Musikkritik: Album „Wir“ von Kaffkiez

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Seitdem ich die Band Kaffkiez auf einem Festival entdeckt habe, begleite ich deren musikalische Entwicklung und Veröffentlichungen. Ich freue mich, dass ich die Band im Schlachthof in Wiesbaden live erleben kann. Die fünfköpfige Band aus Rosenheim hat bei ihrer neuesten Tournee das Album „Wir“ im Gepäck. Stilistisch bleiben sie sich dabei treu und bieten eingängigen Indie-Pop mit Deutschrockcharakter. Im Gegensatz zu anderen Bands dieses Genres sind Kaffkiez aus meiner Sicht die tanzbare Version. „Wir“ ist ihr drittes Studioalbum und bietet treibende Gitarren, hymnische Refrains und Texte, die immer auch mit einem Augenzwinkern daherkommen. Das Album kommt ohne Brüche aus, sondern setzt auf einen konsistenten Klang. Thematisch kreist das Album um Wünsche nach Gemeinschaft, und Freundschaft und betont kollektive Erfahrungen, was die Songs auch live nochmals stärker macht. Insgesamt umfasst diese Produktion 14 Songs.

Der Opener „Vorhang auf“ macht genau das, was der Titel verspricht, und steht textlich für Aufbruch und Gemeinschaft. Bei mir sorgt dieser Song sogleich dafür, dass ich inmitten des Albums bin. Dies geht mit dem nächsten Track „Chaot“ direkt weiter, bei dem ich durchaus auch schmunzeln musste. Selbstironisch wird auf das eigene Verhalten und die auftretende Unzuverlässigkeit geblickt, was in einem eingängigen Refrain endet. „Hast du noch Zeit?“ stellt diese emotionale Frage an ein Gegenüber und hofft auf eine positive Antwort und spürbare Nähe. Daran knüpft das ruhige „Halb so schön wie du“ an, bei dem Romantik aufkommt und wir uns weg vom Rock zum klassischen Deutschpop bewegen. Inhaltlich deutlich selbstbewusster und mit klarer Botschaft agiert der Song „In Nächten wie diesen“, in dem deutlich mit einer toxischen Beziehung abgerechnet und der/die Partner:In klar in die Vergangenheit verwiesen wird. Mit dem Lied „Benz“ kommt Konsumkritik ins Album, wobei es sich vielleicht auch gegen junge Menschen richtet, die vor allem aufgrund von Erbe und mit finanziellen Mitteln gefördert aufwachsen. Hierbei werden diese nicht nur für ihr Leben kritisiert, sondern es wird auch markiert, dass diese Menschen vielleicht Konsum vornehmen, um fehlende zwischenmenschliche Nähe zu kompensieren. Thematisch erweitert wird das Album mit „Keine Stadt“, wo es um Entfremdung  und Orientierungslosigkeit geht. Sommer lassen Kaffkiez in ihr Album mit dem Lied „Capri Sonne“, welches ich jetzt schon mit dem ein oder anderen Song des Albums auf meine Sommerplaylist packe. Ein weiteres Highlight des Albums ist der Track „Akademiker“, der mich mit seinem Sound mitnimmt, auch wenn er textlich etwas oberflächlich bleibt.

Kaffkiez ist es gelungen, wieder direkt zugänglich zu sein und es mir damit als Hörer zu erleichtern, mich mit ihnen und den Texten zu identifizieren. Natürlich gibt es Bands, die sich textlich mehr in die Tiefe bewegen, doch dies muss diese Musik gar nicht. Die hymnenartige Konsistenz und der daraus entstehende tanzbare Sound machen beim Hören direkt gute Laune. Kaffkiez bewahren sich noch eine gewisse jugendliche Unbekümmertheit, wenn auch das ein oder andere Thema  einen Reifeprozess markiert. Aus meiner Sicht hört man diese Musik gerne und sie sorgt für gute Laune, wenn sie mich auf dem Weg zur Arbeit begleitet.

Fazit:

Kaffkiez sind auch mit ihrem dritten Studioalbum eine Band, die mich absolut begeistert, und so zählt dieses Album erneut zu meinen musikalischen Highlights. Die eingängigen Songs sind durchgehend gelungen und ich mache keinen schlechten Track auf dieser Platte aus. Die thematische Klammer rund um den Wunsch nach Gemeinschaft finde ich ebenfalls gelungen und diese stärkt jedes Liveerlebnis dieser Band. Die fehlende textliche Tiefe ist aus meiner Sicht nicht kritisch zu sehen, sondern Musik darf auch Begeisterung in den Vordergrund  rücken, wobei  ich dies bei diesem Album aufgrund seiner Themen gar nicht sehe. Diese Musik ist für jeden zugänglich und deshalb ein starker deutscher Indierockbeitrag mit Popeinflüssen. Von mir gibt es deshalb eine klare Hörempfehlung.

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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧🐧

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