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Im März dieses Jahres stehen die Darmstädter Krimitage auf meinem Programm. Ich freue mich, dass ich zum zweiten Mal mit als Moderator tätig sein darf. Einer der Gäste wird in diesem Jahr Ivar Leon Menger sein. Heute möchte ich Euch einen weiteren Roman des Autors auf meinem Blog vorstellen. „Angst“ ist 2023 bei dtv erschienen und bietet einen psychologischen Thriller. Es geht um ein Psychospiel rund um Manipulation, Beobachtung und um die Fragilität menschlicher Wahrnehmungen. Menger ist zuvor als Hörspielautor tätig gewesen, und dies merkt man aus meiner Sicht den Settings und Schreibweisen seiner Bücher positiv an. Der Roman entführt uns in eine Studie über Kontrolle, Schuld und das Gegenspiel zweier Figuren.
„>> Woher … weißt du, wo ich wohne?<<, fragte ich und schleuderte meinen Rucksack in die Ecke.
Menger, Ivar Leon: Angst, dtv Verlag 2023, S.49.
Im Zentrum der Handlung steht Mia, die auch den Roman erzählt. Sie hat ein schönes erstes Date mit Viktor, welches jedoch nicht den Effekt hat, dass der Funke zwischen den beiden überspringt. Er beginnt sich stetig in ihr Leben zu drängen, zumindest ist dies der Eindruck, welcher bei Mia entsteht. Sie ist eine junge Schauspielerin, die bei einem Casting kurz vor der Zusage für eine größere Rolle steht. Sie lebt gemeinsam mit Yvonne und Philipp in einer Wohngemeinschaft. Letzterer ist Medizinstudent und deshalb versetzt in der Wohnung vor Ort, aber ein zuverlässiger Gesprächspartner. Yvonne scheint naiver zu sein, sieht im um Mia werbenden Viktor eine große Liebeschance für diese. Mia kann diese Naivität nicht nachvollziehen. Nachdem sie eine weitere junge Frau kennengelernt hat und mit dieser das Nachtleben erkundet, lernt sie einen weiteren Verehrer kennen. Doch David versetzt sie anschließend, wobei immer wieder Viktor in der Nähe aufzutauchen scheint. Ist es vielleicht möglich, dass dieser versucht, David an einem weiteren Date zu hindern?
„Die Nacht über habe ich kein Auge zugemacht. Welchen Schlüssel hat mir Viktor dann vorbeigebracht? Im Restaurant konnte ich telefonisch niemanden mehr erreichen. Nur den Anrufbeantworter, der die Öffnungszeiten runterratterte. Erst ab neun Uhr morgens ist der Dachgarten zum Frühstück wieder geöffnet. Unruhig habe ich mich im Bett hin und her gewälzt, mein Kopfkissen wie einen Teddybären umklammert und gegrübelt, bis ich wohl gegen vier oder fünf eingeschlafen sein muss.“
Menger, Ivar Leon: Angst, dtv Verlag 2023, S.94.
Mia ist durchgehend von einer klaustrophobischen Szenerie geplagt. Große Teile der Handlung spielen in geschlossenen Räumen und erzeugen aus diesem Grund ein höheres Bedrohungsszenario. Gekonnt wird seitens Menger mit Zuschreibungen von gut und böse gespielt. Immer wieder durchbrechen den Text Zweifel an den bösen Absichten von Viktor. Die subjektive Erzählweise unterstützt dies und spielt damit auch mit der Einschätzung einer verlässlichen Erzählstimme. Immer wieder gibt es Rückblenden, die auf mögliche in der Vergangenheit zugrunde liegende Motive verweisen und unterstützen, dass wir es mit einem Stalkingtäter zu tun haben. Allerdings ist es schwer möglich, klare Beweise gegen Viktor ins Feld zu führen. Menger setzt bei seinem Spannungsaufbau auf kleine Irritationen, scheinbar nebensächliche Beobachtungen und subtile Verhaltensweisen der Figuren. Aussagen bekommen im Nachhinein eine andere Bedeutung, oftmals durch eine Interpretation von Mia geprägt. Wir werden deshalb gezwungen, uns beim Lesen angeeignete Annahmen stetig zu hinterfragen. In dieser Ausgestaltung erinnert mich der Roman an die Bücher von Melanie Raabe. Viktor wirkt nur in der Sichtweise Mias wie ein berechnender Mensch, andere Menschen wie Yvonne reagieren anders, nur Philipp scheint die Befürchtungen ernst zu nehmen. Die Schilderungen von Zusammentreffen zeigen Viktor aber auch als einen sensiblen Menschen. Mia ist eine selbstbewusste junge Frau, hat Ziele im Leben und möchte ihr Leben ohne Angst führen. Es entsteht im weiteren Verlauf ein Katz-und-Maus-Spiel: Wer sagt die Wahrheit, wer weiß etwas sicher über den anderen, oder versucht nur der jeweils andere, dem anderen etwas zu unterstellen? Die titelgebende Angst ist der Antreiber dieses Buches, in welchem wir gezeigt bekommen, wie Angst als Machtmittel eingesetzt werden kann.
Fazit:
Bei diesem Roman kann man aufgrund des spannenden Spiels und immer wieder angedeuteter Wendepunkte nicht zu viel von der Handlung verraten, sonst würde man der Leserschaft Spannung nehmen. Der pointierte Satzbau erhöht den Druck, beim Lesen seine Beobachtungsgabe zu stärken und auf die einzelnen Hinweise entsprechend zu reagieren. Menger beherrscht es, die Zügel seiner Geschichte stetig in der Hand zu halten und uns zugleich ins Ungewisse zu führen. Es entsteht ein beklemmendes Kammerspiel, welches in die Psyche der Figuren eindringt. Durch die immer wieder auftauchenden Irritationen und die Erzählperspektive sind wir etwas näher bei Mia, doch eine Sicherheit kommt nie auf, zumal unklar ist, in welche Richtung die Handlungen Viktors noch kippen können. Ein spannender Thriller, der an manchen Stellen die Angst noch besser mit Bedrohungsszenarien verknüpfen könnte.
Werbung aus Liebe zum Buch
Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧
Titel: Angst
ISBN: 978-3-423-26361-0
