#kulturblog #musiclove #deutschpop #nahdran #steinerundmadlaina
Musik hat in meinem Leben in den letzten Jahren eine immer stärkere Rolle eingenommen. Ich habe begonnen, mich für neue Musik zu interessieren, und habe angefangen, mich durch Musikjournalisten für gewisse Qualitätsaspekte von Musik begeistern zu lassen. Ich bin überrascht, wie sich dadurch mein Geschmack erweitert hat und welche tollen Künstler:Innen ich mittlerweile entdeckt habe. Dazu zählt auch das Duo „Steiner und Madlaina“, die für mich mit ihrem Song „Wenn du mir glaubst“ einen der schönsten Popsongs der letzten Jahre geschrieben haben. Leider war es mir bisher immer nicht vergönnt, die beiden live zu sehen, aber sicherlich bietet die Zukunft hier irgendwann noch eine Gelegenheit. Heute möchte ich zunächst ihr neues Album „Nah dran“ vorstellen. Die beiden Schweizerinnen Nora Steiner und Madlaina Pollina sind schon seit längerer Zeit zusammen unterwegs und machen wunderbaren „Indie-Pop“, der auch Gesellschaftsbezüge beinhaltet. Ihre Musikkarriere haben die beiden konsequent angegangen, begannen mit kleineren Clubshows und sind mit ihrer Fanbase stetig gewachsen. „Nah dran“ ist bereits ihr viertes Album. Das Duo hat keine großen Radio-Hits vorzuweisen, glänzt für mich mit tollen Instrumentalklängen und einer poetischen Sprache. Arrangements aus Jazz, leichte orchestrale Momente und Bläser-Parts zeugen von einer hohen Vielfalt und sind zugleich Anzeichen dafür, dass seitens des Duos viel Arbeit in den harmonischen Klang investiert wird. Das Vorgängeralbum war allerdings etwas rockiger und hat mir persönlich ein wenig besser gefallen. Inhaltlich widmet sich das Album verschiedenen Aspekten unseres Lebens, seien es gesellschaftliche Beobachtungen oder Beziehungsaspekte.
Der Auftakt „Da bist du“ ist eine Einladung in die folgenden Tracks und gehört für mich schon zu den stärksten Songs. Man fühlt sich tatsächlich angesprochen und bekommt ein Gefühl für die Tiefe von Freundschaftsbeziehungen. Die Gitarrenklänge erinnern mich sogleich an den mir bekannten Sound des Duos. „Du kannst nicht gut allein sein“ setzt das Thema Beziehungen fort, geht aber auf die Sehnsucht nach Zweisamkeit ein und darauf, wie diese belasten kann. Sicherlich entdeckt man hier romantische Vorstellungen, und doch scheint Ironie an der ein oder anderen Stelle durch. Ich schätze dies an der Band. Stimmlich zeigt sich in diesem Lied, dass beide markante und doch miteinander harmonierende Gesangsstimmen besitzen. Der Beat von „Woran liegt’s?“ gefällt mir ausgezeichnet. Ein nachdenklicher Text, der aber mit seinen Beobachtungen nicht zu stark herausfordert, wird mit einer eingängigen Popmelodie kombiniert. Mehr Gesellschaftskritik wagen die beiden im Lied „Mama, ich bin ein reicher Mann“, wo wir ein tolles Violinenspiel erleben und dann hören, welche Erwartungen in der Gesellschaft weiterhin Tradition haben. Einer meiner liebsten Tracks schließt sich mit „Leon“ an. Hier merkt man den Folkeinfluss und vor allem wird die charakteristische Ironie hier in den Fokus genommen.
Steiner und Madlaina wagen auf diesem Album das Experiment, mit Schwyzerdütsch zu arbeiten, was ich persönlich nicht unbedingt gebraucht hätte. Es passt aber zu diesem abwechslungsreichen Album, welches verschiedene Instrumente und zwei tolle Stimmen bietet. Nora Steiner hat die tiefere Stimme, übernimmt oft die erzählenden Passagen. Madlaina Pollina ergänzt dies mit ihrer höheren Stimme. Ihre Texte arbeiten mit Ironie und Poesie, und sie sind damit für mich ein fester Part der deutschsprachigen Popmusik.
Fazit:
Erneut können mich Steiner und Madlaina mit ihrer Musik abholen. Insgesamt gefällt mir das Album nicht ganz so gut wie der Vorgänger. Trotzdem ist diese ruhige und doch intensive Musik eine, die mir gut gefällt. Stimmlich sind die beiden Musikerinnen große Klasse, beherrschen die weichen und härteren Töne. Man hat im gesamten Album den Eindruck, dass die Band sich über jeden Ton, jedes Arrangement lange Gedanken gemacht hat, denn es passt wirklich vieles optimal zusammen. Das Album verbindet Pop mit orchestralen Elementen und poetischen Texten. Dabei verliert das Schweizer Duo nie den Bezug zum Alltag, wird nicht zu philosophisch, sondern liefert sogar noch eingängige Refrains. Wer gute deutsche und ästhetisch durchdachte Popmusik mag, muss sich dieses Duo anhören.
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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧
