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In diesem Monat steht meine Lieblingsband „Die Toten Hosen“ im Fokus, denn ich präsentiere die letzten erschienenen Alben der Band, die mit diesen fester Teil meiner Musiksozialisation geworden sind. In diesem Monat werde ich das Konzert der Toten Hosen in Frankfurt besuchen. Es handelt sich um die Tournee zu ihrem letzten Album, und so ist mein Besuch durchaus mit etwas Wehmut verbunden. Es gibt keine Band, deren Musik ich öfter gehört oder von der ich mehr Alben gekauft habe. Auch live habe ich die Jungs um Campino mehrfach gesehen. Sie haben mit ihrer Musik mein Leben lange Jahre begleitet und auch auf meine Vorliebe für deutschen Punk/Rock einen großen Einfluss gehabt. Aufgrund meiner Beziehung zu dieser Band stelle ich sie in diesem Monat in den Mittelpunkt und bespreche mehrere Alben.
Am 4. Mai 2012 erschien das fünfzehnte Studioalbum „Ballast der Republik“. Das Album wurde anlässlich des 30-jährigen Bandjubiläums veröffentlicht und markierte den kommerziellen Höhepunkt der Bandkarriere. Es erreichte Platz 1 der deutschen Charts und brachte mit „Tage wie diese“ einen der erfolgreichsten deutschsprachigen Songs hervor. Der Titel „Ballast der Republik“ ist ein Wortspiel mit dem ehemaligen ostdeutschen Parlamentsgebäude „Palast der Republik“. Bereits dieser Titel macht deutlich, dass das Album stärker politisch und gesellschaftlich ausgerichtet ist. Punkrock trifft auf Alternative und Stadionhymnen, wobei der raue Sound manches Vorgängerwerks in den Hintergrund tritt. Produziert wurde das Album wie der Vorgänger „In aller Stille“ von Vincent Sorg. Viele Texte wirken an eigenen Erfahrungen ausgerichtet oder reflektieren die gesellschaftliche Entwicklung Deutschlands seit dem Zweiten Weltkrieg.
Der kurze Opener „Drei Kreuze“ beginnt feierlich, erinnert fast an kirchliche Töne und steigt dann doch mit Power ein. Für mich bildet dieses Lied den passenden Eröffnungsrahmen für ein außergewöhnliches Album. Der Titelsong „Ballast der Republik“ ist dann schon zu Albenbeginn ein Highlight. Der Song ist politisch engagiert und zugleich ein geschichtlicher Abriss der Bundesrepublik. Textlich werden die verschiedenen historischen Belastungen unseres Landes und zugleich die Hoffnung machenden Gegenbewegungen geschildert. Ich finde dies textlich hervorragend gemacht und dazu wurde ein eingängiger Punkrock gewählt, weshalb dieses Lied zu einem meiner liebsten „Hosen-Lieder“ geworden ist. Der bekannteste Song des Albums ist sicherlich „Tage wie diese“. Es ist eine perfekt komponierte Stadionhymne mit einem eingängigen Refrain. Der Song feiert das Besondere im Leben, und würdigt einzelne Augenblicke, die vor allem durch Gemeinschaft getragen sind. Ich habe bei diesem Lied verschiedene Momente im Kopf, Momente des eigenen Lebens, aber auch welche der Geschichte, und auch dies ist eine Stärke dieses Albums, dass verschiedene Erfahrungen sich in Songs zu einem Erlebnis verbinden. Melancholisch und doch mit etwas Ironie kommt „Traurig einen Sommer lang“ daher. Campino besingt Gefühle und nutzt hierfür Verlusterfahrungen der Popkultur. Es geht um den Verlust musikalischer Idole, und damit offenbart sich, wie wichtig Popkultur mittlerweile in unserem Leben geworden ist. Nostalgisch und mit kämpferischer Motivation kommt „Altes Fieber“ daher. In diesem Song verhandelt die Band auch das eigene Älterwerden. Es geht um Erinnerungen an die gemeinsame Geschichte und dass diese Erinnerungen zugleich zu einem