Musikkritik: Album „Laune der Natur“ von Die Toten Hosen

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Ich nähere mich bei meinem Blick auf die „Toten Hosen“ und ihre letzten Alben zunehmend ihrem neuesten und letzten Werk. Doch bevor ich auf dieses blicke, gilt es noch einen Blick auf das vorherige Album „Laune der Natur“ zu werfen, welches als 16. Studio-Album 2017 erschienen ist. Musikalisch bewegt sich das Album erneut zwischen Punkrock, Deutschrock und melodischem Stadionrock. Die Texte sind eine intensive Auseinandersetzung mit Vergangenheit, Verlust und Veränderungen des Lebens. Ich bin ehrlich, wenn ich zugebe, dass dieses Album einen Moment gebraucht hat, um mein musikalisches Herz zu erobern. Mittlerweile steht es bei mir in einer Qualitätslinie mit den anderen Alben.

Der Opener „Urknall“ eröffnet mit viel Power und erinnert an die Anfänge der Band. Symbolisch kann man den Titel als explosiven Auftakt für all das sehen, was anschließend kommt. Der folgende Track „Alles mit nach Hause“ lässt mehr Raum für Mitsingen und ist ein Stadionrocksong. Textlich geht es darum wie viele Erinnerungen und Eindrücke man aus Erlebnissen mitnimmt und das diese einen auch weiterhin prägen. Zugleich ist es ein nostalgischen Lied, dass auch persönliche Erlebnisse beinhaltet und Erinnerungen wertvoll erscheinen lässt. 

Mit „Wannsee“ beinhaltet dieses Album eines meiner absoluten Lieblingslieder, da ich den integrierten Reggaeton und das Wortspiel schätze. Die Sehnsucht nach einem Ort kann ich persönlich mit vielen Lieblingsorten verbinden.

Mit diesem Gefühl geht es für mich weiter beim Song „Unter den Wolken“, der ein Freiheitsgefühl thematisiert, welches von mancher dunkler Wolke getrübt wird. Zugleich erinnert es an Kämpfe die gesellschaftlich schon geführt wurden. Gekonnt wird dadurch Hoffnung erzeugt und mit einer melodischen Musik verbunden. Für mich ein weiteres Albumhighlight.

Das Lied “ Pop und Politik“ verknüpft das kämpferische und thematisiert den Hang Dinge zu versimpeln und geht zugleich auch ironisch auf Kritik an der Band ein. Auf die Frage „Wer will schon eure Lieder?“ kann ich als Hosen-Fan zumindest laut mit „Ich“ antworten. Die Ambivalenz des Lieds überzeugt textlich. Der Titelsong „Laune der Natur“ ist für mich ein gutes Beispiel, warum dieses Album beim Hören gewinnt. Zunächst hat das Lied nicht gleich Zugang zu mir gefunden. Es geht um die Verbindung von uns als Menschen zur Natur und blickt ironisch auf uns als „Hochkultur“, die zugleich zerstörerisch ihre Ressourcen behandelt. Der Sound betont die Ironie und hat mich dann mit dem Text für sich gewinnen können. Der Track „Energie“ fällt für mich etwas ab. Ich kann es textlich und vom Klang nicht greifen. Besser klappt dies dann wieder mit der Ballade „Alles passiert“. Mit Klavier, zurückhaltenden Gitarren und emotionalem Gesang schafft die Band eine Atmosphäre für den Blick nach vorne, um einen Verlust oder ein Ende einer Phase im Leben zu verkraften. Für mich erneut der Beweis, dass diese Band starke Balladen kann. Der Song „Die Schöne und das Biest“ spielt mit Märchenmotiven und versucht diese auf aktuelle Beziehungen anzuwenden. Der Song integriert Popelemente und hat deshalb einen speziellen Sound. Dunkler wird es im Lied „Eine Handvoll Erde“, welches sich der eigenen Sterblichkeit stellt. Das Lied ist durchaus mutig in seiner ernsten und traurigen Art, ist aber keiner der stärksten Momente. Mein Albumhighlight ist der Song „Wie viele Jahre (Hasta La Muerte)“, bei dem Freundschaft gefeiert und Loyalität als Anker thematisiert wird. Hier entsteht wieder ein hymnischer Charakter und in seiner Gesamtkomposition macht dieses Lied bei mir gute Laune. Ironisch geht es im Song „ICE nach Düsseldorf“, welcher das Album auflockert und zugleich der Heimatstadt der Band wieder einen Song widmet. Im Lied „Geisterhaus“ wird das Gebäude zum Erinnerungsraum und zugleich zum Symbol für Trennung und Verlust. Mir gefällt die Metaphorik des Lieds und seine melodische Balance. „Lass los“ stellt den Songnamen aus und behandelt die Schwierigkeit sich vom Alten loszusagen. 

Wie ernst dieses Album ist macht der letzte Track deutlich. „Kein Grund zur Traurigkeit“ wurde vom verstorbenen Wolfgang Rohde geschrieben und gesungen. Er war von 1986 bis 1999 Schlagzeuger der Band und verstarb 2016. 

An diesem Album kann man sicherlich das Rebellische vergangener Platten vermissen, doch ich schätze die ernsthaften Texte. Die Texte wirken reifer und reflektierter als auf vielen früheren Veröffentlichungen. Die musikalischen Einflüsse reichen von klassischem britischem Punk über amerikanischen Heartland-Rock bis hin zu modernem Alternative Rock. Deutlich wird für mich mit diesem Album auch, dass die Band sich intensiv mit dem eigenen Älterwerden auseinandersetzt. 

Fazit:

„Laune der Natur“ ist eines der reifsten und persönlichsten Alben von den Toten Hosen. Mich begeistert wie lyrisch mancher Text daherkommt und wie gekonnt Symbole gefunden werden, die sofort für sich sprechend sind. Musikalisch bewegt sich das Album sicher innerhalb des etablierten Hosen-Sounds, bietet aber genügend starke Melodien und emotionale Momente, um nachhaltig zu wirken. Das Album wagt wenig Risiko, doch wenn es dies angeht, dann entstehen solche Perlen wie „Wannsee“. Das Album überzeugt durch seine Geschlossenheit, seine Ehrlichkeit und seine thematische Tiefe.

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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧

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