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In diesem Jahr werden für mich wieder einige Konzerte anstehen und auch Festivalbesuche sind vorgesehen. Fester Bestandteil meines musikalischen Jahres ist seit einigen Jahren das Darmstädter Schlossgrabenfest. Für das Jahr 2026 hat das Schlossgrabenfest bisher zwei Headliner bekanntgegeben, diese sind Jan Delay und Zartmann. Letzterer ist ein deutscher Sänger, Rapper und Songwriter aus Berlin, der sich im letzten Jahr zu einem der erfolgreichsten Acts hierzulande entwickelt hat. Seine Musik ist sicherlich vielen Jüngeren ein Begriff. Ich versuche ebenfalls mich immer wieder mit neuer Musik auseinanderzusetzen und bin gleichermaßen froh auf Zartmann gestoßen zu sein. Ich habe ihn allerdings wahrgenommen, als er bei einem Ed Sheeran Konzert in Stuttgart aufgetreten ist. Im April des vergangenen Jahres hat er dann die EP „Schönhauser“ mit acht Tracks veröffentlicht. Auf Anhieb gelang ihm der Sprung auf Platz 1 der Album-Charts. Der Titel bezieht sich auf die Schönhauser Allee, die als Symbol für die Dynamik des städtischen Lebens fungiert. Das Album präsentiert textlich verschiedene Gefühl und widmet sich ebenfalls den Veränderungen des Lebens.
Der Opener „Wann schreib ich einen Song über dich“ ist ein Nachdenken über die Entstehung von Liedern. Zartmann überrascht immer wieder textlich und vereinigt pointierte Aussagen mit Bildern, die zunächst nicht verwandt wirken, aber beim zweiten Blick äußerst intensiv sind. Das Album durchzieht eine Mischung aus Pop- und Rapelementen. Gerade diesen Mix habe ich im vergangenen Jahr als spannend kennengelernt. Mit dem lange Zeit vorherrschenden Aggro-Rap konnte ich zumindest nicht viel anfangen. Bester Track des Albums und sein bekanntestes Lied ist „Tau mich auf“. Es hat Ohrwurm-Charakter, da es einen melodisch sofort mitnimmt. Textlich wandelt der Song zwischen intensiver Beziehung und notwendiger Distanz. Die Metapher des Auftauens ist die emotionale Befreiung durch eine/n Partner:In. Dieser Song zeigt auf, dass melodischer Klang und textliche Tiefe ein Erfolgsrezept sein können. Das Titellied „Schönhauser“ gemeinsam mit Gustav von 01099 ist eine Hymne an einen Sommer voller nächtlicher Spaziergänge und der Sehnsucht nach einem WIR-Gefühl. Jedoch sind diese Momentfokussierung einem runden Song nicht zuträglich. „Für immer?“ ist voller Melancholie und zeigt die Dynamik zwischenmenschlicher Beziehungen. Im Song „Wunderschön“ wählt Zartmann pointierte Worte, betont Emotionen und zeigt für mich vor allem die Stärke seiner Stimme. Sein kratzig und doch gehaucht wirkendes „Wunderschön“ ist für mich der Ausdruck einer unverwechselbaren Stimme. Zartmann hat tolle Partner für sein erstes Album gefunden und drückt seine künstlerische Vielseitigkeit darin aus, dass er auch mit Max Raabe zusammen einen Song performt. „Lass es gehen“ verknüpft Popsound mit der eindringlichen und durchaus klassischen Raabe-Stimme. Verspielt endet das Album mit „Dein Dudenkstsoschön“, wobei hier die Wirkung des Textes weniger klar ist.
Fazit:
Zartmann ist durchaus ein Popereignis, seine Lyrics haben eine intensive Wirkung, reflektieren für sein junges Alter viele Aspekte. Diese Musik beweist, dass man eingängige Melodien mit starken Texten zu einem Erfolgsrezept machen kann. Ich habe mittlerweile weitere nicht auf dem Album enthaltene Lieder kennengelernt und diese steigern meine Vorfreude auf das Pfingstwochenende. Ich bin mir sicher, dass der Auftritt auf dem Schlossgrabenfest ein persönliches Highlight werden kann. Die Atmosphäre mit herzlichen und melancholischen Texten sorgt für ein rundes Album. Ich denke, dass Zartmann mit seiner Musik den Ton einer jungen Generation trifft.
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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧
