#bücherliebe #leseliebe #buchblogger #kulturblog #bookstagram #tommichell #sfischerverlag #derpinguinmeineslebens
Für mich spielen Pinguine in meinem Leben eine besondere Rolle und wurden deshalb auch die Symbole für meine Bewertungskriterien. Für das Jahr 2026 ist einer meiner Vorsätze für den Blog, dass Pinguine wieder eine größere Rolle spielen sollen. Mein Ziel ist deshalb nun jeden Monat ein Buch mit Pinguinbezug vorzustellen. Das heute vorzustellende Buch darf auf meinem Blog deshalb nicht fehlen, zumal ich es mehrfach geschenkt bekommen habe. Das Buch „Der Pinguin meines Lebens“ auf Deutsch im Jahr 2016 beim S.Fischer Verlag erschienen, ist jedoch mehr als die Geschichte einer Tierbegegnung. Vielmehr erzählt uns Tom Michell seine autobiographische Lebensgeschichte, die vieles über einen jungen Englischlehrer verrät, der ein persönliches Abenteuer in Argentinien sucht. Mittlerweile ist der erfolgreiche Bestseller sogar verfilmt worden.
„Juan Salvado besaß den Charme eines altklugen Kindes, aber anders als bei altklugen Kindern ließ sein Charme nicht nach, kein bisschen.“
Michell, Tom: Der Pinguin meines Lebens, S. Fischer Verlag 2020, S.100.
Mit diesen Worten beschreibt Michell den Pinguin, welchem er den Namen Juan Salvado gegeben hat. Diesen Pinguin hat der junge Engländer in den 70er Jahren bei einem Trip nach Südamerika verschmutzt aufgefunden. Michell machte Urlaub an der Küste Uruguays bevor er eine neue Lehrerstelle an einer Privatschule in Argentinien antreten würde. Bei einem Spaziergang entdeckt er an der ölverschmutzten Küste eine hohe Anzahl an gestorbenen Pinguinen. Inmitten dieser tierischen Katastrophe entdeckt er einen Pinguin der noch am Leben ist. Er reinigt den Pinguin, versucht ihn zu füttern und anschließend zu animieren, sich wieder in das offene Meer zu begeben. Doch der Pinguin weicht Michell nicht mehr von der Seite und dies ist der Beginn einer ungewöhnlichen Beziehung. Tom Michell entschließt sich den Pinguin zu behalten. Zunächst muss er die Herausforderung meistern den Pinguin über die Grenze zu bringen. Die Unterbringung im Internat ist ebenfalls nicht ganz einfach, denn Tiere sind eigentlich dort nicht zu halten. Juan Salvado erobert jedoch die Herzen der dort lebenden Menschen im Eiltempo. Die Putzfrau erfreut sich schnell am neuen Bewohner und auch ein Kollege schätzt den neuen Gefährten. Juan Salvado fungiert nämlich nicht nur als putziges Tierchen, welches man gerne streichelt, sondern es werden Gespräche mit ihm geführt.
„Diesen Eindruck ungeteilter Aufmerksamkeit vermittelte Juan Salvado durch die Art und Weise, wie er seinen Kopf neigte und einem abwechselnd je ein Auge und ein Ohr zuwandte. Seine Besucher konnten sich auf seine Diskretion und seinen bedingungslosen Zuspruch verlassen.“
Michell, Tom: Der Pinguin meines Lebens, S. Fischer Verlag 2020, S.127.
