Karl May Festspiele Mörschied 2026: Winnetou II – Das Geheimnis des Scouts

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Im vergangenen Jahr habe ich erstmals die Karl-May-Festspiele in Mörschied besucht und damit meinen Festspielhorizont erweitert. In diesem kleinen Dorf im Hunsrück wird seit 1992 Karl May gespielt. Die gesamten Festspiele werden durch einen ehrenamtlichen Verein auf die Beine gestellt. Das ganze Drumherum ist dadurch etwas kleiner, als man es aus Elspe und Bad Segeberg kennt, die Preise dafür aber auch freundlicher. Mich hat die Bühne im vergangenen Jahr beeindruckt, denn die Darsteller:Innen sind größtenteils keine ausgebildeten Schauspieler:Innen und somit stand in diesem Jahr ein Folgebesuch an. Gespielt wird in dieser Saison „Winnetou II – Das Geheimnis des Scouts“.

Regisseur und Textbuchautor Marcel Gillmann hat erneut die beiden Blutsbrüder in den Mittelpunkt seiner Geschichte gestellt, wobei er dem Scout Old Death eine Schlüsselrolle zuweist. Eine Verbrecherbande mit Namen „Black Hawks“ treibt ihr Unwesen und möchte die Komantschen unter ihrem Häuptling „Weißer Biber“ (Alexander Klein) in den Krieg treiben. Anführer der Bande ist ein gewisser Gibson (gespielt von Marcel Gillmann), der auch noch einen Bankierserben versucht, um sein Geld zu bringen. Old Shatterhand (Marcus Jalovljevic) möchte diesen Erben befreien und jagt dem Verbrecher nach. Währenddessen versucht Winnetou (Eric Nisius), den Frieden zu bewahren. Inmitten dieser gefährlichen Situation sind Old Death (Daniel Eichhorst) und seine Ziehtochter Mary-Lou (Lisanne Loch) unterwegs. Sie treffen auf die beiden Blutsbrüder und weitere Gefährten wie Sam Hawkens (Niklas Baumbauer) und den Bayer Sepp (Benny Engel). Schlussendlich gipfelt alles in einem Showdown an der Stelle eines gut gehüteten Geheimnisses von Old Death.

Erneut setzt die Inszenierung auf viel Tempo mit Reiterangriffen, Explosionen und stark choreografierten Kampfszenen. Ich muss hier wie schon im Vorjahr festhalten, dass sich die Festspiele hier nicht vor den Profis verstecken müssen. Klassische Motive Karl Mays wie der Zweikampf auf Leben und Tod finden Eingang, und doch muss ich sagen, ist die Story in diesem Jahr nicht so gut gelungen. Für mich sind zu viele Elemente der Buchvorlage in dieses Stück eingearbeitet. Hinzu kommen noch Anspielungen auf den Ku-Klux-Klan, welche die Handlung nur aufblähen, statt ihrem Fortgang zu dienen. Die Handlungselemente werden nicht alle zu einem schlüssigen Ende geführt, weshalb man die Hintergrundgeschichte Mary-Lous zwar versteht, aber keine ausbuchstabierte Auflösung erfährt. Bestimmte Dialoge wirken unnatürlich oder halten sich mit Floskeln auf, hier fehlt dem Text dann die Tiefe.  Allerdings war ich auch in einer der ersten Aufführungen der neuen Saison. Es war sehr warm und es musste aufgrund eines Brandunfalls eine Szene verändert werden. Vielleicht hätte sich das ein oder andere dann anders zusammengefügt. Der Umgang mit dieser speziellen Herausforderung und den Temperaturen war jedenfalls spitze. Schauspielerisch möchte ich das Blutsbrüderpaar wieder hervorheben. Eric Nisius verleiht seinem Winnetou Würde und Ruhe und ist dabei zugleich durchgehend präsent. Marcus Jakovljevic legt seinen Old Shatterhand körperbetont und doch lässig an, was der Figur ebenfalls gerecht wird. Humorvoll rahmten Niklas Baumbauer und der überragend spielende Benny Engel das Stück ein. Letzterer hat mich im vergangenen Jahr schon beeindruckt, kommt dieses Mal mit bayerischem Dialekt noch besser zur Geltung. Nicht alle Figuren sind so gut ausgearbeitet, aber dies würde auch die Dauer des Stücks sprengen.

Fazit:

Insgesamt laden die Festspiele in Mörschied wieder zu einer Reise in die Welt Karl Mays ein und wissen zu unterhalten. Allerdings hat das Stück in seiner Konstruktion einige Schwächen, nicht alles fügt sich und bestimmte Sequenzen sorgen für unnötige Längen, statt die Handlung voranzutreiben. Trotzdem weiß die Bühne mit ihrem ehrenamtlichen Staff wieder zu überzeugen. Schauspielerisch sind einige der Darsteller:Innen auf dem gleichen Niveau wie die großen Bühnen. Ebenso sind Pyrotechnik und Soundeffekte toll, ebenso wie die Kampfchoreografien. Wer einmal einen Ausflug abseits der großen Bühnen wagen will, ist in Mörschied auf jeden Fall an einer guten Adresse. Abzüge gibt es meinerseits wegen des schwächeren Textbuches.

Weitere Infos, auch zur restlichen Spielzeit unter: https://www.karl-may-moerschied.de/

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Wertung: 🐧🐧🐧🐧

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