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Meine Vorliebe für Karl May wurde stark durch die Jugendlektüren meines Vaters geprägt. Dieser hat neben Karl May auch Fritz Steuben und James Fenimore Cooper gelesen. Es ist davon auszugehen, dass May ebenfalls Romane gelesen hat, welche sich dem Wilden Westen widmeten. Belegbeispiel ist eine literarische Verarbeitung von Gabriel Ferrys Roman „Der Waldläufer“. Karl May hat den Abenteuerfortsetzungsroman bewusst umgearbeitet und eigene Ideen in ihm umgesetzt. Zuvor hatte May schon seine Geschichte um „Old Firehand“ veröffentlicht. Mit der Ferry-Bearbeitung führt er seine Leserschaft erstmals ins Apachenland.
Um was geht es:
Der mysteriöse Graf Don Esteban reist mit einer Gruppe Goldgräber durchs Apachenland. Er versucht eine Goldader zu erreichen, die jedoch eigentlich seinem für tot gehaltenen Neffen zusteht. Dieser befindet sich nun ebenfalls in der Gegend und nimmt die Verfolgung auf. Auf diese Weise soll eine frühere Kindesentführung gerächt werden. Neffe Fabian wird von den Waldläufern Bois-Rosé und Pepe Dormillon begleitet. Diese sind ebenfalls in die ehemalige Geschichte verstrickt und begleiten Fabian auch deshalb. Ein Mestize und sein Gefährte, bekannt als „Teufel der Savanne“, wollen mithilfe der Apachen ebenfalls in den Besitz der Goldmine kommen. Unterstützung erhalten Fabian und die Waldläufer durch den Comanchen Falkenauge. Es beginnt eine spannende Verfolgungsjagd.
Mein Leseeindruck:
Bisher habe ich mich bei den Werken Karl Mays vor allem um die bekannten Abenteuer gekümmert, welche die Geschichten der bekannten Blutsbrüder erzählen. Mit diesem Roman setze ich mich intensiv mit dem Schaffen Mays auseinander. Schon in seiner Bearbeitung des Ursprungstoffes von Gabriel Ferry erkennt man stilistische Elemente, die sich in späteren Werken als Merkmal zeigen. Auffallend sind die Figurenverwicklungen, sodass eine Familiengeschichte Ausgang eines Abenteuers ist. Die beiden Waldläuferfiguren kann man durchaus als Vorgänger von anderen Trappern wie zum Beispiel Old Firehand sehen. Ebenso zeigen sich in der Figur des Comanchen Falkenauge edle Charakterzüge, wie sie später bei bestimmten Häuptlingsfiguren zu erkennen sind. Zudem taucht bei ihm die berühmte Silberbüchse auf, und so kann man sicherlich festhalten, dass May hier spätere Merkmale bereits verarbeitet.
Die erzählte Geschichte ist komplex und bietet ein großes Figurenensemble. Für mich ist dieses Ensemble jedoch zu groß und anders als in vielen May-Werken bleiben alle Figuren nur oberflächlich. Die Größe des Ensembles verwirrt, zumal einige der Charaktere ähnlich klingende Namen aufweisen. Der Handlungsverlauf orientiert sich klar an der Vorlage von Ferry, auf mich wirkt die Konstruktion jedoch nicht stringent. Zwar werden alle entscheidenden Stränge gekonnt zusammengeführt, doch bestimmte Nebenstränge fügen sich nie richtig ein, wirken nur, als habe man sie als Verlängerung der Geschichte beigefügt. Durch diese Längen und die Oberflächlichkeit der Figuren sind die Handlungsmotivationen nicht immer nachvollziehbar. Die Schwächen sind durchaus der Verarbeitung und weniger der Vorlage geschuldet. Mir gefällt an diesem Werk, dass ich die Erzähltradition erkennen kann, in welche May sich einreiht. Ähnlichkeiten zu James Fenimore Cooper und seinem Lederstrumpf können nicht verneint werden, auch wenn die Handlung eine ganz andere Region beinhaltet. Zudem gefällt mir die Figur des Fabian.
Fazit:
Karl May ist ein Vielschreiber gewesen, verschiedene Ideen zeigen sich in unterschiedlichen Werken. Mit meiner Zuwendung zu unbekannteren Werken kann ich mich meinem Lieblingsautor mit einem Blick auf das gesamte Werk nähern. Dieser Roman ist vor allem deshalb interessant, weil er den Blick auf Lektüren Karl Mays freigibt. Mit seiner Ferry-Bearbeitung zeigt er, wo er sich andere Ideen und Impulse am Ausgangswerk wünschte. Dies hat dem Roman sicherlich nicht nur gutgetan, wenn man Einordnungen ins Gesamtwerk liest. Trotzdem wird eine Abenteuergeschichte konstruiert, die aus einem menschlichen Schicksal eine Romanhandlung entwickelt.
Autor:Inneninformation
Karl May (geboren 1842 und gestorben 1912) war ein deutscher Schriftsteller und äußerst produktiver Verfasser von Abenteuerromanen. Er ist einer der meistgelesenen deutschen Schriftsteller mit einer weltweiten Auflage von rund 200 Millionen. Bekannt wurde er vor allem mit seinen fiktiven Reiseerzählungen um die Blutsbrüder Old Shatterhand und Winnetou.
Werbung aus Liebe zum Buch
Wertung: 🐧🐧🐧
Titel: Der Waldläufer
ISBN: 978-3-7802-0070-9
https://www.karl-may.de/Buecher/Gesammelte-Werke_Der-Waldl%C3%A4ufer
