Karl May Festspiele Bad Segeberg 2026: Im Tal des Todes

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Aufgrund unserer alljährlichen Urlaube in Büsum besteht für mich die Chance, die Karl-May-Spiele in Bad Segeberg jährlich zu besuchen. Somit hieß es 2026 „Im Tal des Todes“ und somit erlebte ich ein Stück,  welches ich vor Jahren schon einmal live gesehen habe. Seit ihrer Gründung 1952 haben sich die Spiele in Bad Segeberg zur bedeutendsten Karl-May-Inszenierungsstätte entwickelt. Jahr für Jahr strömen mehrere hunderttausend Zuschauer nach Schleswig-Holstein, um eine neue Interpretation der Karl-May-Welt zu erleben. Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Roman, doch natürlich nimmt sich Regisseur Nicolas König wieder die ein oder andere Freiheit.


Die Handlung führt in das mexikanische Grenzgebiet rund um San Miguel. Dort herrscht der skrupellose Bergwerksbesitzer Roulin (gespielt von Stargast Florian Fitz), der Menschen entführen lässt und sie in einer abgelegenen Quecksilbermine zur Zwangsarbeit zwingt. Unterstützt wird er von der Cantinabetreiberin Senorita Miranda (Isabell Varell), die ihre Gäste mit Schlafmittel gefügig macht. Um seine Geschäfte im Tal des Todes zu verbergen, möchte Roulin einen Konflikt zwischen den Maricopa- und Chiricahua-Apachen entfachen. Er hat den Maricopa-Häuptling Eiserner Pfeil (Segeberg Urgestein Joshy Peters) mit Alkohol gefügig gemacht und diesen beauftragt, die Heilige Paloma Nakana (Ines Cihal) der Chiricahua zu töten. Doch die Blutsbrüder Winnetou (Alexander Klaws) und Old Shatterhand (Bastian Semm) erhalten davon Wind und wollen das Unglück verhindern. Unterstützung erhalten sie von Sam Hawkens (Dirc Simpson), der aber auch noch auf den britischen Adligen Sir John Raffley (Heinrich Schafmeister) und seinen Begleiter Don Fernando (Alexis Kara) aufpassen muss.

Die Geschichte verbindet klassische Karl-May-Elemente – Blutsbrüderschaft, Freundschaft, Loyalität und den Kampf gegen das Unrecht – mit einer Handlung, die nahezu ohne längere Leerlaufphasen auskommt und konsequent auf das große Finale hinarbeitet. Regisseur Nicolas König, der bereits seit Jahrzehnten mit den Karl-May-Spielen verbunden ist und selbst viele Rollen am Kalkberg verkörperte, kennt die Erwartungen des Publikums genau. Ich finde, dass die Spiele unter seiner Regie an Qualität gewonnen haben. Er konzentriert sich mit dem Ensemble auf jene Elemente, die auf einer riesigen Freilichtbühne ihre größte Wirkung entfalten: klare Figurenkonstellationen, rasche Szenenwechsel, spektakuläre Action und emotional nachvollziehbare Konflikte. Zwischen humorvollen Szenen, emotionalen Begegnungen und spektakulären Actionsequenzen entsteht ein Rhythmus, der es einem erleichtert, für knapp 2 Stunden inklusive Pause in eine andere Welt abzutauchen. Das Bühnenbild verwandelt den Kalkberg in eine mexikanische Grenzregion, deren Zentrum das farbenfrohe San Miguel bildet. Einerseits herrscht das quirlige Leben einer Cantina mit Musik, Tanz und südamerikanischem Flair, während andererseits das düstere Quecksilberbergwerk mit seinen giftigen Dämpfen den eigentlichen Schauplatz des Schreckens bildet. Der Kalkberg wird nicht bloß zur Kulisse, sondern zu einem aktiven Bestandteil der Inszenierung. Pferdegalopp, Kämpfe auf mehreren Ebenen, Explosionen, Feuer- und Pyrotechnik sowie die eindrucksvoll gestaltete Quecksilbermine erzeugen Bilder, die im klassischen Theater kaum realisierbar wären. 

