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Drei Bände der Grenzfall-Reihe habe ich mittlerweile auf dem Blog besprochen und Euch damit eine Autorin nähergebracht, die ich als Moderator im Jahr 2026 bei den Darmstädter Krimitagen begrüßen darf. Ich freue mich auf diesen Abend, denn diese Autorin war mein Wunschgast. Ihre Reihe zeichnet sich durch eine fokussierte Beschreibung von Polizeiarbeit innerhalb komplexer Verbrechensfälle aus. Dafür entführt uns Schneider in das deutsch-österreichische Grenzgebiet, und, wenn die ganzen Verbrechen nicht wären, würde man sich beim Lesen auch ganz leicht in einen Wanderurlaub in den Bergen träumen. In der Reihe ermitteln der österreichische Chefinspektor Bernhard Krammer und seine deutsche Kollegin Alexa Jahn. In den vorherigen Bänden hat sich ergeben, dass die beiden verwandtschaftlich verbunden sind. Bernhard Krammer ist Alexas Vater und diese Rahmenhandlung wird stetig weiterentwickelt, ohne dass dies die jeweiligen Fälle überlagert. Kennzeichnend für die Reihe ist, dass die Bände in der erzählten Zeit dicht aufeinanderfolgen. Man muss die Bücher trotzdem nicht zwingend in Reihe lesen, allerdings ist es aus meiner Sicht bei den Fällen drei bis fünf ratsam. Mich erinnert diese Stilistik an die Fernsehserie „24“, die eine Mission eines Agenten in Echtzeit abbildete.
„Es blieb alles ruhig in der Wohnung, nichts bewegte sich. Auch wenn er es nicht näher begründen konnte und äußerlich nichts darauf hindeutete, spürte er dennoch deutlich, dass hier etwas nicht stimmte.“
Schneider, Anna: Grenzfall – In den Tiefen der Schuld, S. Fischer Verlag 2024, S.5.
Dieses Zitat steht fast am Beginn dieses Bandes und nimmt uns mit in die Wohnung von Krammers Kollegin Roza Szabo. Bernhard Krammer steht in der Wohnung, da er seine Kollegin sucht, und entdeckt nur wenige Momente später eine männliche Leiche. Die Leiche trägt eine Tauchermaske und es wirkt, als habe man sie bewusst inszeniert aufgebahrt. Krammer weiß nicht, was geschehen ist, und von seiner Kollegin fehlt jede Spur. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass sich Roza auf der Flucht befindet. Es stellt sich jedoch die Frage, ob es sich um eine Flucht aus Angst oder vor Schuld handelt. Er muss somit sowohl für als auch gegen seine Kollegin ermitteln. In diesem Reihenteil steht deshalb Krammer mit seiner Kollegin im Fokus und wird in seinen Ermittlungen von seiner Tochter und deren Kollege unterstützt. Zunächst gilt es, die verschwundene Kollegin zu finden und die Leiche zu identifizieren. Die letzte Spur zu Roza führt an den Walchensee und ein Zeuge gibt ein merkwürdiges Verhalten von ihr zu Protokoll. Krammer wird dabei das Gefühl nicht los, dass dies alles mit der Vergangenheit seiner Kollegin zu tun haben könnte. In den grenzüberschreitenden Ermittlungen zeigen sich immer wieder bürokratische Hürden und dass Krammer diese mit Pragmatismus umgeht. Jedoch dienen die grenzüberschreitenden Ermittlungen ebenfalls dazu, unterschiedliche Blickwinkel auf Ereignisse zu ermöglichen.
„Er hatte die ganze Bar gekauft. Und mich.“
Schneider, Anna: Grenzfall – In den Tiefen der Schuld, S. Fischer Verlag 2024, S.219.
Dieses kurze Zitat ist ein Auszug aus einem grafisch abgesetzten Textteil. Ein weiteres Merkmal der Reihe ist nämlich, dass solche Passagen eine Täter:Innenperspektive bieten. Man blickt zurück in deren Vergangenheit, oder bekommt Hinweise auf Schilderungen von vermeintlichen Opfern. Dadurch wird der Spannungseffekt verstärkt, da wir neben den beiden Ermittlerperspektiven eine weitere unklare Ebene haben. Wie Puzzleelemente setzen sich in diesem Reihenteil mögliche Indizien zusammen. Der Actionteil ist gegenüber Vorgängerbänden reduziert, und doch weisen die Ereignisse auf einen mächtigen und brutalen Gegenspieler hin. Alexa ist bemüht, die emotionale Betroffenheit ihres Vaters mit Rationalismus zu durchdringen. Allerdings zeigt sich, dass zwischen den beiden noch keine tiefe emotionale Verbundenheit besteht und Krammer seinen eigenen Weg weiterhin zielstrebig verfolgt. Sofern nicht Roza zur Täter:In geworden ist, dürfte sich der Strippenzieher im Bereich der organisierten Kriminalität suchen lassen. Durchgehend hoch bleibt angesichts dieser Gefahren und Möglichkeiten die emotionale Belastung Krammers. Schließlich muss er sich auch fragen, wie gut er seine langjährige Kollegin wirklich kennt. Aus all den genannten Aspekten zieht der Roman sein hohes Spannungsniveau und schafft es mit immer wieder kleinen Wendepunkten, bis zum Schluss zu fesseln.
Fazit:
Erneut ist Anna Schneider ein spannender Krimi mit komplexem Aufbau gelungen. Die beiden Hauptfiguren werden mit feinem Gespür weiterentwickelt und das Auf und Ab der Beziehung sorgt insgesamt für eine Annäherung. In diesem Fall stehen Krammer und seine Kollegin im Fokus, woraus sich eine spannende Verbrecherjagd durch die Grenzregion ergibt. Spuren der Vergangenheit tauchen durchgehend auf und die sichtbaren Fäden müssen zunächst entwirrt werden. Der vierte Band dosiert die Action und erhöht die psychologische Tiefe. Für mich ist diese Kombination der Beweis, dass diese Reihe zu den Stärksten des deutschsprachigen Marktes zu zählen ist.
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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧🐧
Titel: Grenzfall – In den Tiefen der Schuld
ISBN: 978-3-596-70819-2
https://www.fischerverlage.de/buch/anna-schneider-grenzfall-in-den-tiefen-der-schuld-9783596708192
