Musikkritik: Album „Waves of Desire“ von Jerry Leger

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Wie bereits auf meinem Blog geschildert, nutze ich die Lektüre von Musikzeitschriften, um mir neue Alben- und Künstlertipps zu holen. So bin ich auf den kanadischen Singer-/Songwriter Jerry Leger gestoßen. Der Kanadier macht seit über zwanzig Jahren Musik und  hat schon einige Alben veröffentlicht, mir war er aber bisher noch nicht untergekommen. Dies ist nach Hören des Albums „Waves of Desire“ äußerst schade,  denn mir gefällt seine sich aus verschiedenen Traditionen speisende Musik. Einflüsse aus Folk und Americana sind zu spüren, bei manchem Song habe ich aber sogar an die Beatles  gedacht. Sein 2025 erscheinendes neues Album umfasst insgesamt zehn Songs und wurde sogar in Köln aufgenommen. Leger verknüpft Folk und Americana mit zeitlosem Pop und daraus entsteht eine gelungene Gesamtkomposition. Im Gegensatz zu früheren Alben ist Leger moderner und mit eingängigeren Melodien unterwegs.

Der Opener „Alcatraz“ arbeitet mit melancholischen Klängen von der Akustikgitarre und passt gut zur textlichen Verarbeitung eines Verlassenwerdens. Ich sehe in der Verwendung von „Alcatraz“ eine starke Metapher für eine entstehende innere Einsamkeit, die zugleich auch Hindernis für die weitere persönliche Entwicklung sein kann. Einem ähnlichen Thema widmet sich auch der Folgesong „It’s so strange“, der die inneren Verletzungen betont und zugleich die Perspektive eröffnet, mit Gewohnheiten zu brechen, aber das Ende eines solchen Schrittes offen lässt. Im Lied „Calling a Bluff“ wird für mich erstmals deutlich, wie Folk und Pop bei Leger miteinander verschmelzen. Immer wieder scheinen Beat- und Rockklänge durch und tragen einen eingängigen Refrain. Einer meiner liebsten Songs ist „Willow Ave“, da in dieser Ballade die Stimme von Leger schön herauskommt. Das Lied blickt zurück in die Kindheit und bietet ein Klangerlebnis mit Gitarren und Orgel, korrespondierend mit einer warmen Gesangsstimme. Hier habe ich erstmals an Paul McCartney denken müssen, da Leger bewusst mit kleinen Pausen arbeitet und damit die folgende Textpassage noch stärker betont. Ich finde, dieses Lied gibt immer wieder Schwung und trägt mich so schön durch.

Das Titellied „Waves of Desire“ hat richtig Power. Hier merkt man, dass Leger die Popgrößen und Trends kennt, denn das Lied atmet neben Songwritertradition ganz viel moderne Popelemente. Inhaltlich geht es um Sehnsüchte als eine Kraft, die von einem persönlich nur schwer zu kontrollieren ist. Gefühle kommen und gehen wie Wellen, sie können uns überwältigen, sogar überfordern oder uns zu schnell wieder verlassen. Es ist dem Song ein Anliegen, die Gefühlswelt zu akzeptieren, statt die Kontrolle anzustreben. Das Album schließt mit der Ballade „Back  in Love with me again“, in welcher nochmals Klavier und Gesang Brüchigkeit betonen. Das Album ist ein Gesamtwerk, welches die leisen Töne beherrscht, aber auch Tempo und Power transportieren kann. Gerade diese Vielfältigkeit zeichnet es aus und macht die Musik zeitlos. Letzteres ist für mich ein besonderes  musikalisches Qualitätsurteil.

Fazit:

Dieses Album zu hören hat mir Spaß  gemacht und ist vor allem eine Musik, die ich gerne im Hintergrund höre, während ich vielleicht koche oder z.B. an einem meiner Blogbeiträge schreibe. Ich mag diesen Mix aus ruhigen Klängen und  jenen mit Power. Zudem erkenne ich viele Traditionen, die in diese Musik hineinwirken. Das Zeitlose an diesem Sound erinnert mich an Musikgrößen vergangener Tage und ich genieße, dass man die Handarbeit dieser Musik hört. Mit ihrem thematischen Fokus auf Gefühlswelten und unserem Stress durch den Wunsch, vieles kontrollieren zu wollen, zielt Leger direkt auf das wichtige Thema Identität. Insgesamt auf jeden Fall ein äußerst hörenswertes Album.

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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧

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