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Reinhard Marheinecke entwickelt die Welt Karl Mays in seinen Romanen weiter, setzt aber auch auf bekannte Handlungsmuster. Wichtig ist dem Autor, dass er sich an klassischen Wildwest-Erzählungen orientiert, dabei aber auch eigene Akzente setzt. Ein elementarer Unterschied zu May ist sein durchaus gut recherchierter Blick auf die indigene Bevölkerung. In seinen Beschreibungen schwingt mehr Respekt mit und die Quellen zu seinen Darstellungen werden am Ende jedes Buches angegeben.
Im Zentrum dieses Romans steht ein Konflikt um den Bau der Eisenbahnlinie, wie dies schon in „Winnetou I“ der Fall gewesen ist. Machtvolle Unternehmer planen, die Eisenbahnlinie entgegen der Verträge durch das Land der Sioux zu bauen, und mit dem ersparten Geld wollen sie den eigenen Reichtum stärken. Zugleich planen sie, dadurch einen ihrer Mitstreiter loszuwerden, sodass der Gewinn mit einer Position weniger geteilt werden muss. Von diesen Plänen erfährt der adlige Freund Old Shatterhands, Sir Emery Bothwell. Old Shatterhand und Winnetou befinden sich zwischenzeitlich in den Jagdgebieten der Sioux und erkennen, dass die Bahnlinie mitten durch die heiligen Berge gebaut werden soll. Die Ureinwohner beabsichtigen, sich diesem Bau entgegenzustellen und das Kriegsbeil auszugraben. In diesem Buch werden verschiedene Handlungsstränge wechselnd erzählt und am Ende zu einem Gesamtkonstrukt zusammengeführt. Bei den Gegnern geht es darum, mit Verrat die eigene Gier zu stillen. Die beiden Blutsbrüder sollen diesen Zielen nicht entgegenstehen, weshalb auf Old Shatterhand ein Kopfgeld ausgesetzt wird. Die Blutsbrüder schaffen es zunächst, einen Angriff auf das Eisenbahnercamp zu verhindern, und gemeinsam mit dem diensthabenden Ingenieur die Streckenführung zu ändern. Als dies jedoch bis zu den Eisenbahnbossen in Washington durchdringt, beauftragen diese gefährliche Revolvermänner mit der Problemlösung. Insgesamt widmet sich dieses Buch intensiv dem Eisenbahnbau und betont die Zerstörung von Lebensräumen sowie die falschen Versprechen, um billig an Land und Arbeitskräfte zu kommen.
„Der Mescalerohäuptling antwortete nicht, sondern kroch bereits zu seinem Iltschi zurück. Deutlicher hätte er mir sein Einverständnis nicht aufzeigen können. Dazu bedurfte es bei uns beiden wie so oft keiner langen Worte und umständlicher Erklärungen.
Marheinecke, Reinhard: Der Eisenbahnbaron, Verlag Reinhard Marheinecke 2021, S.115.
Im Mittelpunkt der Romanreihe stehen natürlich die beiden Blutsbrüder und deren Verhalten wird passend in diesem Zitat beschrieben. Hier wird die bei May angelegte Vertrautheit betont. Old Shatterhand ist meist der strategische Kopf, Winnetou ein nachhaltig überzeugender Redner. Im Gegensatz zum Mayster werden die Figuren jedoch weniger idealisiert, sondern sie offenbaren Zweifel, zeigen emotionale Belastungsregungen, was den Figuren eine andere Lebendigkeit verleiht.
Die Parallelen zu Karl May sind in jedem Pastiche-Roman von Marheinecke klar zu erkennen. Die Abenteuer und so auch dieses sind moralisch strukturiert. Die bekannten Helden verkörpern eine moralische Überlegenheit und sind auch bereit, ihren Kontrahenten bis zum Schluss eine Chance zur Läuterung zu geben. Ähnlich dem Mayster sind in den Romanen Landschaftsbeschreibungen erhalten, die nicht nur Kulisse, sondern auch Resonanzraum der Geschehnisse sind. Die Helden, allen voran Old Shatterhand, haben das Heft des Handelns in der Hand. Zudem wird die Geschichte aus seiner Perspektive erzählt, wobei in diesem Band die auktoriale Perspektive viel Raum erhält. Dies liegt an den verschiedenen Handlungssträngen, die nur mit einer allwissenden Perspektive zusammengeführt werden können. Im Vergleich zu Karl May ist die Sprache Marheineckes knapper und die Handlung meist dichter strukturiert. Letzteres gelingt aber in diesem Roman nicht. Aus meiner Sicht überfordert der Autor seinen Text mit den Quersträngen, und nicht alle erhalten angemessen Raum, sich zu entfalten. Am Ende wird dieser Roman zu oberflächlich zu einem Ende gebracht und hat deshalb beim Lesen nicht immer Spaß gemacht.
Fazit:
Mit diesem Pastiche kann mich Reinhard Marheinecke weniger begeistern. Insgesamt wird zu viel in diesen Roman gepackt, einen Nebenstrang würde ich gänzlich als überflüssig einstufen. Positiv hervorzuheben ist wieder der schöne Schreibstil, der Abenteuergeschichten gerecht wird. Die bekannten Motive werden im Roman verarbeitet, wobei Winnetou eine deutlich untergeordnete Rolle hat, was dem Roman ebenfalls nicht guttut. Es bleibt somit ein weiteres interessantes Abenteuer mit den mir bekannten Kindheitshelden, welches allerdings weniger begeistert als die anderen Romane der Reihe.
Werbung aus Liebe zum Buch
Wertung: 🐧🐧🐧
Titel: Der Eisenbahnbaron
ISBN: 978-3-932053-16-0
