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Im letzten Monat habe ich Euch den Bücherpodcast „Wasser und Buch“ vorgestellt und zugegeben, dass ich aus diesem Podcast gerne Büchertipps mitnehme. Das heute von mir vorgestellte Buch habe ich sowohl im Podcast, als auch in anderen Blogs als Tipp erhalten. Johanna Hedmann war Protokollantin bei der UN, bevor sie sich an ihren ersten Roman wagte. „Das Trio“ erschien im schwedischen Original 2021, in der deutschen Übersetzung bei Luchterhand 2024. Ihr Roman kreist um drei Freund:Innen in ihren Zwanzigern und wurde auch in mancher Besprechung in Bezug auf Sally Rooney genannt. Letzteres kann ich nicht nachvollziehen, da ich bisher kein Buch von Rooney gelesen habe. In Hedmans Roman geht es um Thora, August und Hugo, die aus verschiedenen Milieus kommen. In der Romanhandlung erkunden diese drei ihre jeweiligen Gefühle zueinander und wie nah sie sich kommen können.
„Als Kind hatte ich das oft empfunden, und auch jetzt, morgens, erwachte ich mit einer gewissen Verblüffung. Warum war ich in diesem Körper geboren worden, in dieses Leben, mit diesen Menschen?“
Hedman, Johanna: Das Trio, Luchterhand Verlag 2024, S.70.
Die Geschichte wird wechselnd aus der Perspektive ihrer Hauptfiguren erzählt. Thora ist die Tochter einer wohlhabenden Industriellenfamilie und weiß auch, dass dies für sie mit Privilegien verbunden ist. August nutzt den Kontakt mit ihr, ist ihr bester Freund und angehender Künstler. Er glänzt mit seiner leidenschaftlichen Kreativität, wirkt an vielen Stellen des Textes sicher, und doch kann man ihn, wenn man ihm nahekommt, in Unsicherheit versetzen. Dritter im Bunde ist Hugo, der aus bescheidenen Verhältnissen kommt und auf die anderen trifft, als er zum Untermieter in Thoras Elternhaus wird. Hugo ist zunächst von der Industriellenfamilie verängstigt, und zugleich fasziniert ihn diese Welt, in der unglaubliche Freiheit zu herrschen scheint. Thoras exklusives Leben ist allerdings auch mit Erwartungen an ihre Person verbunden. Die drei jungen Menschen begegnen sich insgesamt mit Faszination und anfänglichem Misstrauen und lassen sich vorsichtig aufeinander ein. Der Fokus der Erzählung liegt auf zwei Sommern, die uns die Figuren in ihrer Fragilität zeigen. Die Figuren stehen vor Entscheidungen für ihren weiteren Lebensweg, aber auch vor der Frage: Welche Rolle werden die Drei im Leben der jeweils anderen zukünftig spielen? Thora spielt dabei eine entscheidende Rolle, da es auch darum geht, wie sie sich für ihre Liebe entscheidet. Der Roman nutzt die Dynamik des Figurentrios gekonnt, um daraus zwischenmenschliche Konflikte zu ziehen und diese aus den jeweiligen Perspektiven auszubuchstabieren.
„Ich wollte mehr über Thora und August erfahren, ich wollte sie verstehen, befürchtete aber auch, dass dies eine Art Gegenleistung von mir verlangen würde. Ich war völlig zufrieden damit, ihnen nahezukommen, ohne dass sie mir allzu nahestanden.“
Hedman, Johanna: Das Trio, Luchterhand Verlag 2024, S.150.
