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Aktuell konzentriere ich mich auf meinem Blog auf die Orientabenteuer von Karl May. Allerdings zeigt sich für mich dabei, dass mich die Nordamerika-Abenteuer mehr begeistern, weshalb ich auch in diesem Jahr Besuche der Karl-May-Spiele vorgesehen habe und zumindest den ein oder anderen Pastiche-Band besprechen möchte. Heute stelle ich wieder einmal einen Roman meines Pastiche-Lieblingsautors Reinhard Marheinecke vor. Mit „Der Goldschatz der Badlands“ legt Reinhard Marheinecke einen weiteren Band seiner Karl-May-inspirierten „Roten Reihe“ vor. Der Roman greift erneut Figuren und Motive des Maysters auf, doch Marheinecke bleibt sich treu und entwickelt daraus ein modernes Abenteuer, welches trotzdem eine Hommage ans Original darstellt.
Die Geschichte beginnt zunächst in Radebeul beziehungsweise Leipzig, wo Karl May alias Old Shatterhand von einem Geschwisterpaar aufgesucht wird. Diese befürchten, dass ihr Vater wegen eines vermeintlichen Goldschatzes Opfer eines Verbrechens geworden ist, und möchten nun mit der Hilfe Mays ihrem Verdacht auf den Grund gehen. Old Shatterhand ist bereit zu helfen, und so führt die Suche zunächst zu einem ehemaligen Reisegefährten des Vaters in London. Dort geraten sie sogleich mit einer gefährlichen Verbrecherbande in Kontakt. Es gelingt ihnen jedoch, weitere Hinweise auf einen Goldschatz in den Badlands zu erhalten, weshalb sie nach Nordamerika weiterreisen. Die Reisegruppe gelangt ins Land der Capote-Utes. Dort stoßen Winnetou und das Kleeblatt zu der Reisegruppe. Der Suche nach dem Goldschatz widmen sich jedoch außer unseren Helden weitere Verbrecher.
Dieser Roman greift viele bekannte May-Motive auf, unter anderem die gestückelte Schatzkarte, wie man sie aus „Der Schatz im Silbersee“ kennt. Der Weg über Deutschland und England vermittelt den Eindruck einer tatsächlichen Reise in die Neue Welt und verbindet den vertrauten europäischen Kulturraum mit dem Mythos des amerikanischen Westens. Dies ist das klassische Muster der May-Abenteuerliteratur, wobei mir die Passagen in Europa wenig gefallen. Das Abenteuer in London ist mir persönlich zu langatmig und zugleich ist der Antagonist zu vorhersehbar. Für mich ist die gesamte Handlungskonstruktion schwächer, als ich dies von anderen Marheinecke-Romanen gewohnt bin. Das Zusammentreffen mit Winnetou und dem Kleeblatt ist vollkommen konstruiert und wirkt deshalb nicht gelungen.
„Endlich konnte ich Winnetou richtig begrüßen: ‚So wie ein Verschmachtender nach Wasser lechzt, so sehnte sich meine Seele viele Monde nach dir, mein Bruder!‘
‚Auch Winnetous Herz ist nun voller Freude, seinen Blutsbruder wieder bei sich an seiner Seite zu haben!‘“
Marheinecke, Reinhard: Der Goldschatz der Badlands, Verlag Reinhard Marheinecke 2020, S.110.
An diesem Zitat zeigt sich, dass Marheinecke sich sprachlich sowohl bei May bedient, als auch vom gesamten May-Kosmos wie den Filmen beeinflussen lässt. Marheinecke kennt aber seinen Mayster und fügt dessen Figuren passend in sein Handlungskonzept ein. In diesem Roman fällt mir dies allerdings besonders auf, da ich viele der Figuren als Wiedergänger mir schon bekannter Figuren kenne, wie zum Beispiel das Geschwisterpaar. Marheinecke überrascht mich in dieser Geschichte zu wenig und dies nimmt dem ganzen Roman etwas Fahrt. Ich finde die Gegenspieler zu flach charakterisiert, und so wird dem Kampf Gut gegen Böse auch etwas Spannung genommen. Marheinecke ist stilistisch wieder auf hohem Niveau unterwegs, zudem schafft er es, straffer zu erzählen, als man dies von May kennt. Mit den Badlands wählt er den passenden Handlungsort für seine Geschichte. Zerklüftete Felsformationen und Schluchten passen für eine Schatzjagd. Die beiden Blutsbrüder erhalten wieder eine besondere Bearbeitung und sind bei Marheinecke an vielen Stellen enger verbunden, als man dies aus mancher May-Schilderung kennt. In allen Abenteuern funktioniert die moralische Gegenüberstellung von Gut und Böse, doch in diesem Buch wirkt die Verbrecherbande aus England als zu gut organisiert und der Aufwand scheint in keinem guten Verhältnis zum Ertrag zu stehen. Gelungen sind wieder die eigenen Akzente Marheineckes, der sich den indigenen Stämmen Nordamerikas mit weniger klischeehaften Darstellungen als Karl May nähert.
Fazit:
Mit diesem Pastiche kann mich Reinhard Marheinecke weniger begeistern. Insgesamt wird zu viel in diesen Roman gepackt, einen Nebenstrang würde ich gänzlich als überflüssig einstufen. Positiv hervorzuheben ist wieder der schöne Schreibstil, der Abenteuergeschichten gerecht wird. Die bekannten Motive werden im Roman verarbeitet, wobei Winnetou eine deutlich untergeordnete Rolle hat, was dem Roman ebenfalls nicht guttut. Es bleibt somit ein weiteres interessantes Abenteuer mit den mir bekannten Kindheitshelden, welches allerdings weniger begeistert als die anderen Romane der Reihe.
Ich lese die Pastiche-Abenteuer Reinhard Marheineckes sehr gerne und würde das hier besprochene als geeignet für Einsteiger ansehen. Mir als May-Kenner und Marheinecke-Leser ist dieses Abenteuer jedoch etwas zu schemenhaft und mir fehlen die Überraschungen und Verarbeitungen von May-Stilistiken zu einem Roman mit eigenen Akzenten. Ich lese in dieser Geschichte zu viele mir bekannte Motive und Figurenwiedergänger. Die Sequenzen in Europa hätten eine andere Verarbeitung und Einbindung in die Gesamtstory gebraucht, um mich zu begeistern. Dennoch liegt wieder ein routiniert erzähltes Abenteuer mit den Blutsbrüdern vor, welches ich allen empfehlen kann, die gerne den Weg in den May-Kosmos suchen.
Werbung aus Liebe zum Buch
Wertung: 🐧🐧🐧
Titel: Der Goldschatz der Badlands
ISBN: 978-3-932053-26-4
https://marheinecke-verlag.de/products/der-goldschatz-der-badlands?_pos=2&_sid=bba48a84b&_ss=r
