Hämäläinen, Pekka: Der indigene Kontinent

#readmorebooks #readingtime #buchblogger #bookstagram #pekkahämäläinen #lesen #booklover #sachbuch #buchempfehlung #buchliebe #derindigenekontinent #amerikanischegeschichte #buchtipp #leseliebe #booknerd #leseratte #verlagantjekunstmann #rezension #instabook #bookish #instabooks

Als ich vom Erscheinen dieses Buches gelesen habe, war klar, dass ich es lesen  und auf meinem Blog besprechen würde. Für mich ist immer entscheidend gewesen, dass meine Karl-May-Vorliebe dazu geführt hat, dass ich mich intensiv mit der Geschichte Nordamerikas beschäftigt habe. Pekka Hämäläinen möchte in seinem Buch Amerika nicht als reinen Schauplatz des Kolonialismus zeigen, sondern nimmt bewusst die indigene Perspektive ein, um die bestehenden Strukturen und die Reaktionen auf die Einwanderer zu zeigen. Schon dieser Ansatz hat mich sogleich brennend interessiert.

Um was geht es:

Der Historiker gliedert sein Buch in chronologische und thematische Abschnitte, wobei er sich Entwicklungen und Zuwanderungsströmen bestimmter Regionen widmet. Ausgangspunkt sind hierbei auch die Mythologien der indigenen Kulturen, die ein Bild vor den Einwanderungsströmen evozieren. Ausgehend von Kolumbus werden dann die Einwanderungsströme ab dem 16. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert beleuchtet. Das Buch beleuchtet die jeweiligen Stammesverbünde und endet mit der Zwangsumsiedlung in Reservationen.

Mein Leseeindruck:

Dieses Buch ist wirklich beeindruckend, denn es nimmt eine gänzlich andere Perspektive auf die Geschichte Nordamerikas ein. Hämäläinen operiert konsequent aus der Perspektive indigener Akteure. Dies hat zur Folge, dass er auch andere Geschichtsnarrative nutzt und nicht in gängigen geopolitischen Kategorien wie z.B. „Souveränität“ arbeitet. Vielmehr zeigt sich territoriale Herrschaft nicht in Besitzurkunden, sondern zeigt sich in diplomatischer Herrschaft, aber auch in einer immer wieder angepassten Mobilität der indigenen Stämme. Er greift dabei ganz im kulturwissenschaftlichen Sinne auf verschiedene archäologische und ethnologische Studien und Quellen zurück. Dadurch verdichten sich die jeweiligen Kapitel und zeigen parallele oder wiederkehrende Muster. Hiermit wird den indigenen Völkern auch eine ganz eigene Machtkultur zugeschrieben. Mit seiner Art der Darstellung hinterfragt er gängige Narrative. Sein Buch zeigt, dass in der kolonialen Geschichtsschreibung imperiale Machtansprüche geschildert wurden, die aber mit den realen Verhältnissen wenig zu tun hatten. Beispiele sind unter anderem das Kapitel zu den Five Nations oder den Komantschen. Die Politik der jeweiligen indigenen Stämme wird bei Hämäläinen nicht als reine Reaktion vorgestellt, sondern sie ist durchaus von proaktiver Politik getrieben und zeigt sich innovationsfreudig. Damit verschiebt sich das Bild des passiven Opfers und macht die Geschichte Nordamerikas zu einer mit verschiedenen aktiven Akteuren. Diese Vorgehensweise sehe ich als die umwerfende Stärke des Buches. Bisher habe ich in den meisten Darstellungen bemängeln müssen, dass diese die indigenen Stämme vor allem als unterentwickelt und aussichtslos in ihrem Freiheitskampf zeigen. Hämäläinen widmet sich den verschiedenen Kolonialmächten und deshalb räumt er auch mit einer anderen Darstellung auf. Überwiegend wurde den Konflikten mit den indigenen Kulturen der Plains, wie unter anderem den Lakota, viel Raum eingeräumt, obwohl dies keine lange Zeitspanne war. Bei ihm ist dies anders, denn hier werden die jeweiligen Zeiträume entsprechend gewürdigt. An manchen Stellen hat man allerdings den Eindruck, dass die jeweilige Interpretation zu viel in die indigenen Strukturen hineinwirkt. Durchgehend ist es allerdings ein lesenswertes Buch, wird nie langweilig und ist verständlich geschrieben.

Fazit:

Dieses Sachbuch ist sorgfältig recherchiert und in seinem argumentativen Aufbau gut strukturiert. Deshalb gelingt es dem Autor, die Geschichte Nordamerikas aus einem anderen Blickwinkel zu beleuchten. Erstmals wird die indigene Perspektive eingenommen und diese somit aus ihrer Opferrolle entfernt. Ich habe das Buch äußerst gerne gelesen und würde es als eminent wichtigen Beitrag einstufen. Mit diesem Buch können sich sowohl Einsteiger als auch bereits Interessierte intensiv mit der Geschichte auseinandersetzen.

Autor:Inneninformation

Pekka Hämäläinen, geboren 1967 in Helsinki, ist seit 2012 Rhodes-Professor für Amerikanische Geschichte an der Universität Oxford.

Werbung aus Liebe zum Buch

Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧

Titel: Der indigene Kontinent

ISBN: 978-3-95614-636-7

https://www.kunstmann.de/buecher/der-indigene-kontinent-eine-andere-geschichte-amerikas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert