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Ich war lange Zeit niemand, der sich intensiv mit Musik beschäftigt hat. Mein Vater hat mich mit seinem Musikgeschmack sicherlich nachhaltig geprägt, doch irgendwann habe ich begonnen, mich mit Freunden auszutauschen, und habe selbst Alben entdeckt. In diesem Jahr möchte ich auf meinem Blog neben neuer Musik noch Alben vorstellen, die mich nachhaltig beeindruckt haben. Kurz gesagt: Ich möchte einmal im Monat eine der Platten meines Lebens vorstellen.
Beginnen möchte ich mit einem Künstler, der mir ein wunderbares Livekonzert geboten hat. Im Jahr 2014 habe ich mich mit einem meiner besten Freunde auf den Weg zum Hessentag nach Bensheim gemacht. Zu sehen gab es Thees Uhlmann, jahrelangen Sänger der Band Tomte und ab 2011 solo unterwegs. Sein Solodebütalbum möchte ich heute vorstellen, denn es ist eines meiner absoluten Lieblingsalben.
Thees Uhlmann hat das Label Grand Hotel van Cleef mitgegründet und ist mit diesem ein fester Bestandteil der deutschen Musikszene. Sein erstes Soloalbum bewegt sich zwischen Indierock und klassischem Songwriter-Pop. Die Texte haben einen stark erzählerischen Charakter und haben mich mit diesem gut abgeholt. Die Akustikgitarre ist fester Soundbestandteil und es entsteht ein Mix aus eingängiger Melodie mit lyrischen Texten.
Das Album umfasst elf Songs und startet mit „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“, einem der Highlights des Albums. Anhand der Metapher der Lachse behandelt der Text die Suche nach Heimat und das Gefühl, zu Hause zu sein. Dabei muss man sich nicht immer in die Richtung des Stromes bewegen. Weiteres Highlight des Albums ist der Song „& Jay-Z singt uns ein Lied“ feat. Casper. Eine ungewöhnliche Kombination aus Rap und Songwriting. Caspers raue Stimme erhält eine eigene Strophe und der Song feiert die Popmusik und ihre Musik auf ihre Zuhörer:Innen. Der lyrischste Text ist aus meiner Sicht „17 Worte“. Der Song ist zwar kurz, blickt aber pointiert darauf, was man mit wenigen Worten ausdrücken kann. Musikalisch lebhafter ist hier auf jeden Fall der Track „Sommer in der Stadt“. Immer wieder läuft der Song auf diese titelgebenden Worte als Clou zu. Die Stimmung des Sommers ist eine, die trotz des hektischen Lebens unserer Zeit positive Wirkung entfaltet. „Römer am Ende Roms“ erinnert an eine Rockästhetik, wie man sie von amerikanischen Songwritern, ähnlich Bruce Springsteen, kennt. Rockigere Töne werden mit einem lyrischen Text gemischt. Thees Uhlmann macht aus seiner politischen Meinung kein Hehl, wobei man seinen Blick auf Gerechtigkeitslücken in diesem Album noch nicht zu deutlich spürt. Dies macht sein Debütalbum für mich nur, als es eine Alltagsbeobachtung verarbeitet und die Begegnung mit dem „Mädchen an Kasse 2“ in einem Lied schildert. Mehr Sozialstudien wird Uhlmann in weiteren Alben liefern, auf die ich ebenfalls auf diesem Blog eingehen werde. „Lat: 53.7 Lon: 9.11667“ ist ein kryptischer Titel, der aber an den ersten Track des Albums anschließt. Hier werden die Identitätssuche und ein Heimatgefühl mit den persönlich wichtigen Aspekten verbunden. Dies in einer geografischen Koordination auszudrücken, unterstreicht die Qualität der Textarbeit von Thees Uhlmann. Danach folgt ein Stück, bei dem cembelo-artige Klavierklänge einen leisen Sound prägen, der aber durchgehend melodisch ist. Es kommt bei „Paris im Herbst“ eine melancholische Stimmung auf, die das Lied von anderen etwas abhebt, aber mir ebenfalls gut gefällt. Beendet wird das Album mit meinem Lieblingssong. „Vom Delta bis zur Quelle“ hat einen eingängigen Refrain, eine Kraft in der Stimme Uhlmanns und widmet sich wieder dem Thema Heimat, welches sich gut durch das Album zieht. Beim Livekonzert in Bensheim hat jeder Song live funktioniert und mir einen tollen Abend beschert, und das Album liefert immer wieder gute Laune beim Hören.
Fazit:
Mit diesem Album habe ich einen tollen Künstler für mich entdeckt. Seine Nähe zu Bosse oder Kettcar hat mir auch diese Künstler schmackhaft gemacht. Für mich ist dieses Solodebüt eines der besten deutschsprachigen Alben aller Zeiten. Alltägliche Lebenserfahrungen und persönliche Momente fügen sich zu einem wunderbaren erzählerischen Album zusammen. Die Songs bieten jedoch nicht nur intensive lyrische Texte, sondern auch vielfältige Klänge, die aber schnell ins Ohr gehen. Die markante Stimme Uhlmanns gefällt die Zusammenarbeit und mir mit Casper bringt ebenfalls ein starkes Ergebnis. Ich kann auf diesem Album keinen schlechten Song ausmachen und habe das deutsche Songwritertum mit diesem Album für mich entdeckt, und allein dies macht es zu einem Album meines Lebens.
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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧🐧
