Kramer, Christoph: Das Leben fing im Sommer an

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Ich glaube, im Jahr 2025 wurde über wenige Bücher so viel diskutiert wie über das literarische Debüt des Fußballers Christoph Kramer. Ich muss sagen, dass bei mir zunächst die Skepsis überwog, doch auch ich habe mich dann entschieden, zu einer Lesung mit ihm in Frankfurt zu gehen. Christoph Kramer hat mich an diesem Abend mit seiner Inszenierung durchaus zum Lachen gebracht, denn er spielt hervorragend mit dem Autorendasein. Sein Coming-of-Age-Roman hat viele mit seiner Qualität überrascht und macht deutlich, dass er nun zukünftig ebenfalls als Autor auftreten möchte.

Um was geht es:

Dieser Roman wählt die Jahre eines Heranwachsenden im Sommer 2006 als zentrales Element. Chris ist 15 Jahre alt und arbeitet daran, Fußballprofi zu werden. Doch der Fußball steht nicht alleine im Mittelpunkt, sondern im Sommer 2006 möchte er vor allem Zeit mit seinen Freunden erleben und das Mädchen erobern, in welches er sich verliebt hat. Chris muss sich mit Akne-Problemen herumschlagen und möchte endlich als „cool“ auffallen. Auf ihn warten in diesen Sommertagen Nächte auf dem Scheunendach, eine Party und ein erster Ausflug mit einem Auto.

Mein Leseeindruck:

Zunächst möchte ich voranstellen, dass dieser Roman durchaus mit Autofiktion spielt, wenn auch immer wieder betont wird, dass es kein autobiografischer Text ist. Kramer weiß  aber natürlich, dass er mit dem Namen des Protagonisten und seinem Fußballerdasein Assoziationen zu sich selbst weckt. Ich empfinde dies als unproblematisch, wobei der Roman hier nicht alle Möglichkeiten ausschöpft und den Eindruck erweckt, dass nicht alles Geschilderte realistisch ist. Hiermit meine ich vor allem, dass ein Teenager, der in einem großen Verein Jugendspieler ist, ein Auto klaut und dies keine Auswirkungen auf sein Fußballerdasein hat. Außerdem finde ich die Auflösung am Ende des Romans nicht ganz konsequent, wenn bewusst das Fiktionale in den Vordergrund gestellt wird.

Dies war es aber schon mit meiner kleinen Kritik am Text. Ansonsten möchte ich mich in den überwiegend positiven Blick auf diesen Roman einreihen. Chris ist eine charismatische und authentische Figur, deren Gefühlswelt und Probleme gut getroffen sind. Kramer gelingt es, die Lebenswirklichkeit eines Teenagers einzufangen und ihm auch die passende Sprache zu geben. Dadurch, dass die Geschichte aus der ersten Person erzählt wird, sind wir ganz nah an ihm dran. Fußball ist nur der Hintergrund dieses Buches, viel entscheidender sind die Freundschaftsgeschichten und  die Sehnsucht nach der ersten großen Liebe. Allerdings ist der Fußball auch ein Gegengewicht zur persönlichen Unsicherheit des Protagonisten, denn in  diesem Hobby erlebt er Bestätigung. Wir können uns sicherlich alle an den Sommer 2006 erinnern, mit hohen Temperaturen und einer positiven Stimmung durch eine Fußballweltmeisterschaft. Chris besucht das Freibad, schwelgt in Nächten in Träumen und öffnet sich dabei auch seinem besten Freund. Allerdings sieht er diesen Sommer auch als einen der Entscheidungen an. Seine beiden Freunde Johnny und Salvo bilden mit ihm eine feste Clique, sind durchaus verschieden und doch in ihren Träumen einander nicht unähnlich. Dem Roman gelingt es, deutlich zu machen, wie wichtig diese freundschaftlichen Verbindungen für die weitere Zukunft sind. Chris kann sich bei seinen Freunden fallen lassen. Debbie ist das schönste Mädchen der Schule für Chris. Er erlebt bei ihr alles, was die erste große Liebe ausmacht: zunächst begeistertes Verliebtsein, Selbstbewusstsein, Glück und dann auch Enttäuschung. Chris lernt dabei auch vieles über sich selbst und man folgt der Figur gerne, da es sprachlich mitreißend geschrieben ist. Die Geschichte ist zeitlich konzentriert, erzählt nur wenige Tage dieses Sommers, ordnet ihn aber mit dem Ende als zentrales Lebensereignis ein. Die Leichtigkeit des Buches ist eine wunderbare Stärke. Kramer erläutert bei der Lesung, dass es ihm wichtig war, diese Zeit 2006 auch durch das Einfließen popkultureller Elemente nochmals lebendig werden zu lassen. Dies ist ihm auf jeden Fall gelungen, denn auch bei mir ruft das Lesen nostalgische Momente hervor.

Fazit:

Christoph Kramer ist ein sympathischer Zeitgenosse, man hört ihm gerne zu, und dieser Roman ist wirklich gut zu lesen. Ich finde es beeindruckend, wie es Kramer gelingt, dieser jugendlichen Lebenswelt die passenden Gefühle, aber auch die richtige Sprache zu geben. Wir erleben mit diesem Jugendlichen einen prägenden Sommer, der natürlich auch nostalgische Momente bei mir selbst hervorruft, denn diese Lebensphase kennen wir alle. Ich finde es gelungen, dass hier eine Zeit des Lebens in ihrer Bedeutung nochmals betont wird und uns an Gefühlen der Freundschaft, der mutigen Entscheidungen und ersten Enttäuschungen teilhaben lässt. Ich kann deshalb dieses Buch als leichte und doch gute Lektüre wärmstens empfehlen.

Autor:Inneninformation

Christoph Kramerist ehemaliger Fußballprofi und  heute als TV-Experte und Podcaster tätig. Er spielte zuletzt für den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach, war Nationalspieler und wurde 2014 Weltmeister. Sein Debütroman war monatelang auf den Bestsellerlisten und wird derzeit fürs Kino verfilmt. 

Werbung aus Liebe zum Buch

Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧

Titel: Das Leben fing im Sommer an

ISBN: 978-3-462-00798-5

https://www.kiwi-verlag.de/buch/christoph-kramer-das-leben-fing-im-sommer-an-9783462007985

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