Musikkritik: Album „Stabile Poesie“ von Bosse

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Die Musik von Axel „Aki“ Bosse höre ich bereits seit einigen Jahren, doch erst 2026 habe ich erstmals ein Solokonzert des Künstlers mit seiner Band besucht. Während Corona hatte ich ihn bereits bei einer gemeinsamen Tour mit Thees Uhlmann und Marcus Wiebusch auf der Bühne erlebt. In diesem Jahr ist die Tour nach dem neuesten Album „Stabile Poesie“ benannt. Die Musik ist typisch für die von Bosse geprägte Stilistik, er schreibt zugängliche Songs, in denen er Alltagsbeobachtungen verarbeitet, Emotionen des Lebens nachspürt und dies meist mit einem flotten Sound verknüpft, zu dem man tanzen kann. Mittlerweile sind bereits zehn Alben erschienen. Bosse erfindet sich mit seinem neuesten Werk nicht neu, sondern zeigt nur in  mancher Nuance seine  musikalische Entwicklung. Warmer Sound mit Streichern und Piano wird zu eingängigen Melodien, die sich Texten über Nähe, Hoffnung aber auch gesellschaftlichen Zusammenhalt anpassen.

Insgesamt hat das neueste Album zwölf Songs zu bieten. Mit „Ouvertüre“ ist ein Song dabei, dessen Klangwelt stilbildend für das gesamte Album ist. Meine beiden Lieblingssongs des Albums sind allerdings „Flackern und  „Peu à Peu“. „Flackern“ integriert elektronische Elemente und ist ein tanzbarer Song. Liebe ist hier ein belebendes Element, erzeugt Leidenschaft und Freude und wenn man mich fragt, was ich mit Bosse verbinde, dann würde dies auf einige Lieder seines Werks zutreffen. „Peu à Peu“ berichtet von persönlichen Entwicklungen, die in kleinen Schritten erfolgen und hat einen ähnlich flotten und damit positiv wirkenden Sound. Politisch wird es im Song „Lass dich nicht ficken“, in welchem sich Bosse gegen Hass und digitale Gewalt richtet. Das Lied setzt diesen Entwicklungen im Netz aber keine Wut, sondern Mut entgegen. Gegenüber vorherigen Alben ist Bosse hier deutlicher in seiner Botschaft. Mir fällt allerdings an diesem Album ebenfalls auf, dass viele ruhige Töne integriert werden. Für mich schwächt dies das Album gegenüber jenen der Vergangenheit, denn „Bosse“ ist für mich ein „Gute-Laune-Künstler“. Textlich gehen diese zudem nicht immer in die Tiefe, gleichen manchmal einem Kalenderspruch. Ich richte mich damit keinesfalls gegen niedrigschwellige Popmusik, aber es passt nicht immer gut zusammen. Schön sind die Chansons-Passagen des Albums. Der Song „Nokia“ wirft einen nostalgischen Rückblick auf unser Leben vor der digitalen Dauerverfügbarkeit. Mich spricht dieser Song durchaus an, aber er kann mich in seiner Gesamtkomposition nicht abholen. Insgesamt sehe ich deshalb ein gutes Album, dass aber in seiner Zusammenstellung kleinere Schwächen aufweist. Live funktioniert die Musik ziemlich gut, was aber auch am dynamischen Auftreten des Künstlers liegt. Besonders hervorheben möchte ich an diesem Album, dass Bosse weniger nur aus eigener persönlicher Erfahrung Songs herausbildet, sondern mit dieser CD bewusst gesellschaftlich reflektiert.

Fazit:

Bosse zeigt auf seinem neuen Album seine musikalische Entwicklung, setzt aber erneut auf Authentizität und bewahrt damit seine Stärke. Bosses Musik ist immer eine für Momente der guten Laune. Dem Künstler gelingt es auch nostalgische und nachdenkliche Texte mit einem positiv klingenden Sound zu versehen. Sicherlich sind die gewählten Bilder nicht immer durch Tiefe geprägt, doch genau dies ist das Erfolgsgeheimnis. Nicht jede Komposition des Albums wirkt in sich schlüssig, doch insgesamt ist es eine unterhaltsame und gute CD. Für mich ist der Titel des Albums passend, denn die Lieder setzen auf Stabilität und sind doch an anderen Stellen poetisch nachdenklich. Mir gefällt, dass Bosse auf dieser Platte Texte mit gesellschaftlicher Relevanz im Angebot hat und deshalb ist diese CD für alle Fans von deutschem Pop zu empfehlen.

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Wertung: 🐧🐧🐧🐧

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