Musikkritik: Album „Kraniche“ von Bosse

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In diesem Jahr spielen viele Konzerte bei meiner Musikauswahl für den Blog eine Rolle. Einige dieser Künstler:Innen haben mich schon vor Jahren mit ihrer Musik begeistert und mit einem ihrer Alben einen festen Platz in meinem Favoriten-CD-Regal gefunden. Einer dieser Künstler ist Bosse, den ich live in der Stadthalle in Offenbach mit seinem neuen Album erleben durfte. Natürlich wurden aber auch erfolgreiche Songs der Vergangenheit gespielt. Axel Bosse ist ein deutscher Singer-Songwriter, der sich seit den 2000er-Jahren im Spannungsfeld zwischen Indie, Pop und Songwriter-Rock etabliert hat. Seine Musik zeichnet sich durch persönliche Texte, klare Melodien und eine Nähe zum Alltag aus. Das Album „Kraniche“ erschien 2013 und hat mir diesen Künstler sehr nahegebracht. Es erwartet uns ein offener, warmer Popsound. Das Album liefert eingängige Melodien, direkte Sprache und einen Hang zu emotionalen, teilweise nostalgischen Motiven.

Der Titelsong „Kraniche“ gibt das inhaltliche Programm und den Sound des Albums vor. Inhaltlich geht es um Aufbruch und das Finden der eigenen Identität. Die Musik schafft eine fast hymnische Atmosphäre und sorgt für eine positive Stimmung. „Vier Leben“ thematisiert den Druck, alles gleichzeitig erreichen zu wollen. Der Song verbindet treibenden Pop-Rhythmus mit einem reflektierenden Text über Überforderungen in unserer Welt. Das Lied „Istanbul“ ist eine Liebeserklärung an diese Stadt und eines der ersten Album-Highlights. Der Sound hat durchaus orientalischen Einfluss und macht dieses Lied live und auf dem Album zu einem Genuss. Der düstere Song „Alter Affe Angst“ behandelt wiederkehrende Angst, der man am liebsten tänzerisch begegnen würde, und stützt mit seinem Sound dies auch. Düster heißt bei ihm textlich intensiver, psychologischer, aber nicht zwingend musikalisch düsterer. „Brillant“ ist ein optimistischer Popsong, bei dem mir allerdings Überraschungseffekte fehlen. Mich hat allerdings der Anfang des Songs gecatcht. Das Lied „Familienfest“ kommt vom Sound fröhlich daher, behandelt textlich aber auch Herausforderungen des Familienlebens und verdeckte Narben der Vergangenheit. Verschwinden können letztere jedoch nie und auch nicht von einer Feier im Grünen vertrieben werden.

Das Lied „Müßiggang“ setzt auf Erholung und mehr Ruhe im Leben. Es geht darum, aus dem leistungsbetonten Leben auszusteigen und Signale des eigenen Körpers zum Schutz wahrzunehmen. Pausen sind in diesem Lied die Möglichkeit, danach mit neuer Energie besser durchs Leben zu gehen. Der ruhige Sound stützt das transportierte Gefühl. Der Track „Sophie“ ist in seiner Textstruktur direkt und berichtet von einer Bekanntschaft, die durch Lügen auffällt. Aus meiner Sicht soll dieses Lied eine Ambivalenz zwischen Anziehungskraft und abstoßender Gefühlswelt ausdrücken und auch Schein und Sein thematisieren. Dies geht für mich jedoch nicht gänzlich auf. Dagegen bietet das Album für mich Highlights wie den Song „Schönste Zeit“. Dieses Lied ist aus meiner Sicht einer der schönsten deutschen Popsongs, dem es gelingt, eine wunderbare nostalgisch-melancholische Stimmung hervorzurufen. Immer wieder tauchen optimistische Zeilen auf und genau dieser Struktur passt sich auch der Sound an. Ein eingängiges und zum Tanzen einladendes Lied ist „So oder so“. Hier sorgen die ersten Töne bei mir dafür, dass ich einen Bewegungsdrang verspüre. Dieser leicht lässige Sound macht Bosse für mich zu einem besonderen Künstler. „Vive la Danse“ hat eine ähnliche Wirkung,  ist aber deutlich poetischer und schafft Bilder, die schnell in meinen Kopf steigen. Der Hintergrundchorus sorgt für die richtige Stimmung zwischen Melancholie und Optimismus. In all diesen Liedern zeigt sich ein durchaus typischer Bosse-Sound, der dann doch beim näheren Hinhören doch facettenreicher ist als gedacht.

Fazit:

„Kraniche“ ist ein reifes, zugängliches und atmosphärisch dichtes Popalbum, das Axel Bosse endgültig im deutschen Mainstream etabliert hat. Die Stärke des Albums liegt in seinem Sound zwischen Melancholie und Optimismus, der eingängig ins Ohr geht. „Schönste Zeit“ ist einer meiner Favoritensongs aller Zeiten und grundsätzlich weiß ich nicht, wie oft mir „So oder so“ die Laune gebessert hat. Bosse hat ein tolles Talent, für bestimmte Stimmungen zu sorgen, und ist live einfach ein Künstler, der viel Spaß macht. Deshalb ist dieses Album ein besonderes in meiner Musiksozialisation und für die Begeisterung für Deutschen Pop. Sicherlich gelingt es Axel Bosse nicht immer, der Gefahr des Kitsch auszuweichen, doch bei diesem Album stört mich das nicht und ich höre es immer wieder gerne.

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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧🐧

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