Marheinecke, Reinhard: Winnetou und der alte Richter

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Heute stelle ich mal wieder einen Roman von Reinhard Marheinecke vor. Seit den 90er Jahren schreibt er neue Abenteuer mit den legendären Figuren aus dem Universum Karl Mays. Ursprünglich Bankkaufmann, hat er sich schnell dem Schreiben gewidmet und ist auch mit seinen Büchern zu den Karl-May-Bühnen einer der versiertesten Experten zum Mayster. Seit 1994 mit seinem Debüt „Die Jagd des Old Shatterhand“ veröffentlicht Marheinecke regelmäßig Romane, und ich kann dem Antiquariat Ekkehard Bartsch gar nicht oft genug danken, dass er mich am Rande eines Besuches der Karl-May-Spiele in Bad Segeberg auf diesen Autor aufmerksam gemacht hat. Heute stelle ich Euch einen aus meiner Sicht ganz besonders tollen Roman vor.

Winnetou und sein Blutsbruder Old Shatterhand reiten durch die Jagdgründe der Shoshonen und verweilen bei dem mit ihnen befreundeten Stamm. Eine Gruppe Weißer sorgt jedoch dafür, dass es Probleme mit den Nahrungsmitteln gibt, als sie ohne Grenzen eine Büffelherde niederschießen. Dieser Vorfall ist Ausgangspunkt weiterer Verbrechen im Jackson Hole County. Raub bis hin zu Mordanschlägen sorgen für Unruhe und erwecken den Anschein, dass die Schwarzfußindianer einen Konflikt mit den Shoshonen suchen. Die beiden Blutsbrüder vermuten hinter den Geschehnissen jedoch eine Verschwörung. Bei ihrer Suche nach der Wahrheit werden sie vom Dicken Jemmy und vom Langen Davy begleitet. Diese haben einen jungen Mann als Gefährten bei sich, der versucht, seine unschuldig im Gefängnis sitzende Mutter zu rehabilitieren. Die Helden stoßen dabei auf einen Richter im Jackson Hole County, dessen Unterstützung nur vordergründig zu sein scheint. Der drohende Krieg der beiden Stämme, der auch vor der weißen Bevölkerung nicht Halt machen wird, ist zu verhindern. Die Spannung ergibt sich aus der Frage, ob dies gelingen wird.

„Ich lag kaum auf meinem Bewacher, da hatten die zwei anderen Kumpane des Rothaarigen ihre Revolver schon zur Hand und legten auf mich an. Da krachten plötzlich von weiter unter mir zwei Schüsse den Berg hinauf. Die beiden Kerle fielen tödlich getroffen zu Boden.“

Marheinecke, Reinhard: Winnetou und der alte Richter, Verlag Reinhard Marheinecke 2020, S.126.

Dieser Roman ist für mich einer der besten aus der Feder von Reinhard Marheinecke. Wir bekommen eine klassische Western-Abenteuerhandlung, die in ihrer Konfliktstruktur spannend angelegt ist. Interessant an den Romanen Marheineckes ist, dass er die Welt des Wilden Westens nicht nur als bloße Kulisse verwendet. In seinen Romanen werden immer Sitten, Gebräuche und die Lebensweise der indigenen Stämme vorgestellt. Hierfür recherchiert Marheinecke ausgiebig und gibt die Quellen an. Dies ist ein Unterschied zu seinem Vorbild. Die traditionellen Heldenfiguren sind fein gearbeitet und atmen in jedem Moment den Geist des Maysters. Das Zitat gibt einen klaren Hinweis, dass unsere beiden Helden noch von jemand anderem unterstützt werden. Mit Old Surehand ist eine meiner Lieblingsfiguren bei diesem Abenteuer mit am Start. Die Figur des Richters als undurchschaubarer Herrscher über das Jackson Hole County ist gut angelegt, verfügt über eine gewisse Tiefe. Er wirkt lange Zeit wie ein aufrichtiger Unterstützer und die Zweifel an seiner Ehrlichkeit sind fester Bestandteil des Spannungsaufbaus. Sprache und Erzähltechnik sind nah an Karl May, die Helden haben einen klaren moralischen Kompass, die Landschaftsbeschreibungen sind malerisch und lassen uns im Kopf reisen. Der spürbare Humor ist dem des Maysters ähnlich. Starke Freundschaftsbande werden vor die Prüfung interkultureller Konflikte gestellt. Es geht in diesen Abenteuergeschichten nicht nur um spannende Action, sondern die Helden ringen um Werte, und genau dies ist elementarer Bestandteil der Welten Karl Mays. Ich schätze an Marheinecke sein Gefühl für Details und wie er die Figuren weiterentwickelt. Für mich ist er der beste Pastiche-Autor und ich freue mich, noch viele weitere seiner Romane auf dem Blog vorzustellen.

Fazit:

Reinhard Marheineckes Pastiche wartet mit einer richtig guten Story auf und ist deshalb einer meiner Lieblingsromane. An diesem Buch erkennt man die Qualität des Autors, der Tonfall der Figuren sitzt und sie werden ganz im Sinne des Maysters weiterentwickelt. Durch seine eigenen Akzente verleiht Marheinecke der bekannten Welt neuen Schwung. Die Atmosphäre des Romans atmet den Geist des Westerngenres und ist deshalb mehr als nur eine Hommage an Karl May. Ich habe dieses Buch mittlerweile schon mehrfach gelesen und denke mir bei der Lektüre immer wieder: Hier könnte sich ein Stoff für die Karl-May-Bühnen verstecken.

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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧🐧

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Titel: Winnetou und der alte Richter

ISBN: 978-3-932053-10-8

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