehr internationale Aufmerksamkeit. Die Verfilmung verknüpft die im Band „Unter Geiern“ enthaltenen Erzählungen „Der Sohn des Bärenjägers“ und „Der Geist des Llano Estacado“ und versetzt ihre Handlung ins Grenzgebiet zwischen Texas und New Mexiko. Dort lebt der Bärenjäger Baumann (Walter Barnes) mit seiner Familie auf einer Ranch. Während er sich mit Winnetou und seinem Sohn Martin (Götz George) auf Bärenjagd befindet, wird die Ranch überfallen. Der Überfall wirkt, als sei er von den benachbarten Shoshonen verübt worden. Häuptlingssohn Wokadeh (Gojko Mitic) widerspricht dieser Darstellung und erklärt, die Geier-Bande versuche nur, eine falsche Fährte zu legen. Baumann glaubt ihm nicht und beleidigt den toten Häuptling, weshalb Wokadeh Rache schwört. Old Surehand reist mit Old Wabble (Paddy Fox) und Annie Helmers (Elke Sommer) ebenfalls durch die Gegend, um Annie zu ihrem Vater zu bringen. Sie geraten in den drohenden Konflikt. Old Surehand und Winnetou beschließen, den drohenden Krieg abwenden zu wollen, und versuchen, die wahren Schuldigen zu finden.

Die Filmhandlung nimmt nur Anleihen aus der Buchvorlage. Old Surehand wird aus Besetzungsgründen eingearbeitet und ist auch eine andere Figur als bei May-Leser:Innen bekannt. Schon allein das Alter des Schauspielers macht eine Veränderung notwendig. Die Handlung wird mit Actionelementen verdichtet. Old Surehand und Winnetou müssen den aufziehenden Konflikt zwischen den Shoshonen und dem Bärenjäger schlichten und außerdem einen Siedlertreck vor einem Überfall durch die Geier-Bande bewahren. Dabei geraten sie mit ihren Gefährten zwischendurch in Gefangenschaft der Shoshonen. Annie wird zudem von der Geier-Bande entführt, Martin Baumann versucht, sie aus deren Händen zu retten. Damit wählt der Film ähnlich wie andere May-Verfilmungen Plotelemente aus, die auch schon bei den vorherigen Filmen für Erfolg sorgten. Stewart Granger spielt seinen Old Surehand mit einer ironischen Orientierung, was die von mir geschätzte Verschwiegenheit der Figur in den Büchern gänzlich verschwinden lässt. Pierre Brice liefert seine gewohnte und edel wirkende Performance. Die beiden Hauptdarsteller harmonieren aber bestens miteinander. Das feine Lächeln von Pierre Brice kommt immer an den passenden Stellen zum Einsatz. Eine starke Leistung liefert Götz George, der dem hitzköpfigen Martin Baumann das dazu passende verschmitzte Lächeln gibt. Die Darstellung der Gegenspieler bleibt allerdings blass, was aber auch im Drehbuch angelegt wirkt. Alfred Vohrers Film besticht mit mehr Action und Tempo, als man dies von Harald Reinl kennt. Trotzdem sind mir die Stoffbearbeitungen von Harald Reinl, wie z. B. bei „Der Schatz im Silbersee“, lieber, da dieser besser mit der Buchvorlage umgeht. Insgesamt ist dies jedoch ein Jammern auf hohem Niveau, da mich der Film bestens unterhält.

Fazit:

Auch wenn diese Verfilmung stark von den Buchvorlagen abweicht, gefällt mir der Film sehr gut. Die schauspielerischen Leistungen sind gut, die Mischung aus Humor und spannendem Abenteuer ist getroffen. „Unter Geiern“ ist eine Verfilmung, die sich stark von ihrer Buchvorlage abhebt, daraus aber eine gut abgestimmte Filmhandlung macht. Die Story ist gut aufgebaut, Winnetou und Old Surehand sollen dabei getäuscht werden. Stewart Granger und Pierre Brice harmonieren als Hauptfiguren und durchschauen die Absichten der Verbrecherbande. Die internationale Besetzung und die Steigerung der Actionszenen stärken diese Verfilmung. Götz George und Elke Sommer geben ein nettes Liebespärchen ab und ergänzen mit ihrer Nebengeschichte einen gut gelungenen Plot. Eine sehenswerte Verfilmung mit meinen Lieblingshelden.

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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧

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