Mit diesem Zitat deutet sich an, welche Funktion der Pinguin im Internat einnehmen wird. Zugleich ist an diesem Zitat vieles der Stilistik des Buches ablesbar. Michells Schreibstil umfasst feine Beobachtungen, weshalb man der ungewöhnlichen Beziehung gut folgen kann und nah am Tier dran ist. Mir geht es so, dass ich das Gefühl habe durch die bildhafte Sprache selbst an der Fütterung oder Waschaktion des Pinguins beteiligt zu sein. Sein Schreibstil wechselt gekonnt zwischen Humor und ernsten Aussagen. Für Michell ergibt sich durch den Pinguin zudem die Möglichkeit ihn in die pädagogische Betreuung der Jungen im Internat einzubinden. Als die Schüler entdecken, dass ihr Lehrer einen Pinguin zur Pflege hat, avanciert dieser zum Star. Die Anwesenheit des Pinguins beruhigt aufgewühlte Klassen und er schafft es einem schüchternen Schüler aufzuzeigen, was es heißt Verantwortung zu übernehmen. Der Pinguin hat die Gabe Menschen verschiedener sozialer Schichten zusammenzubringen. Dadurch ist das Tier ein Gegenpol zu den politischen Hintergründen jener Zeit. Argentinien ist zu dieser Zeit von politischen Wirren geprägt, die wirtschaftliche Krise lässt die soziale Ungleichheit zunehmen. Außerdem ist die Freiheit der Menschen eingeschränkt und bietet Michell somit einen krassen Gegensatz zu seiner bekannten und Freiheit geprägten westlichen Welt.
„Wie kam es, dass ein Pinguin den Menschen, deren Leben er berührte, so viel Geborgenheit und innere Ruhe geben konnte?“
Michell, Tom: Der Pinguin meines Lebens, S. Fischer Verlag 2020, S.204.
Dieses letzte Zitat stellt die entscheidende Frage im Nachgang zu den Erlebnissen und ist doch zugleich eine Scheinfrage, denn die Antworten hat das Buch bereits gegeben. Juan Salvado übernimmt Symbolfunktionen. Die Schüler stammen aus unterschiedlichen Verhältnissen, ihre Eltern haben unterschiedliche gesellschaftliche Positionen. Der Pinguin nivelliert diese Unterschiede mit seiner Anwesenheit, denn er behandelt alle gleich und verlangt von der Schülerschaft gemeinschaftliches Kümmern. Die Schüler erkennen, dass sie gemeinsam mehr erreichen können und dem Pinguin gelingt es sogar die verschiedenen Stärken sichtbar zu machen. Für andere Figuren ist er als Zuhörer wichtig, denn er ist verschwiegen, bietet die Möglichkeit in einem Gespräch ohne Gegenrede die Gedanken kreisen zu lassen. Für Tom Michell selbst hat der Pinguin eine besondere Funktion. Michells Leben befindet sich in einem Zustand der Orientierungslosigkeit. Die Entscheidung für Argentinien war zugleich eine Flucht ins Abenteuer. Während Juan Salvado bei ihm ist, lehrt er ihm Ruhe und gibt eine gewisse Stabilität. Michell übernimmt Verantwortung für ein Wesen, das bei ihm lebt und beginnt sein Leben zu reflektieren. Der Pinguin ist somit in diesem Buch nicht nur gerettet worden, sondern ist selbst in heilender Mission unterwegs. Der Einfluss auf Michell beginnt schon mit der Rettungsaktion, erstmals zeigt Michell Empathie, wohingegen ihm die politischen Hintergründe Südamerikas kalt lassen. Erst Juan Salvado lässt seinen Blick wieder weg von der eigenen Person führen und so ist das Buch ebenfalls eine Entwicklungsgeschichte.
Fazit:
Tom Michell hat einen leichtfüßigen Bericht geschrieben, der eine gelungene Mischung aus Reisebericht und autobiographischer Erzählung darstellt. Für mich ist dieses Buch eines, welches viel Wärme und Witz ausstrahlt und uns eine charmante Tiergeschichte bietet. Da ich ein großer Pinguinfan bin war die Lektüre noch einmal etwas ganz Besonderes. Es ist bemerkenswert wie eine solch ungewöhnliche Beziehung fast märchenhaft anmutende Auswirkungen auf das soziale Umfeld hat. Ich kann die Lektüre des Buches, auch nach Schauen des Films nur wärmstens empfehlen. Die heutige Buchbesprechung ist jedenfalls ein schöner Pinguin-Start ins Jahr 2026.
Werbung aus Liebe zum Buch
Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧🐧
Titel: Der Pinguin meines Lebens
ISBN: 978-3-596-71288-5
https://www.fischerverlage.de/buch/tom-michell-der-pinguin-meines-lebens-9783596712885