Triebmotor für Kommendes werden können. Die Balance zwischen Wehmut und Lebensfreude macht den Song hörenswert. Mit Humor geht es in „Zwei Drittel Liebe“ weiter, denn hier werden Beziehungen geschildert, die teils skurrile Kompromisse erfordern. Mich lässt dieses Lied wegen seiner eingängigen Melodie und dem simpel daherkommenden Text nicht los. Politisch deutlich wird die Band im Lied „Europa“ und setzt damit in der Eurokrise ein bewusstes Zeichen für die Vorzüge Europas. Mit hohem Tempo fordert „Reiß dich los“ sowohl im Klang als auch im Text Befreiung und Aufbruch. „Drei Worte“ widmet sich in einer Ballade wieder den Gefühlswelten, wobei dieses Lied bei mir zu den schwächeren Momenten des Albums gehört. „Schade, wie kann das passieren?“ ist wieder voller Ironie und ist wieder ein typisches Lied für die Band. Es geht um vermeintliche Fehlentwicklungen, welche man vielleicht auch der Band zuschreiben kann oder der eigenen Erfahrungswelt. Die Botschaft bleibt aber, dass man sich auch nicht verbiegen soll. Emotionales Highlight des Albums ist „Draußen vor der Tür“, in welchem sich Campino den letzten Erinnerungen und Begegnungen mit seinem verstorbenen Vater widmet. Mich bewegt dieses Lied bei jedem Hören, denn es macht mir deutlich, wie wichtig familiäre Momente sind und dass man all diese auskosten sollte.
Der Song „Das ist der Moment“ ist eine weitere Hymne und für mich ein Lied voller Vorfreude, denn ich spüre förmlich, wie beim Hören Energie durch meinen Körper strömt. Live fand ich dieses Lied ebenfalls besonders. „Ein guter Tag zum Fliegen“ ist eingängig, arbeitet textlich mit wenig Tiefe und unterhält dabei. Eine Überraschung des Albums ist das Lied „Oberhausen“, in dem eine unglückliche Liebesbeziehung beschrieben wird, und zugleich kann man das Lied metaphorisch mit der Stadt im Ruhrgebiet verbinden. Diese Gegend in Deutschland ist von vielen Umbrüchen geprägt, glänzt nicht immer mit Schönheit und ist doch eine Herzkammer unserer Republik. In „Alles hat seinen Grund“ wird es wieder lyrischer. Ambivalenzen und Widersprüche, sowie Gemeinsamkeiten durchziehen diesen Song und beantworten doch nie die Frage nach dem Grund dieser Zweisamkeiten. Mit „Vogelfrei“ wird das Album wieder mit Punk beschlossen.
Mit diesem Album hat die Band noch mehr den Mainstream erobert. Textlich wurde dabei gemeinsam mit dem Rapper Marteria gearbeitet, und diese Offenheit für andere Künstler und auch Jüngere ist sicherlich ebenfalls ein Erfolgsgeheimnis. Für mich wird in diesem Album sichtbar, dass die Band den Punk britischer Tradition feiert und zugleich bereit ist, mit ihrer Musik eine breite Masse zu erreichen.
Fazit:
Dieses Album war besonders erfolgreich, und dies liegt aus meiner Sicht daran, dass es in seiner Vielseitigkeit verschiedene Highlights setzt. Zu nennen sind hier der textlich starke Titelsong, der auch nie seine Aktualität verlieren wird, oder die beiden starken Hymnen „Tage wie diese“ oder „Das ist der Moment“. Hinzu kommen berührende Songs wie „Draußen vor der Tür“ oder andere Lieder, die Ironie oder den Punkrock betonen. Das Erfolgsgeheimnis liegt in dieser Vielseitigkeit. Ich weiß nicht, wie viele Lieder ich jederzeit mitsingen kann, aber dies unterstreicht, wie oft ich Lieder gehört habe und dass sie eingängig waren oder sich mit eigenen Erfahrungen verknüpft haben. Dieses Album mit all seinen Songs ist ein tolles Hörerlebnis.
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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧🐧
