Menger, Ivar Leon: Finster

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Am 13. März 2026 wird es bei den Darmstädter Krimitagen einen Abend mit zwei Lokalhelden geben. Neben dem Darmstädter Krimiautor Michael Kibler wird an diesem Abend auch Ivar Leon Menger zu Gast sein. Menger ist ebenfalls Darmstädter und war lange Zeit neben seiner Arbeit als Grafikdesigner als Autor von Hörspielserien aktiv. Als Grafikdesigner entdeckte er auch seine Liebe zum Film, die seine Romane durchaus prägt. Bei den Darmstädter Krimitagen wird er seinen neuen Roman „Der Tower“ vorstellen, heute stelle ich Euch seinen letzten Roman „Finster“, erschienen 2024 im dtv Verlag, vor.

Finster spielt im Mai 1986 im fiktiven Dorf Katzenbrunn im Odenwald. Das Dorf liegt abgeschieden von der Rhein-Main-Region und muss mit einer schwindenden Bevölkerung leben. Hinzu kommt, dass immer wieder Jugendliche verschwinden und sich zudem eine psychiatrische Heilanstalt im Ort befindet. Nun ist wieder ein Junge von einer örtlichen Kerbveranstaltung verschwunden. Der pensionierte Kriminalkommissar Hans Stahl war bereits in der Vergangenheit vor Ort und hatte in den vorherigen Fällen erfolglos ermittelt. Der/Die von der Presse „Greifer“ genannte geheimnisvolle Täter:In scheint indessen wieder zugeschlagen zu haben und hat Stahl nie zur Ruhe kommen lassen. Jetzt wittert er die Chance, den Fall erneut lösen zu können, und kehrt deshalb nach Katzenbrunn zurück. Schon in der Vergangenheit hat er die Dorfgemeinschaft als mysteriös empfunden, doch wen kann er wirklich zu den Verdächtigen zählen?

„Unvorstellbar, dass in Katzenbrunn noch Familien mit Kindern leben könnten. Nicht nach den schrecklichen Erlebnissen der letzten Jahre. Wer danach nicht weggezogen war, hatte den Ernst der Lage nicht erkannt oder kein Geld.“

Menger, Ivar Leon: Finster, dtv Verlag 2024, S.22.

Das Setting des Romans spielt eine zentrale Rolle. Katzenbrunn liegt abgelegen im Odenwald, der Wald umrahmt das Dorf. In den Wald hinein ist eine psychiatrische Heilanstalt gebaut worden. Zudem wurde das Dorf von vielen seiner Bewohner:Innen verlassen und dies gibt dem Ort eine unheimliche, fast schaurige Atmosphäre. Ivar Leon Menger schafft es, dies unglaublich gut zu beschreiben, sodass ich das karge und von alten Häusern und leeren Ladengeschäften geprägte Dorf förmlich vor Augen habe. Die 80er Jahre werden durch Musik, Süßwaren dieser Zeit und den immer wieder auftauchenden Bezug zur Tschernobyl-Katastrophe lebendig. Katzenbrunn ist ein stiller Mikrokosmos, der von Schweigen, aber auch gegenseitigem Misstrauen geprägt ist. Es ist schwierig, diese Dorfgemeinschaft zu durchbrechen, und deshalb ist die Anzahl der Verdächtigen hoch. Besonderes Merkmal des Buches ist seine multiperspektivische Erzählweise. In kurzen Kapiteln erzählen neben dem Kommissar verschiedene Figuren des Dorfes aus der Ich-Perspektive die Geschichte. Durch diese Technik erreicht Menger zwei Effekte. Einerseits erhält man dadurch Einblick in verschiedene Charaktere. Es ist dabei nie klar, ob es sich um Personen handelt, die möglicherweise in den Kriminalfall verwickelt sein könnten. Die Perspektiven vermitteln unterschiedliche Eindrücke der Dorfgemeinschaft und machen schlussendlich fast jeden verdächtig. Zugleich gibt es immer wieder kurze private Einblicke. Eine solche Stilistik ist durchaus herausfordernd für die Leserschaft, aber Menger gelingt es, diese mit einem flüssigen Schreibstil zu erleichtern. Dadurch erleben wir den Umgang mit Misstrauen untereinander aus erster Hand und es entsteht eine intensive und spannende Lektüre. Nicht zuletzt die Spannung steigert sich durch diese Stilistik. Ständig werden auf diesem Wege neue Details und Hinweise vermittelt, die auch für  Wendepunkte sorgen. Richtig begeistert haben mich Perspektiven, in welchen sich Wandlungen der Charaktere andeuten. So sieht man verschiedene Charaktere in unterschiedlichen Kapiteln aus einem ganz anderen Blickwinkel. Das soziokulturelle Netz der Dorfgemeinschaft offenbart Widersprüche und Geheimnisse. Schweigen über teilweise bekannte Hinweise ist ein Motor dieser Geschichte und sorgt für eine besondere Schwere der Taten. Menger spiegelt menschliche Abgründe in der isolierten Welt eines kleinen Dorfes im Odenwald. Für mich ist dies der bisher beste Roman des Darmstädter Autors.

Fazit:

Dieser atmosphärisch dichte Krimi ist ein Psychothriller, der mich fesseln konnte. Aufgrund seiner Erzählstruktur ist man immer nah an den Ereignissen und beginnt gemeinsam mit dem pensionierten Kommissar, an der Lösung des Falls zu arbeiten. Der Roman lebt von seinem Setting und braucht deshalb weniger Action. Die subtile und konzentrierte Erzählung erzeugt einen Sog. Das Thema des Romans und bestimmte Verdachtsmomente sind nichts für eine zartbesaitete Leserschaft, in Brutalität ergeht sich dieser Roman aber nie. Ich kann diesen Thriller nicht nur für Kenner des Odenwalds empfehlen und freue mich auf die Krimitage mit Ivar Leon Menger.

Werbung aus Liebe zum Buch

Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧

Titel: Finster

ISBN: 978-3-423-22081-1

https://www.dtv.de/buch/finster-22081

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