Musikkritik: Album „Orange“ von 01099

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Ich bin immer wieder auf Festivals zugegen und schaue mir dort bewusst mir unbekannte Künstler an. Im Jahr 2022 hatte ich mich entschieden, wegen der Band Annenmaykantereit einen Tag das MS Dockville Festival in Hamburg zu besuchen, und erlebte dort eine Rapgruppe, die mir bis dato gänzlich unbekannt war. Vor einer großen „Durstlöscher“-Verpackung performte die Dresdner Raptruppe ihren gleichnamigen Hit und blieb mir im Gedächtnis. Zwei Jahre später performten die Jungs dann nochmals auf dem Darmstädter Schlossgrabenfest und sind mir aufgrund dieser beiden Erfahrungen ein Begriff. Mit ihrem lockeren Mix aus Melancholie und Alltagsbeobachtungen, inklusive Ironie, stehen sie für einen Rap, der sich von provokanten Klischees dieses Genres bewusst distanziert. Ihr neues Album „Orange“ fügt sich darin gut ein. Die Rapper stammen aus der Dresdner Neustadt und deren Postleitzahl stand Pate für den Bandnamen. Bekannt wurden die Jungs durch virale Singles wie „Frisch“, die auf TikTok große Erfolge brachten. Mit ihrer bewussten Abkehr von sexistischen oder aggressiven Inhalten fallen sie in meinen deutschsprachigen Rapgeschmack. Auch auf dem neuen Album geht es melodisch zu und dabei schwingt die Atmosphäre immer zwischen Sommervibes und einer melancholischen Erinnerung.

Mit den aufgebotenen Gaststars zeigt das Album, dass die Band sich im Business einen gewissen Namen gemacht hat. Der Auftaktsong „So heiß“ wird gemeinsam mit CRO performt und ruft sofort die Bilder von schönen Sommernächten in Erinnerung. Mehr Tempo nimmt der Song „Halbtrocken“ auf, der mit seinem treibenden Beat die Lines beschleunigt. Ruhiger blickt die Gruppe in „Was ich in die Lieder steck“ auf vergangene Beziehungen und ihre Verarbeitung von Erfahrungen in Songs zurück. In meinem Lieblingslied performt die Gruppe gemeinsam mit Ikkimel „Nachtschicht“. Dieser Track ist die perfekte Begleitung für einen geplanten Abend in der Disco und erinnert mich an Momente der eigenen Jugend, würde sicherlich aber auch heute noch die ein oder andere Party aufpeppen. Der Sommer wird dann in „25 Grad“ wieder aufgegriffen, sodass man dieses Album getrost als eines für die nun anstehenden wärmeren Monate bezeichnen kann. Das gesamte Album beschäftigt sich textlich mit Freundschaft, einem Lebensgefühl der Freiheit und dem Entdecken von städtischer Kultur in Sommernächten. Es geht darum, das Hier und Jetzt zu feiern und sich nicht im Nachdenken zu verlieren, und dies ist wirklich über das Album hinweg gut miteinander kombiniert. Die Band schafft es immer, die Balance zwischen Leichtigkeit und der Reflexion von Zeit, Veränderung und Erwachsenwerden hinzubekommen, und trifft damit sicherlich den Nerv einer jüngeren Zielgruppe. Ich nutze die Musik dann mehr zum Schwelgen in Erinnerungen.

Fazit:

Sicherlich ist dieses Album kein Highlight der deutschsprachigen Musikgeschichte, aber es ist guter melodischer Deutschrap mit authentischen Texten. Besonders überzeugt mich die Leichtigkeit und das transportierte Lebensgefühl, sodass ich beim Hören dieser Musik immer schnell gute Laune bekomme. Rap und Pop gehen hier ineinander über und deshalb bleibt diese Band im Ohr und damit auf meiner Musikwunschliste.

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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧

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