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Wichtiger Baustein meines Blogs ist seit Beginn Karl May und dieses Universum ist keines, welches kleiner wird, was ich sehr begrüße. Der Karl-May-Verlag hat begonnen, Autor:Innen sogenannter Pasticheromane zu verlegen. Mir war hier zunächst nur Reinhard Marheinecke bekannt, den ich von Ekkehard Bartsch in seinem Antiquariat bei einem Besuch der Karl-May-Spiele Bad Segeberg empfohlen bekommen hatte. Mittlerweile veröffentlicht der Verlag jedoch viele weitere Autor:Innen. Einer dieser Autoren ist Friedhelm Schneidewind. Dessen Roman „Old Firehands letzter Kampf“ ist im Jahr 2025 erschienen. Schneidewind ist freiberuflich als Journalist, Musiker, und Schriftsteller tätig. Dieser Roman mit dem bekannten Westmann des May-Kosmos ist allerdings sein erster, der sich an Figuren des Maysters orientiert.
In seinem Roman treffen wir auf einen gealterten Old Firehand. Dieser hat sich nach seiner Verletzung im Kampf mit den Poncas in St. Louis niedergelassen. Dort hat er sich mit dem Büchsenmacher Henry angefreundet und genießt die Ruhe seines Lebens. Bei ihm wohnt sein Sohn Harry, der sich überlegt, wohin ihn sein weiterer Weg führen wird. Als Henrys Werkstatt überfallen und ein Gewehr gestohlen wird, muss Old Firehand seinen „Ruhestand“ unterbrechen. Der Jagdinstinkt ist geweckt, doch zunächst muss er wieder zu alten Kräften kommen und erhält hierbei Unterstützung von seinem Blutsbruder Winnetou. Es beginnt eine monatelange Hatz durch weite Teile der USA, bei der er immer wieder unterschiedliche Gefährten hat. Auf einem Teil der Wegstrecke begleitet ihn der berühmte Häuptling der Apachen. Mehr Unterstützung erhält er jedoch von den „verkehrten Toasts“, Dick Hammerdull und Pitt Holbers. Mit diesen stellt er nämlich fest, dass sie im Dienste der Pinkerton-Detektive den gleichen Verbrecher suchen. Es entsteht der Verdacht, dass es sich bei diesem um einen Auftragsmörder handelt und man ihn von seinem nächsten großen Auftrag abhalten muss. Old Firehand wird somit ebenfalls zum Detektiv und agiert einem Agenten gleich. Es ist dies ein ganz anderes Abenteuer, als man dies von Karl May oder anderen Pasticheautor:Innen kennt. Sicherlich haben bei Karl May auch immer wieder Detektivaufgaben gewartet, doch einen Roman, der sich ganz in einen Kriminaldienst stellt, kenne ich nicht. Die Actionsequenzen sind aufgrund des gestiegenen Alters des Helden spärlich und die Schilderungen sind diesem angemessen. Hierin liegt eine Stärke des Buchs. Etwas befremdlich wirkt Old Firehand, wenn er seine Westmannkleidung gegen einen feinen Anzug tauscht, aber für die Zielerreichung ist dies nötig.
„Old Firehand nahm einen großen Schluck. >>Ich habe die Langsamkeit genossen. Das Gefühl keine Eile zu haben, nichts Dringliches erledigen zu müssen. Und ich bin bei vielen Menschen eingekehrt: Habe Midwinter und Midsummer ihrem Besitzer zurückgebracht, in Washington Horace Hyde und Ely Parker getroffen, in Chicago den Verkehrten Toasts und John Scobell berichtet – es war eine Art Abschiedstour.>>“
Schneidewind, Friedhelm: Old Firehands letzter Kampf, Karl May Verlag 2025, S.424.
In diesen Zeilen ist der Charakter des Romans gut ablesbar. Schneidewind lässt den bekannten Helden eine weite Reise machen, die zugleich wie ein letzter großer Auftrag wirkt und damit zum Titel des Romans passt. Es ist spannend zu lesen, wie Schneidewind den Plot eines „Agententhrillers“ mit möglichem politischen Komplott in einen Western verpackt. Eine weitere wichtige Figur ist der junge „Buffalo Bill“ und diese Bearbeitung der historischen Figur ist ebenfalls typisch für den vorliegenden Text. Schneidewind lässt immer wieder Passagen mit realen Bezügen einfließen. Allerdings stört dies an der ein oder anderen Stelle den Textfluss, denn es ergeben sich Passagen mit Erklärungen, die einen starken Sachbuchton haben. Jene Passagen kennt man von May anders, denn dieser hat dies immer wieder in Figurensprache eingearbeitet. Hier hätte ich mir einen anderen Stil gewünscht. Gelungen sind die Verwendungen der Figuren von Karl May. Schneidewind beweist, dass er sich intensiv mit dessen Werk auseinandergesetzt hat und die jeweiligen Figurenbiografien kennt. Ich finde, dies ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal für ein Pastiche. Der Roman lässt dabei Raum, diese Figuren auch nochmals anders kennenzulernen, was mir besonders beim Büchsenmacher auffällt. Ich sehe zudem weiteres Potenzial in der Figur von Harry, welches in diesem Text nicht genutzt wird. Schade finde ich, dass die Figur des edlen Apachenhäuptlings etwas blass bleibt, er vor allem als Lehrmeister reüssiert. Old Firehand wird ähnlich Old Shatterhand in Winnetou I nochmals unterwiesen und setzt das Gelernte dann mit seinen eigenen Stärken gemischt erfolgreich um. Schneidewinds Roman ist in keiner Weise nur ein Abklatsch bekannter Motive, sondern er gibt der mir bekannten Welt einen anderen Blickwinkel, und auch dies ist für mich ein wichtiges Qualitätsurteil für ein Pastiche.
Fazit:
Dieses Pastiche liefert uns eine weitere Geschichte zu einer bekannten Figur aus dem May-Kosmos. Old Firehand ist ein wichtiger Gefährte der uns bekannten Blutsbrüder, hat aber auf mich immer distanziert gewirkt. Seine hünenhafte Gestalt hat mir schon beim Lesen Respekt eingeflößt und Schneidewind setzt gut an diesem Figureneindruck an. Die tolle Leistung von Schneidewind ist es, mir diese Figur zum ersten Mal nahezubringen. Das Buch ist eine gelungene Abschiedstour für einen großen Helden und liefert einen angemessenen Umgang mit einem alternden Helden. Die Schwächen zeigen sich für mich in der nicht klassischen Wildwest-Story und den dabei immer wieder einfließenden Sachbucherläuterungen, was meinen Lesefluss etwas gestört hat. Trotzdem ist dieses Buch ein passender Beitrag zum bestehenden Kosmos.
Werbung aus Liebe zum Buch
Wertung: 🐧🐧🐧🐧
Titel: Old Firehands letzter Kampf
ISBN: 978-3-7802-0576-6
https://www.karl-may.de/Buecher/Sonderb%C3%A4nde_Old-Firehands-letzter-Kampf