Hugo, der Außenseiter dieses Trios, kann durch den Kontakt in eine ganz andere als die ihm bekannte Welt vorstoßen. Er bleibt aber immer „der Andere“ in diesem Trio und setzt für uns als Leserschaft dazu den Kontrast und nimmt uns mit in die Welt, in der man vom sozialen Aufstieg träumt. Stetig hinterfragt Hugo dabei, wie das Verhältnis von August und Thora ist. Ihre Liebe und Zuneigung wechselt in ihrem Grad der Intimität. Zudem ist man sich nie sicher, ob August Thora in ihrem Leben stetig unterstützt. Durch die privilegierte Situation von Thora ist man stetig in der Gefahr, Hugo und August zu unterstellen, dass sie dies nur ausnutzen möchten. August ist mit seiner Kreativität immer darauf bedacht, mögliche Unsicherheiten zu überspielen, genießt es, die beiden anderen auf eine Fläche zu ziehen, die nur er beherrscht. Er bleibt jedoch in seinem Verhältnis zu den beiden anderen auch der Wandelnde, legt sich nie endgültig fest. Mit seiner Suche nach seiner besten Kunst ist auch seine Suche nach sich selbst verbunden. Thora ist allerdings aus meiner Sicht die dominante Figur. Sie nutzt ihre Ausgangssituation, spielt auch mit dem möglichen Verlust der Unterstützung der Eltern. Gekonnt zeigt sie sich gegenüber Hugo und August in der Rolle der Verführerin.
„Wenn ich mich längere Zeit nicht mit Thora und August getroffen hatte, vergaß ich, wie sehr ich mich an Smalltalk gewöhnt hatte und wie ungewohnt es geworden war, über schwierige Dinge zu sprechen.“
Hedman, Johanna: Das Trio, Luchterhand Verlag 2024, S.231.
Schlussendlich ist für mich nicht klar, ob dieses Zitat korrekt ist. Ich bin unsicher, ob sich die drei Figuren überhaupt zu irgendeinem Zeitpunkt komplett ehrlich zueinander verhalten. Die drei jungen Leute befinden sich in einer Lebensphase, in der sie sich auch auf der Suche nach der eigenen Identität befinden. Sie müssen sich mit gesellschaftlichen Erwartungen auseinandersetzen und diese mit den eigenen persönlichen Wünschen ausbalancieren. Einen entscheidenden Einfluss hierauf hat die jeweilige soziale Herkunft. Augusts Freiheitsdrang zeigt Thora, dass sie trotz ihrer Privilegien durch Erwartungen gebremst wird. Für Hugo entsteht ein Spannungsverhältnis, da er für sein Erreichtes viel härter arbeiten muss. Die immer wieder aufkeimende Liebe untereinander wechselt in der Intensität der Leidenschaft, offenbart unerfüllte Sehnsüchte, fungiert aber auch mal als Funktion. Grundsätzlich ist somit vieles im Roman angelegt, aber mich kann diese Dreierdynamik nicht über knapp 450 Seiten fesseln. Die gefühlvollen Beschreibungen der inneren Lage der Figuren sind sicherlich hervorzuheben, aber mir fehlte ein unerhörtes Ereignis, durch das dieses Trio nochmals vor eine besondere Herausforderung gestellt wird.
Fazit:
Johanna Hedman hat sich drei Figuren ausgedacht, denen man gerne zuschaut. Man erkennt, dass sie in ihrem Beziehungsdreieck einander sowohl helfend zur Seite stehen, als auch sich gegenseitig nicht immer nur fördernd unterstützen können. Die einprägsamen Schilderungen der Gefühlslagen sind stilistisch gut getroffen. Der literarische Stil des Romans ist sicherlich eine der Stärken. Mir fehlt bei dieser Freundschaftsgeschichte jedoch noch ein entscheidender Konflikt. Für keine der Figuren endete dieser Roman aus meiner Sicht mit dem Fokus auf eine klare Richtung, und dies hätte ich mir doch gewünscht. Diesen Roman kann man deshalb vor allem für seine Beschreibung einer intensiven Freundschaftsbeziehung zwischen drei jungen Menschen empfehlen, die keinerlei Höhen und Tiefen auslässt, aber zugleich dabei drei Menschen zeigt, denen die schlussendliche Bereitschaft, sich gänzlich auf jemand anderen einzulassen, fehlt.
Werbung aus Liebe zum Buch
Wertung: 🐧🐧🐧🐧
Titel: Das Trio
ISBN: 978-3-630-87764-8
https://www.penguin.de/buecher/johanna-hedman-das-trio/buch/9783630877648
