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Vor einigen Jahren hat mich die skandinavische Krimiserie „Die Brücke“ in einen Sog gezogen, dem ich mich nicht mehr entziehen konnte. Für mich ist diese Serie immer noch eine der besten Krimiserien aller Zeiten. Interessant an ihr war auch, dass es zu grenzüberschreitenden Ermittlungen kommen musste. Es ist ein spannender Aspekt, wenn zwei unterschiedliche Landesbehörden agieren müssen, denn jede hat dann doch ihre eigenen Strukturen. Deswegen finde ich Krimireihen, die sich solchen Ermittlungen widmen, per se interessant. Ich bin deshalb auf die Krimireihe „Grenzfall“ der deutschen Autorin Anna Schneider gestoßen. Diese ist auf die Idee dieser Reihe durch einen Zeitungsartikel über einen vermissten Wanderer im Tölzer Land gekommen. Dieser Vermisstenfall interessierte sie mit der Nähe zur österreichischen Grenze, und folglich war die Idee einer Krimireihe in der Grenzregion zwischen Deutschland und Österreich geboren. 2021 erschien mit „Der Tod in ihren Augen“ der erste Band und läutet eine Reihe ein, deren sechster Teil schon in den Startlöchern steht.
„Krammer konnte nicht begreifen, was Menschen an Verbrechen so faszinierte. Warum standen sie da und glotzten? Was erwarteten sie? Ging es wirklich darum, einen Blick auf den Toten zu erhaschen?“
Schneider, Anna: Grenzfall – Der Tod in ihren Augen, S. Fischer Verlag Verlag 2021, S.103.
Die Krimihandlung beginnt mit einem grausamen Fund. Am Brauneck in Lenggries wird der Oberkörper einer Frau gefunden. Der untere Teil des Körpers fehlt allerdings, die Beine sind wie bei einer Puppe mit Stroh versehen. Ebenfalls wird ein Wanderrucksack gefunden, der dabei hilft, die Tote zu identifizieren. Mit diesem Fund ist klar, dass es sich um keinen Kletterunfall handelt, sondern der/die Täter:In die Leiche bewusst verstümmelt hat. Wenige Zeit später taucht in Tirol am Achensee der Unterkörper auf, wobei ein Fuß fehlt. Eine Leiche aufgeteilt in zwei Ländern, und dies bedeutet, dass die beiden Polizeieinheiten gemeinsam ermitteln müssen. In das Zentrum des Romans rücken die beiden Ermittler:Innen. Alexa Jahn hat ihre bisherige Polizeidienststelle aus Karrieregründen verlassen und ihren Dienst bei der Kripo Weilheim frisch angetreten. Sie ist jung, engagiert und geht an die neue Aufgabe mutig heran. Als ihr neuer Chef jedoch durch einen Unfall ausfällt und ihr die Leitung der Ermittlungen überträgt, steht Jahn vor einer besonderen Prüfung. Ihr neuer direkter Kollege scheint zudem über ihren Vorzug verärgert. Anna Schneider gibt Alexa Jahn als Figur viel Raum, um auch ihre Unsicherheiten zu zeigen. Sie weiß, dass sie für eine solche Art der Ermittlung noch nicht über allzu viel Erfahrung verfügt, und merkt, dass es auch interne Widerstände gegen ihre Person zu geben scheint. Im Kontrast dazu steht der Kollege der österreichischen Seite.
„Denn es war schon immer sein Schicksal, dass alles Schöne und Gute in seinem Leben vergänglich war, wie Blätter, die von einem alten Baum rieselten. Was ihm blieb, war das Böse und die rastlose Jagd danach.“
Schneider, Anna: Grenzfall – Der Tod in ihren Augen, S. Fischer Verlag Verlag 2021, S.119.
Bernhard Krammer ist ein erfahrener Polizist, der auf seinen Job mit Respekt blickt, aber auch schon Niederlagen bei Ermittlungen verarbeiten musste. Er hat eine trockene, an einigen Stellen von Zynismus durchzogene Art, und es deutet sich an, dass ihn irgendetwas aus der Vergangenheit belastet. Man merkt beiden Figuren an, dass Anna Schneider sie für eine mögliche Reihe angelegt hat und ihnen sogleich Entwicklungspotenzial mitgibt. Jahn und Krammer arbeiten nicht ideal zusammen, obwohl sie in ihrer Zielstrebigkeit ähnlich sind. Alexa möchte aber ihre Unerfahrenheit nicht als Argument gelten lassen, dass sie dem älteren Kollegen folgen soll. Bernhard Krammer geht intuitiv vor, Alexa Jahn versucht, Fakten zu sortieren und die Ermittlungen zu versachlichen. Die Grenzüberschreitung prägt in diesem Roman nicht nur die über Landesgrenzen stattfindenden Ermittlungen. Der/Die mögliche Täter:In überschreitet ebenfalls Grenzen, indem er/sie sein/ihr Opfer zerstückelt hat. Dies führt auch die ermittelnden Polizisten an ihre Grenzen. Die kulturellen Unterschiede der beiden Länder spielen in der Romanhandlung eine untergeordnete Rolle. Anna Schneider widmet der Landschaft erweiterten Raum und transportiert trotz der geschilderten Grausamkeiten eine gewisse Sehnsucht nach Urlaub in den Bergen.
Die Ermittlungen werden abwechselnd aus dem Fokus der beiden Hauptermittler:Innen erzählt, und dies steigert die Spannung und offenbart unterschiedliche Ansätze und persönliche Differenzen. Kleinere Passagen lassen auch den/die Täter:In zu Wort kommen. Insgesamt sorgt dieser Stil für eine dichte und gelungene Atmosphäre. Der Roman ist flüssig zu lesen, die Figurenschilderung und -sprache geben den Dialogen unterschiedliche Tonarten. Die geschilderte Ermittlungsarbeit wirkt realistisch und ist ebenfalls ein Qualitätsmerkmal des Buches.
Fazit:
Dieser Reihenauftakt schafft schnell eine von Spannung geprägte Atmosphäre. Der geschilderte Kriminalfall ist nichts für zarte Gemüter und lebt vom ungewöhnlichen Leichenfund. Die voranschreitenden Ermittlungen werden detailliert geschildert und man kann jeden Schritt und Gedanken der Ermittler:Innen nachvollziehen. Anna Schneider hat intensiv recherchiert und paart dies mit schönen Beschreibungen der Handlungsgegend. Die Täter:Innensuche wirkt lange Zeit ausweglos und die sich daran anknüpfende Verzweiflung der beiden Hauptfiguren geht einem beim Lesen nahe. Für mich ist dieser Roman ein schöner Reihenauftakt, der einlädt, die weiteren Bücher der Reihe zu lesen.
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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧
Titel: Grenzfall – Der Tod in ihren Augen
ISBN: 978-3-596-70050-9
