Leon Menger, Ivar: Als das Böse kam

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Bevor ich Teil des Organisationsteams der Darmstädter Krimitage wurde, war ich dort zunächst als Gast zugegen. Besonders ist mir ein Abend aus dem Jahr 2023 in Erinnerung geblieben, an dem ich Sven Stricker mit seiner hervorragenden Sörensen-Krimireihe kennenlernen durfte, aber auch einen Autor aus Hessen, der seinen Debütroman vorstellte. Ivar Leon Menger ist in Darmstadt geboren. Er ist Schriftsteller, Diplom-Designer, Werbetexter, Hörspielautor und Regisseur. Bekannt wurde er durch seine erfolgreichen Audible-Hörspielserien Ghostbox und Monster 1983, für die er 2023 mit der Goldenen Schallplatte ausgezeichnet wurde. 2022 erschien sein Thrillerdebüt „Als das Böse kam“ bei dtv und diesen Roman stellte er bei den Krimitagen vor. Sein Debüt wurde in mehrere Sprachen übersetzt und war für den französischen Krimipreis nominiert. Ich möchte Euch dieses Buch am heutigen Tag vorstellen.

In diesem Buch werden Elemente psychologischer Spannungsromane mit Mafiakrimis vermischt. Menger wählt hierfür eine besondere Ausgangssituation mit einer auf einer Insel isolierten Familie. Zunächst erscheint diese Familie als eine, die sich in eine Naturverbundenheit geflüchtet hat. Die beiden Kinder werden abseits des klassischen Schulwesens erzogen und wissen nur wenig von einer anderen, von ihnen entfernten Welt. Zunächst wirkt das Familienleben mit gemeinsamen Essen und einem festen Tagesalltag als nicht besonders schlimm. Die Eltern scheinen stark darum bemüht, dass ihre Kinder behütet aufwachsen. Immer wieder erfolgen dazu Hinweise auf eine böse Gefahr, die auf dem Festland lauert. Man gewinnt den Verdacht, dass die Familie sich vor jemandem verstecken muss. Meine Gedanken gingen sofort in die Richtung eines Zeugenschutzprogrammes. Sofern eine Bedrohung auf die Insel kommen sollte, können sie sich in einen durch den Vater angelegten Schutzraum flüchten. Über den gesamten Roman hinweg wird mit einer Atmosphäre zwischen familiärer Geborgenheit und Bedrohung gespielt. Das Leben der beiden Kinder ist durchgehend von Angst strukturiert. Auch gegenüber den Eltern verspüren die beiden Angst, wenn sie eine der Regeln gebrochen haben.

„Doch die Antwort auf meine Frage scheint ihm schwer auf den Schultern zu lasten. Dieses Gefühl kenne ich. Wenn Mutter mich nach Dingen fragt, die man nur mit einer Lüge beantworten kann.“

Leon Menger, Ivar: Als das Böse kam, dtv 2022, S.80.

Die Isolation der Familie gleicht einem Gefängnis. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive der 16-jährigen Juno, deren Neugierde auf die Welt außerhalb der Insel stetig zunimmt und die den Plan einer Flucht fassen lässt. Durch diese Perspektive wird die Zerrissenheit der Figur zwischen Gehorsam und dem Wunsch, mehr zu erfahren, besonders deutlich. Juno agiert in manchen Szenen auch naiv, da sie nicht weiß, welche Gefahren wirklich außerhalb der Insel lauern. Junos jüngerer Bruder folgt stärker den Regeln, ist noch kindlicher und kann deshalb die Geschehnisse weniger gut reflektieren. Gekonnt wird das Geheimnis der Familie geschildert und mit verschiedenen möglichen Lösungen konfrontiert. Für die beiden Kinder ist die Insel ein heimatlicher Schutzraum, aber sobald Gefahr von außen droht, agieren die Eltern weniger behutsam. Gewaltabsichten durchziehen dann das Verhältnis zu den Kindern und lassen in Juno Zweifel wachsen. Diese Arbeit mit verschiedenen Bedrohungen ist konstitutiv für den Text und dient der psychologischen Tiefe dieses Thrillers. Grundsätzlich operiert Menger mit kurzen Kapiteln, setzt auf schnelle Szenenwechsel und lässt uns gemeinsam mit Juno immer wieder Anzeichen finden, die Zweifel an der Geschichte der Eltern säen. Sind diese wirklich um ihre Kinder besorgt, sind diese die Guten in dieser Geschichte? Der Text packt mich mit dieser Frage und diesem Schwanken zwischen Vertrauen und Misstrauen gegenüber den Eltern. Der Roman ist durchgehend gut zu lesen, Menger hält sich nicht mit komplizierten Sprachbildern auf, sondern konzentriert sich auf den Kern seiner Handlung. Für mich war der Ausflug zu den Krimitagen auf jeden Fall interessant, da ich dort einen weiteren Autor der Region kennenlernen konnte.

Fazit:

Am Lesungsabend reizte mich der Text, konnte mich aber nicht ganz für sich gewinnen. Die Grundidee der Story ist äußerst spannend, doch für mich werden bestimmte Elemente der Handlung zu kurz beschrieben, es bleiben für mich Fragen offen, weswegen ich nicht alle Schilderungen als realistisch einstufe. Trotzdem greift die Spannung der beklemmenden Situation durchgehend um sich und kann mich an den Text binden. Ivar Leon Mengers Debüt ist für mich dann stark, wenn es die starke Grundidee betont. Dies gelingt immer dann, wenn Bedrohung von außen dem beklemmenden und doch behütet wirkenden Familienszenario gegenübergestellt wird. Die Wahl der Erzählperspektive verstärkt die Nähe zu den verschiedenen Ängsten der Figuren und sorgt für eine spannende Lektüre. Ich bin auf weitere Bücher des Autors nach diesem Debüt gespannt.

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Wertung: 🐧🐧🐧🐧

Titel: Als das Böse kam

ISBN: 978-3-423-26339-9

https://www.dtv.de/buch/als-das-boese-kam-26339

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