Musikkritik: Album „Morgen sind wir Fantasy“ von Pauls Jets

#kulturblog #musiclove #popmusik #paulsjets #morgensindwirfantasy

Meine Beschäftigung mit neuer Musik ist entscheidend durch die Musikzeitschriften „Musikexpress“ und „Rolling Stone“ geprägt. Ich freue mich dabei besonders über deutschsprachige Interpreten. Schon immer hatte ich einen Faible für deutsche Pop-, sowie Rock- und Punkmusik. Diese Vorliebe habe ich mir bis heute behalten und habe mich über den Musiktipp des neuen Albums der Band „Paul Jets“ aus Österreich gefreut. Die Band wurde Ende der 2010er Jahre gegründet und bewegt sich mit ihrer Musik zwischen Indie-Pop oder Austro-Pop und Neo-Neue-Deutsche-Welle. Auf ihrem vierten Studioalbum „Morgen sind wir Fantasy“ verarbeitet die Band persönliche und gesellschaftliche Krisen mit ironischem Augenzwinkern und bittersüßer Melancholie. 


Gepaart wird dies mit ineinander schmerzenden musikalischen Stilrichtungen, weshalb ich dieses Album keinem Stil zuordnen möchte. Die Band nimmt sogar Anleihen im Hip-Hop. Die aktuelle Besetzung der Band umfasst Sänger Paul Buschnegg, die Bassistin und Sängerin Romy Jakovcic und Keyboarder Kilian Hanappi. Neu auf diesem Album sind Retro-Synthesizer, die mit den elektronischen Tönen den  Sound modern und zugleich nostalgisch an die 90er erinnernd klingen lassen. Über alle Songs hinweg ist die stimmliche Präsenz von Buschnegg ein zentraler Aspekt. Er schafft es mit seiner Stimme, nicht nur Kraft in die Lieder zu transportieren, sondern ebenfalls Verletzlichkeit und Tiefgang. Der Sound der Songs dient immer wieder dazu, dass der  Klang die erzählende Haltung des Albums stützt.

Mit dem Opener „Pompeji“ wird schnell deutlich, dass sich diese Band auch mit der Gegenwart auseinandersetzt. Das Lied thematisiert die grassierenden Untergangsszenarien und setzt mit seinem romantischen, tänzelnden Sound einen Gegensatz. Damit markiert die Band auch die Faszination solcher Szenarien und gibt damit eine passende Kommentierung zu unserer Flut von diesen, die sich auch in der Popkultur widerspiegelt. „Kiss me in the morning“ ist ein  Song, den ich nur schwer aus meinem Kopf bekomme. Der Refrain ist eingängig, der Text hat wenig Tiefe, ist trotzdem in seinem Ausdruck melodisch. Mit viel Metaphorik kommt der Song „Erdmaus“ daher, der gekonnt zwischen Melancholie und skurrilen Einfällen changiert. Ironie wird in diesem Song erstmals spürbar und ist in weiteren Liedern des Albums ein Identitätsmerkmal. Im Lied „Harry Potter“ nutzt die Band eine bekannte popkulturelle Figur als Projektionsfläche für die Beschreibung von Außenseitertum. Tiefe erhält der Text, da er auch die Gefahren einer narzisstischen Selbstwahrnehmung schildert. Mit dem letzten Track „Blau“ beschließt die Band ihr Album ruhig und nachdenklich.

Fazit:

Insgesamt hat mir meine Lektüre von Musikzeitschriften wieder eine unbekannte Band geliefert, deren Sound mir zugesagt hat. Es handelt sich hierbei nicht um ein in den Charts triumphierendes Pop-Album, sondern um ein konzeptionell starkes Album. Die österreichische Band Pauls Jets beweist mit dieser Zusammenstellung, dass man Texte mit emotionalem Tiefgang in eingängige Melodien packen kann. Die Musik ist vielfältig, verarbeitet unterschiedliche Einflüsse und ist damit ein tolles Gesamtwerk der Popmusik.

Werbung aus Liebe zur Musik

Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert