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Im vergangenen Jahr haben viele Bands, die ich schätze, ihre Tourdaten bekannt gegeben und ich habe fleißig zugegriffen. Es sind Bands dabei, die mich schon lange begleiten, und darunter ist mit Kraftklub eine Band, die ich noch nie live gesehen habe. Am 26. und 27. März tritt die Band auf ihrer Tour „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ in der Festhalle in Frankfurt auf und ich habe ein Ticket ergattert.
Breitere Aufmerksamkeit erhielt die Gruppe 2012 durch ihren Auftritt beim Bundesvision Song Contest, bei dem sie mit „Ich will nicht nach Berlin“ den dritten Platz belegte. Kurz darauf erschien ihr Debütalbum „Mit K“, das sich unmittelbar in den oberen Regionen der deutschen Charts platzierte. Genau mit diesem Album ist die Band auf meinem Radar aufgetaucht. Ich habe damals noch studiert und fand, dass diese Musik Ausdruck vieler Gedanken war, die durch meinen Kopf geisterten. Für mich war diese Musik damals ein oft gehörter Begleiter, weswegen diese Platte eines meiner Lieblingsalben geworden ist.
Die Chemnitzer Band besteht aus Sänger Felix Brummer, Gitarrist Karl Schumann, Bassist Till Brummer, Schlagzeuger Max Marschk und Keyboarder Steffen Israel.
„Mit K“ ist von Elementen des Indierock und Punk durchzogen, integriert aber auch Rap. Die Musik ist cool, in ihren Texten direkt und spielt gekonnt mit Ironie. Der Opener „Eure Mädchen“ fungiert fast wie ein metaphorisches Motto. Mit trockenem Beat und provokantem Text wird sofort klar, dass Kraftklub mit Erwartungen spielt. Sie zerlegen das Männlichkeitsbild von Rock-Combos mit frecher Ironie. Passend hierzu ist das Lied „Zu jung“ zu nennen, welches auch einem Gefühl meiner Studienzeit den passenden Text gegeben hat. Bei meiner wissenschaftlichen Beschäftigung mit Popkultur habe ich immer wieder darüber nachdenken müssen, dass vieles heute vor allem Retroelemente verarbeitet und Innovation immer schwieriger wird. Zugleich ist es wieder ironisch gemeint und eine Gegenantwort auf all diejenigen, welche nachfolgenden Generationen die Qualität ihrer Vorgängergenerationen absprechen. Selbstbewusst tritt die Band für ein neues Verständnis des Rockstarlebens ein.
„Ich will nicht nach Berlin“ ist ein Song, den ich aufgrund eines ersten Berlinaufenthalts und des Strebens vieler Menschen in die deutsche Hauptstadt gefühlt habe. Ich bin selbst aus einem kleinen Ort im Rhein-Main-Gebiet und viele aus meinen Studiengängen spekulierten mit einem späteren Lebensmittelpunkt in Berlin. Für mich kam dies alles nicht infrage, und all das, was mich an der Begeisterung für Berlin störte, packt die Band ironisch in ihren Text. Einer der besten Songs meiner bisherigen Musikerfahrungen ist für mich „Songs für Liam“. Hinter diesem ironischen Titel verbirgt sich eine Metapher für den Glauben an die Korrektur einer Beziehung. Es geht um einen Blick auf die eigene, oftmals nostalgisch verklärte Vergangenheit, die aber auch tiefe Freundschaften und erste Lieben gebracht hat. Der Sound hat mehr Popelemente und gefällt mir auch deshalb unglaublich gut. Die Band zeigt sich mit ihrem Album auch als eine ostdeutsche Band und widmet unter anderem der Heimatstadt mit „Karl-Marx-Stadt“ einen eigenen Song. Die Punkelemente des Albums sind am besten im Lied „Scheissindiedisko“ sichtbar. Sprachspielerisch und humorvoll kippt dieser Song immer wieder ins Schräge. Die Band arbeitet gekonnt mit Übertreibungen und popkulturellen Anspielungen. Die Struktur der Songs ist klassisch mit Strophe, Refrain und Hook und sorgt deshalb für eingängige Hits. Das Debütalbum hat die Band auf die musikalische Landkarte gesetzt, nachfolgende Veröffentlichungen waren textlich ernster, insgesamt weniger verspielt.
Fazit:
Dieses Album hat mich in einer Lebensphase begeistert und mir schon unzählige schöne Hörmomente beschert. Ich bin mehr als froh, dass ich diese Band nun erstmals live sehen werde. Die folgenden Alben haben mir allesamt gefallen, aber an dieses grandiose Album kam keines mehr heran. Ich schätze die Ironie der Texte und den Soundmix aus Pop und Indierock. Das im Album präsentierte Selbstbewusstsein der Band ist nicht nur frech und mutig, sondern angesichts dieser tollen Platte auch berechtigt. Sicherlich ist das Album verspielt und manchmal oberflächlich, aber gerade weil nicht alles mit Innovation überladen ist, kann dieses Album Lebensgefühle gut aufnehmen. Von mir eine Empfehlung, diese Band zu hören.
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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧🐧
