Johann, Petra: Der Steg

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Am 10. März 2026 ist Petra Johann bei den Darmstädter Krimitagen mit ihrem neuesten Roman „Wem du traust“ zu Gast. Ich stelle die Autorin mit ihren vorherigen Romanen aufgrund dieses Anlasses auf meinem Blog vor. Im Jahr 2024 ist der Roman „Der Steg“ im Verlag Rütten & Loening erschienen und bietet wieder einen spannenden Psychothriller. Im Zentrum des Buches steht Priska. Sie lebt mit ihrem Mann in einem wunderschönen Haus am Plöner See. Sie ist voller Vorfreude auf den Besuch ihres Halbbruders Moritz, der seine neue Freundin Anna vorstellen möchte. Kurz vor der Ankunft ihrer Gäste kommt es jedoch zu einem Zwischenfall und am Ufer des Hauses wird eine Leiche gefunden. Beim Toten handelt es sich um den Vater von Priska und Moritz. Niemand weiß, wie dieser zum Haus gekommen ist und wie er gestorben sein könnte. Klar ist nur, dass der Vater an einer Erkrankung litt. Moritz’ Freundin Anna misstraut Priska und empfindet viele Verhaltensweisen als merkwürdig. Allerdings gibt es zunächst keine Anzeichen dafür, was der Grund für dieses Verhalten ist. Grundsätzlich sind alle Anwesenden durch die Situation einer hohen psychischen Belastung ausgesetzt. Das Setting des Romans zeichnet eigentlich eine idyllische Wohnsituation, doch diese friedliche Kulisse wird durch den Todesfall gestört. Es entwickelt sich anschließend eine dramatische Situation, bei der keine der vier anwesenden Personen weiß, ob man dem jeweils anderen trauen kann. Anna ist neu in dieser Familienkonstellation, doch man muss sich auch fragen, ob man den eigenen Bruder, die eigene Schwester, beziehungsweise den eigenen Ehepartner wirklich kennt.

„Ich hatte keine Wahl. Ich hatte keine Wahl. Ich hatte keine Wahl. Ich hatte keine Wahl, weil er mir keine gelassen hat, weil er mein Leben zerstört hätte. Er hatte nicht das Recht dazu, aber ich hatte das Recht, mein Leben zu verteidigen. Ich hatte das Recht dazu! Ich hatte keine Wahl! Und jetzt habe ich auch keine. Was geschehen ist, ist geschehen. Ich kann es nicht mehr ändern. Ich kann es nicht mehr ungeschehen machen, auch  nicht, indem ich die Wahrheit sage und dadurch mein Leben selbst zerstöre.“

Johann, Petra: Der Steg, Rütten und Loening 2024, S.37.

Mit diesem Zitat von Priska wird schon früh im Roman deutlich, dass diese ein Geheimnis hat. Der Roman dekonstruiert langsam ihre Lebensidylle. Immer tiefer dringt das Buch in ihre Gefühlswelt ein und doch bleiben verschiedene Entwicklungen unerklärlich. Die landschaftliche Ruhe lässt die Handlung spannender und fokussierter wirken. Drohende Konflikte zwischen Anna und Priska sorgen zugleich dafür, dass es auch zu Spannungen mit den jeweiligen Partnern kommt. Die Geschichte wird wechselnd aus den  Perspektiven der beiden Frauen erzählt und erhöht damit den Kammerspieleffekt. Aufgrund dieser Erzählsituation sind wir nah bei den Figuren und können ihr Innenleben direkt einschätzen. Petra Johann versteht ihr Handwerk und das Buch ist flüssig zu lesen, ergeht sich nie in unnötiger Komplexität. Wir erfahren von den familiären Schwierigkeiten, in denen Moritz und Priska groß geworden sind. Die Geschwisterbeziehung war von wechselnder Distanz und Nähe geprägt, zum Vater hatte Priska nie Kontakt gesucht. Nie ist eine  familiäre Herzlichkeit aufgekommen, die nun vertrauliche Nähe schaffen könnte. Es sind Ungewissheit und immer wieder auftretende Widersprüche, welche stetig die Spannung erhöhen. Anna ist hierfür eine wichtige Gegenfigur. Mit ihr lernen wir die Familie kennen und man teilt beim Lesen durchaus das bei ihr entstehende Unbehagen.

Fazit:

Petra Johanns Psychothriller ist ein gelungener Roman, allerdings weiß man hier schnell, dass Priska ein dunkles Geheimnis hat. Es geht darum, dieses Geheimnis zu offenbaren, und dies ist das Spannungsmomentum. Leider kann dies nicht immer alle Szenen tragen, sondern bei mancher Schilderung  vermutet man den Hintergrund bestimmter Verhaltensweisen. Petra Johann komponiert ihre Bücher mit einem klaren Setting, in welchem vor allem zwischenmenschliche Beziehungen an Grenzen geführt werden. Der idyllische Handlungsort wird durch ein tragisches Ereignis mit einer dunklen Atmosphäre aufgeladen. Die auftretenden Fragen geben  ein Familienbild frei, welches unterschiedliche Motivlagen für die Geschehnisse zu bieten scheint. Insgesamt ein solider Psychothriller.

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Wertung: 🐧🐧🐧🐧

Titel: Der Steg

ISBN: 978-3-352-01010-1

https://www.aufbau-verlage.de/ruetten-loening/der-steg/978-3-352-01010-1

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