Schneider, Anna: Grenzfall – Ihr Schrei in der Nacht

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Der erste Band der Reihe Grenzfall hat mir schon gut gefallen und ich freue mich, dass ich Anna Schneider 2026 auf den Darmstädter Krimitagen begrüßen werde. Mir war es ein Anliegen, ihre Reihe im Programm zu haben. Mir gefällt an der Reihe der Mix aus Alpenpanorama und düsteren, teils brutalen Kriminalfällen, die von einem grenzübergreifenden Team gelöst werden müssen. Die verschiedenen Bände sind durchaus eng miteinander verzahnt. Die beiden Hauptermittler Alexa Jahn und Bernhard Krammer wissen seit Ende des ersten Bandes, dass sie mehr als nur der gleiche Job in zwei verschiedenen Ländern verbindet.

Im Zentrum des zweiten Bandes steht eine Serie verschiedener unabhängiger Vermisstenfälle auf beiden Seiten der Grenze. Erschwert werden Ermittlungen und Suche durch einen heftigen Wintereinbruch. Zu Beginn dreht sich alles vor allem um ein verschwundenes Mädchen auf dem Weg zu ihren Eltern und zwei vermisste Studentinnen aus einem Wohnheim in Innsbruck. Nach Aufnahme der Ermittlungen hat Bernhard Krammer schnell einen gefährlichen Verdacht. Das Vorgehen erinnert ihn an einen Fall aus seiner Vergangenheit, den er nie abschließen konnte und persönlich auch noch nicht verarbeitet hat. Die Reihe ist durch die Sicht der beiden Kommissare geprägt. Wir erleben, wie Krammer und Jahn mit ihren jeweiligen Partner:Innen in den ihnen übergebenen Fällen ermitteln. Die Fälle gleichen sich, scheinen aber zunächst keinen inhaltlichen Bezug zueinander zu haben.

„Aber am schlimmsten wog, dass sie ihm den Eindruck vermittelt hatten, ihnen sei völlig egal, dass jemand aus ihrer Mitte fehlte. Ohne jegliches soziale Gewissen. Völlig abgestumpft und desinteressiert am Schicksal anderer.“

Schneider, Anna: Grenzfall – Ihr Schrei in der Nacht, S. Fischer Verlag 2022, S.302.

In diesem Zitat zeigt sich für mich die Brutalität dieses Krimis. Brutal empfinde ich ihn nicht nur in den Tötungsdelikten, sondern auch in den Tatmotiven. Menschen werden vermisst und beim sozialen Umfeld ist nicht unbedingt Trauer über den Verlust zu spüren. Die Alpenregion mit ihren Naturereignissen hilft dieser Reihe, eine düstere Atmosphäre aufzubauen. Der Roman widmet sich Grenzüberschreitungen nicht nur geografischer Natur, sondern auch bei dem/der Täter:In. Die Figuren des Romans werden an ihre emotionalen und moralischen Grenzen geführt. Das Zusammenspiel des grenzübergreifenden Ermittlerduos verläuft nicht reibungslos. Die beiden scheinen zu stark in ihren Persönlichkeiten und ein familiäres Geheimnis belastet die Beziehung zusätzlich. Für mich ist diese Beziehungsebene der Figuren ein Spannungsmomentum dieser Reihe. Alexa Jahn ist die jüngere Figur und entwickelt sich mit einer anderen Dynamik. Sie muss sich nicht nur gegenüber Krammer beweisen, sondern auch in ihrem neuen Team die Rolle der Chefin ausfüllen.

Anna Schneiders Schreibstil ist klar, sorgt für flüssiges Lesen. Die Ermittlungsarbeit wird präzise beschrieben und der Tonfall der Figuren ist gut ausgearbeitet. Typisch für die Reihe sind die wechselnden Perspektiven. Wir erfahren die Handlung immer aus der Perspektive des jeweiligen Ermittelnden, und dazu durchbricht noch die Tätzer:Innenperspektive den Text. Somit gibt es an bestimmten Stellen einen Wissensvorsprung gegenüber bestimmten Personen. Die Spannung wird durch die parallelen Fälle gesteigert, der Zeitdruck, die Vermissten zu finden, wirkt ebenso.

„Hass ist ein starker Antrieb. Allein wäre jeder Einzelne von denen wahrscheinlich völlig harmlos. Aber innerhalb der Gruppe fühlen sie sich dann plötzlich stark.“

Schneider, Anna: Grenzfall – Ihr Schrei in der Nacht, S. Fischer Verlag 2022, S.326.

In diesem Roman zeichnet sich ab, dass es um Gewalt gegen Frauen geht, und somit geraten Männer in den Fokus der Ermittlungen. Es erschreckt mich, welche männlichen Gewaltfantasien sich in diesem Buch zeigen, und die Kälte der Beschreibung stützt diesen Eindruck und ist absolut angemessen. Der Roman entwickelt ab seiner Hälfte einen starken Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte. Ich fieberte mit Alexa Jahn und entwickelte einen eigenen Verdacht. Die Schlusssequenz des Romans gehört für mich zu einer der stärksten, die ich im Spannungssektor bisher gelesen habe. Sicherlich ist diese Reihe nichts für die zartbesaitete Leserschaft, aber die Brutalität ist hier nicht überzogen, sondern wirkt realistisch. Ich habe den Schluss auf jeden Fall nicht aus der Hand legen können und habe einen bärenstarken Krimi beendet.

Fazit:

Die Reihe konnte mich schon mit ihrem ersten Band für sich gewinnen, hat allerdings mit dem zweiten Fall nochmals mehr Fahrt aufgenommen. Der geschilderte Kriminalfall ist wirklich äußerst fundiert recherchiert und spannend aufgebaut. Mich schocken die Ereignisse und die dargebotene Action ist wirklich stark geschrieben. Anna Schneider hat ihre beiden Hauptfiguren mit einer wunderbaren Tiefe ausgestattet und ich habe das Gefühl, diesen beiden Figuren noch lange folgen zu wollen. Die Verknüpfung der verschiedenen Fälle wird in einem gut konstruierten Netz bis zu einem richtigen Showdown geführt. Für mich ist diese Buchreihe fast wie eine Fernsehserie, die mit kleinen Cliffhangern endet und so schon Lust auf den nächsten Band macht. Schneider gelingt es, das regionale Setting in hoch spannende Fälle zu integrieren, die mit Wucht daherkommen und deshalb richtig starke Krimiunterhaltung sind.

Werbung aus Liebe zum Buch

Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧🐧

Titel: Grenzfall – Ihr Schrei in der Nacht

ISBN: 978-3-596-70546-7

https://www.fischerverlage.de/buch/anna-schneider-grenzfall-ihr-schrei-in-der-nacht-9783596705467

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