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1998 veröffentlichte die Punkband „Die Ärzte“ ihren heute von ihnen selbst eher verachteten Song „Männer sind Schweine“ und eroberten die deutschen Charts. Dadurch kamen sie auch auf meinen zehnjährigen Horizont. Mein Vater reagierte sehr schnell und gab mir das Album „Planet Punk“, vielleicht auch in dem Wissen, dass der gerade erschienene Chartsong nicht typisch für die Band war. Ich hielt es damals auf jeden Fall für äußerst cool, dass mein Vater ein Album dieser Band in seinem CD-Schrank hatte. Die Ärzte sind neben den „Toten Hosen“ die prägende Punkband in Deutschland und zählen seit meinem Erstkontakt mit ihnen zu meinen Lieblingsbands. Gegründet wurde die Band 1982 und sie besteht aus den Mitgliedern Farin Urlaub an Gesang und Gitarre, Bela B. am Schlagzeug und Gesang und seit 1993 aus Rod Gonzalez am Bass und am Gesang. Schon in den Achtzigern wurden sie mit provokanten, ironischen und gesellschaftskritischen Texten bekannt. Ihr 1993 erschienener Song „Schrei nach Liebe“ ist zu einer Hymne gegen Rechts geworden und für mich einer der wichtigsten Protestsongs unseres Landes. Die Band scheut zudem nicht davor zurück, Genregrenzen zu durchbrechen.
Ihr 1995 erschienenes sechstes Studioalbum „Planet Punk“ ist zwei Jahre nach ihrem erfolgreichen Comebackalbum „Die Bestie in Menschengestalt“ erschienen und gilt bis heute als eines der besten Alben. Mit diesem Album haben sie ihre Position in der bundesdeutschen Chartspitze gefestigt. Auf dieser CD finden sich die schnellen Tempi des Punk mit kurzen Songs und schnörkellosen Gitarrenriffs. Gegenüber anderen Punkbands setzt sich die Band mit ihrer Melodik ab. Prägend für die Band ist dabei der Humor gegenüber sich selbst. Schon zum Start des Albums bezeichnen sie sich als „die beste Band der Welt, bei aller Bescheidenheit“. Der Auftakt mit „Super Drei“ knallt direkt ins Ohr, die Selbstironie mit Augenzwinkern bereitet ein Terrain für ein flottes Album. Mit ihrem Lied „Schunder-Song“ wird die Band sogleich sozialkritisch und widmet sich dem Thema Mobbing. Mit einem sarkastischen Unterton vertauschen sie die Rollen zwischen Täter:In und Opfer. Dadurch wird ein ernstes Thema mit Humor behandelt, ohne ihm die Schrecken zu nehmen. Eines meiner Lieblingslieder dieses Albums ist auf jeden Fall „Hurra“. Dieses Lied ist eine Satire auf den Blick nach Ostdeutschland. Die Wiedervereinigung hat mit dem Narrativ der blühenden Landschaften gearbeitet, die Realität war jedoch eine ganz andere. Die Ironie des Songs entlarvt das nicht eingetretene Bild und ist zugleich ein Hinweis auf Fehler im Prozess. Damals habe ich dieses Lied sicherlich nicht so wahrgenommen, sondern die Ironie nicht erkannt und mich vor allem an der positiven Stimmung und der schwungvollen Melodie erfreut. Ein kurzes Intermezzo ist das Lied „Mein Freund Michael“, in welchem ein nicht sinnvoller Text sich mit dem im Kreis fahrenden Michael Schumacher auseinandersetzt. Mit dem Song „Der Misanthrop“ zeigt sich die Bandbreite von Album und Band. Textlich wird sich der Abneigung gegen andere Menschen gewidmet und nutzt bitteren Humor, um der Ablehnung gesellschaftlicher Standards Raum zu geben, eine typische Punknummer. Die Lieder „Vermissen Baby“ oder „Nazareth“ zeigen, dass die Band nicht nur Punk machen, sondern auch Popeinflüsse verarbeiten kann, und dies ist bis heute eines der Erfolgsrezepte der Band. „Red mit mir“ ist für mich ein weiteres Highlight, wo sich auch Balladenelemente zeigen. Einen schwachen Song kann ich auf diesem Album eigentlich nicht ausmachen. Ich finde es toll, dass diese Band es immer wieder schafft, zwischen Humor und klaren gesellschaftskritischen Haltungsaussagen die passende Balance zu finden.
Fazit:
„Planet Punk“ ist für mich ein wunderbares Album. Ich weiß nicht, wie oft ich dieses Album bis heute gehört habe, aber ich kann sicherlich jeden Song auswendig. Die Punkband wurde mit diesem Album eine meiner Lieblingsbands, Punkmusik für mich zugleich zu einem wichtigen Genre. Punk wird von der Band „Die Ärzte“ nicht nur spielerisch erweitert, sondern stetig reflektiert. Das Tempo des Albums sorgt bei mir immer wieder für fröhliche Stimmung. Der freche Humor, der sich ab dem Auftakt durch alle Songs zieht, macht mir Freude, und ich zähle dieses Album zu einem der besten der Bandgeschichte. Der „Schunder-Song“ und „Hurra“ zählen zudem zu meinen Lieblingssongs. Ich bin jedenfalls froh, dass dieses Album meinen Musikgeschmack nachhaltig geprägt hat.
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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧🐧
