Filmkritik: Zwei rechnen ab

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In diesem Monat stelle ich einen Western vor, der auf realen Ereignissen basiert. Im Jahr 1957 schuf Regisseur John Sturges einen prägenden Western über den berühmten Schusswechsel zwischen den Earps und den Clantons in Tombstone. Es handelt sich dabei vielleicht um den berühmtesten Schusswechsel in der Geschichte der Vereinigten Staaten, aus dem heraus sich auch der Mythos rund um Wyatt Earp begründet. Sturges stellt in den Mittelpunkt seines Films Marshal Wyatt Earp (gespielt von Burt Lancaster) und den befreundeten Revolverhelden Doc Holliday (Kirk Douglas).

Der Film beginnt mit seiner Handlung in Fort Griffin, Texas, wo Wyatt Earp dem berüchtigten Spieler und Revolvermann erstmals begegnet. Die beiden Männer vereint zunächst wenig. Earp agiert pflichtbewusst und möchte Recht und Ordnung zur Geltung verhelfen, während Holliday stark dem Alkohol zuspricht und zynisch durch die Welt geht. Als der Spieler einem Lynchmob zum Opfer fallen soll, greift Earp zu dessen Gunsten ein. Zunächst trennen sich die Wege wieder, doch von diesem Moment an verbindet die beiden Männer eine komplizierte Freundschaft. Wyatt Earp stammt aus einer Familie von Gesetzeshütern, und als seine Brüder in Tombstone mit den dort agierenden Clantons in Konflikt geraten, reist Wyatt dorthin und wird von Holliday begleitet. Die Situation zwischen den beiden Clans eskaliert aufgrund von Viehdiebstählen, unterstellter Korruption und sich stetig steigernder Gewalt. Nach dem Tod eines der Earp-Brüder kommt es zum finalen Showdown am O.K.Corral in Tombstone. Der Film nimmt seinen historischen Hintergrund und nutzt diesen für eine Inszenierung eines klassischen „Gut gegen Böse“-Konflikts. Dies ist allerdings eine Reduzierung der komplexen Ereignisse. Die Earps waren nicht nur die braven Gesetzeshüter, sondern lieferten sich auch aus wirtschaftlichen Interessen einen Konflikt mit dem Clanton-Clan. Wyatt Earp und seine Brüder waren in die rauen Gepflogenheiten des Westens ebenfalls verwickelt und haben ihr eigenes Bild später selbst mythologisiert. Auch bei der Figur des Doc Holliday nimmt sich der Film Freiheiten. Zwar hat die Figur im Film Tuberkulose, trotzdem wird sie nicht als kranker Mann inszeniert, sondern als energiegeladener Draufgänger. Dies alles empfinde ich aber nicht als störend für den unterhaltsamen und spannend konzipierten Film. Ich störe mich nicht an der Darstellung des Wyatt Earp, denn dieser Film will kein Geschichtsunterricht sein, sondern beteiligt sich bewusst an der Legendenbildung. Burt Lancaster spielt die Figur bewusst ruhig, sodass sich sein Mut und seine Autorität besser herausstellen. Kirk Douglas setzt dagegen auf ein Mimikspiel, bei dem der hart gesottene Held immer wieder zum Vorschein kommt. In seiner Figur wird eine Ambivalenz deutlich, nach welcher auch ein moralisch zweifelhaft agierender Mann im entscheidenden Moment für das „Gute“ eintreten kann. Insgesamt lebt der Film von einem starken Zusammenspiel seiner beiden Hauptdarsteller, wobei ich Kirk Douglas mit seiner inneren Zerrissenheit und dem zynischen Spiel einen Tick stärker einstufe. Ebenfalls eine filmische Stärke ist die Inszenierung der Spannung bis hin zum Showdown. Bei letzterem wird ein Gespür für Kameraführung und die Schilderung eines Aufeinandertreffens mit mehreren Figuren bewiesen. Sturges vermeidet den Fehler, seinen Film zudem als reines Actiondrama zwischen Revolverhelden zu inszenieren, sondern gibt vor allem den beiden Hauptfiguren Raum für Figurenhintergründe.

Fazit:

Von der Verarbeitung der historischen Hintergründe gibt es sicherlich deutlich bessere Verfilmungen dieses Revolverkampfes in Tombstone. Mir gefällt dieser Film aber wegen seiner beiden starken Hauptcharaktere und der schauspielerischen Leistung von Burt Lancaster und Kirk Douglas. John Sturges schafft es, diesen beiden Figuren eine mythische Aura zu verleihen und sie zum Zentrum des Geschehens zu machen. Konsequent wird die Spannung hin zum Showdown entwickelt, wobei das Highlight nicht der Revolverkampf, sondern die Freundschaftsgeschichte ist. Mit „Zwei rechnen ab“ ist ein Western entstanden, der viele klassische Muster aufgreift und deshalb mit seiner Inszenierung stellvertretend für eine erste Hochphase des Westernkinos steht.

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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧

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