Alexander Klaws beweist erneut, warum er inzwischen zu den prägenden Winnetou-Darstellern Bad Segebergs gehört. Sein Apachenhäuptling besitzt Würde, Ruhe und Autorität, ohne unnahbar zu wirken. Ich kann mich in meinen Besprechungen nur wiederholen, dass ich ihm dies nie zugetraut hätte. Mittlerweile steht er für mich nach Gojko Mitic mit Erol Sander auf einer Stufe und ich wünsche mir, dass er die Rolle noch einige Zeit inne hat. Kongenial ist er im Zusammenspiel mit seinem Blutsbruder Bastian Semm. Letzterer übernimmt den aktiveren Part des tatkräftigen Helden. Sein Spiel besitzt Dynamik, Humor und Schlagfertigkeit. Für mich ist er der beste Shatterhand-Darsteller, den ich bisher auf den Festspielbühnen erleben durfte. Highlight in diesem Jahr: seine Einlage als Mariachi-Sänger. Ich würde mir dieses Blutsbrüderpaar für die kommenden Jahre wünschen.

Ein weiteres Highlight der Saison ist Florian Fitz. Sein Roulin ist kein laut brüllender Fiesling, sondern ein kühl kalkulierender Geschäftsmann, dessen Skrupellosigkeit gerade durch ihre Nüchternheit erschreckt. Er verkörpert Gier und Machtstreben mit großer Überzeugungskraft. Ebenso überzeugend ist Isabell Varell als Senorita Miranda. Anfangs erscheint sie als lebensfrohe Cantina-Wirtin, doch nach und nach treten ihre dunklen Seiten hervor. Varell spielt diese Wandlung mit sichtbarer Spielfreude und verleiht ihrer Figur zugleich emotionale Zwischentöne.

Für den komödiantischen Teil sorgt ein überragender Heinrich Schafmeister als britischer Gentleman Sir John Raffley. Seine Figur liefert viele humorvolle Momente, ohne jemals zur bloßen Klamaukfigur zu verkommen. Besonders die Idee, dass Raffley seine Abenteuer wie Punkte auf einer To-do-Liste abhakt und sogar gefährliche Situationen fotografisch dokumentieren möchte, sorgt für zahlreiche Lacher. Schafmeister besitzt das nötige Timing, um diese Szenen pointiert auszuspielen. Bei dieser Figur muss man Regie und Drehbuch ein Kompliment machen, denn hier ist auch für jede Altersgeneration ein Witz dabei. 

Mir fällt es wirklich schwer, Kritisches zu finden, und ich mache dies dann an zwei meiner Lieblingsschauspieler fest. Leider hat Sascha Hödl mit seiner Schurkenrolle nicht die Möglichkeit, stark zu performen. Hier wird das Potenzial eines starken Schauspielers etwas verschenkt. Bei Urgestein Joshy Peters hingegen finde ich, dass man seine Rollen etwas zurücknehmen und altersgerechter entwickeln könnte. Zudem kommt die Figur des in die Quecksilbermine entführten Martin von Adlerhorst etwas zu kurz. Darunter leidet auch die romantische Nebenhandlung zu Palma Nakana.

Fazit:

Auch wenn ich zwei kleine Kritikpunkte gefunden habe, hat mich das diesjährige Stück in Bad Segeberg mit der tollen Schauspielperformance wieder begeistern können. Besonders Alexander Klaws und Bastian Semm tragen das Stück mit großer Souveränität, während Florian Fitz, Isabel Varell und Heinrich Schafmeister den Gastrollen ein ungewöhnlich hohes Profil verleihen. Nicolas König hat wieder eine starke Story ausgearbeitet und alles passt gut ineinander. Action, Humor, Emotionen und Spannung fügen sich zu einem runden Ganzen zusammen. Die Karl-May-Spiele setzen damit ihre beeindruckende Erfolgsgeschichte fort und bestätigen ihre Stellung als erfolgreichste Freilichtbühne Deutschlands.

Weitere Infos, auch zur restlichen Spielzeit, unter: https://www.karl-may-spiele.de/

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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧🐧

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