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Der Roman „Malibu Orange“ ist mir bei einem Buchmesserundgang aufgefallen. Das bunte Cover hat mich direkt angesprochen und der Klappentext erinnert an Romane der Popliteratur. Da ich solche Texte schätze, habe ich mir das Buch gekauft. Präsentiert wird uns ein vielschichtiger Roman, der sich der Heimatliebe, inniger Freundschaften und dem Weg zur Selbstfindung widmet.
Um was geht es:
Im Zentrum des Romans steht Anja, Anfang dreißig, ehemalige Krankenpflegerin in Wien, die nach einem Burn-out drastische Entscheidungen trifft: Sie kündigt ihren Job und zieht zurück in das elterliche Haus in der Steiermark. Für Anja soll dies ein Neustart werden, doch schnell muss sie erkennen, dass dies zunächst bedeutet, auch die alte Heimat neu kennenzulernen. Ihre beste Freundin scheint in einer Beziehung zu stecken und deshalb weniger Zeit zu haben, und Anja findet sich nicht gleich zurecht. Sie muss deshalb auch sich selbst finden, um die nötige Bereitschaft für einen Neustart aufzubringen.
Mein Leseeindruck:
Zentrales Handlungselement des Textes ist die innige Freundschaft zu Magda, mit der sie sich nun in einer Bar auf das frühere Lieblingsgetränk treffen möchte. Ulrike Haidacher zeigt auf eine wunderbare Art und Weise, dass diese Rückkehr in die alte Heimat nicht immer gleich vertraute Umgebung schafft. Abseits der Heimat hat sich Anja entwickelt, aber auch ihre Freundin Magda ist eben nicht mehr wie früher, auch wenn man dies zunächst vermutet. Ulrike Haidacher schafft dann eine wunderbare Dopplung. Anja hat sich von ihrem bisherigen Leben verabschiedet und hofft indessen auf eine vertraute Rückkehr. Magda hingegen hat einen neuen Freund und beginnt sich durch diese Beziehung von der vertrauten Heimat zu entfernen und dadurch einen Bruch in ihrem Leben zu vollziehen. Die Heimat ist somit nicht die erhoffte Rettung, sondern bricht auch mit Kindheits- und Jugenderinnerungen, macht deutlich, dass man Vergangenes nicht einfach wieder hervorrufen kann. Ich finde es äußerst gelungen, wie es Haidacher schafft, damit ihren Figuren und uns als Leserschaft einen Spiegel vorzuhalten. Dieses Grundmotiv ist Motor des Romans. Jeder aus der Leserschaft wird Freundschaftsgeschichten kennen, die Veränderungen unterworfen sind. Hier ist es nun eine sich entwickelnde Entfremdung, und die Autorin erzählt dies mit großer Gefühlsdichte, ohne in Klischees zu verfallen. Anja fühlt sich durch das Verhalten Magdas verletzt, fühlt sich alleingelassen, und doch taucht langsam der Gedanke auf, dass in dem Fokus auf die eigene Selbstfindung vielleicht auch die eigene Freundinnenrolle nicht wahrgenommen wurde. Der titelgebende Cocktail ist zum einen Symbol der unbeschwerten Jugend mit seinem süßen Geschmack und zum anderen nun im erneuten Konsum das Zeichen für eine noch nicht gefundene Heimat im Erwachsenenalter.
Dieser Roman ist wirklich ein toller Lesegenuss. Die Szenen in der Bar, im Klub, sind gelungen, treffen auf eigene Erfahrungen beim Lesen und lassen mich auch schmunzeln. Durch die Verbindung der Themen Heimat, Selbstfindung und Freundschaftsgeschichte ist dies ein vielschichtiger Gesellschaftsroman. Der Ton des Romans ist präzise, schafft es, Dialoge wie auch Monologe lebendig wirken zu lassen, und ist nah bei den Figuren . Sprachlich wechselt Haidacher zwischen humorvollen und ironischen Aspekten und dann wiederum äußerst pointiert geschilderten Gefühlslagen, sodass man dieses Buch durchgehend gerne liest.
Fazit:
Ulrike Haidacher ist ein vielschichtiger Roman gelungen, der spielend leicht verschiedene Themen wie Freundschaft, Heimat und Identitätssuche klug verknüpft. Ich mag den Ton des Buches, der immer wieder zum Lachen führt, aber auch die Tragikomik der beiden Freundinnen und ihrer Lebensentwürfe gut schildert. Die Dopplung der Identitätssuche ist eine richtig gute Grundidee und wird äußerst poetisch verarbeitet. Für mich ist dieses Buch deshalb ein schönes Leseereignis.
Autor:Inneninformation
Ulrike Haidacher lebt als freie Autorin und Kabarettistin in Wien. Ihre Programme wurden bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Österreichischen Kabarettpreis 2017. Ihr Debütroman „Die Party“ wurde mit dem Peter-Rosegger-Literaturpreis des Landes Steiermark ausgezeichnet und 2024 im Schauspielhaus Graz uraufgeführt. Für einen Auszug aus „Malibu Orange“ wurde sie 2022 mit dem Österreichischen Literaturpreis für Erzählungen ausgezeichnet.
Werbung aus Liebe zum Buch
Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧
Titel: Malibu Orange
ISBN: 978-3-7011-8350-0
